Stadttheater Kempten

Berolina Ensemble spielt sechstes Meisterkonzert 

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Berolina Ensemble

Kempten - Das Berolina Ensemble berausch mit "Ludwig Van" das Publikum beim sechsten Meisterkonzert.

„Meine Damen und Herren, wir haben ein Problem: unsere Hornistin und unser Fagottist müssen sofort nach dem Konzert zum Flughafen, deswegen können wir keine Zugabe spielen. Dafür dürfen Sie gerne nach dem Konzert eine CD von uns kaufen.“ Mit dieser marketingtechnisch geschickten wie perfekt spontan wirkenden Ankündigung durch den Violonisten David Gorol, Kopf und Gründer des Berolina Ensembles, begann der interessantere Teil des sechsten Meisterkonzerts, das letzten Sonntag im Stadttheater Kempten stattgefunden hatte. Zuvor, nämlich vor der Pause, hatte man mit dem Septett des Franzosen Adolphe Blanc ein Beispiel dieser Gattung gehört, das nicht unbedingt dazu angetan war, entweder die Musiker des Berolina Ensembles oder die musikalische Form des Septetts, bestehend aus drei Bläsern und vier Streichern, oder den ziemlich unbekannten französischen Komponisten Adolphe Blanc aus einem durchschnittlichen Mass an Insider-Aufmerksamkeit in den Status des „Youmusthaveheardit“ zu katapultieren. 

Der folgende schwedische Komponist des neunzehnten Jahrhunderts Franz Berwald bleibt bei dieser Aufzählung ausgenommen, denn mit seinem Septett in B-Dur von 1828 hatte sich der Konzertabend bereits ein Stückweit zum Besseren entwickelt. In Adophe Blancs Septett, dem ersten Stück des Abends, das etwas lieblos mit „gepflegt langweilig“ oder etwas wohlwollender mit „ganz nett“ umschrieben ist, konnten die sieben Musiker nicht glänzen. Zu beliebig und mäandernd floss der musikalische Strom über vier Sätze hinweg, frei von irgendwelchen Spannungen und Entspannungen. Oder wollte das Berolina Ensemble hier nicht glänzen und hätte der Musik mit etwas mehr Ausdruck, Gestaltungswillen und Spannkraft durchaus zu etwas mehr Effekt verhelfen können? Immerhin, beim nächsten Stück von Franz Berwald war durch markantere Themen und prägnantere Durchführungen bereits in der Komposition mehr Substanz vorhanden, so dass die Musiker ohne größere Steigerung ihres Einsatzes eine größere Wirkung im Zuschauerraum erzielen konnten. 

Erstaunlich, wie mitteleuropäisch klassisch dieser skandinavische Komponist klang, ohne jenes nordische Kolorit, das man noch beim fünften Meisterkonzert aus der Musik eines Niels Wilhelm Gade oder Jean Sibelius herausgehört hatte. So richtig ausgelotet wurde aber immer noch nicht, was man mit sieben Instrumenten machen kann. Im Grunde genommen ist ja jedes große Orchester im Prototypus dieser sieben Instrumenten von Klarinette, Fagott, Horn, Kontrabass, Cello, Viola und Violine vorhanden, nur dass die einzelnen Instrumente auf die unterschiedlichsten Arten mehrfach besetzt sind. Was für musikalische Welten sieben Instrumente erschaffen können, zeigte dann nach der Pause ein Meister seines Fachs, dessen Genialität tatsächlich einem schönen Götterfunken entsprungen sein mag. Dr. Franz Tröger, Programmkoordinator der Meisterkonzerte, wußte sicher, warum er sich in seiner Einführung vor dem Konzert nicht lange mit den ersten beiden Komponisten aufhielt, sondern lieber über die biographischen Details zu Beethovens Septett referierte. Interessant und wichtig: Beethoven hat es 1799 am Anfang seiner bereits einsetzenden musikalischen Erfolgskarriere komponiert, und der nachhaltige Erfolg des Stücks beim damaligen Publikum hat ihn später gestört, weil dieser Erfolg spätere nach Meinung Beethovens viel bedeutendere Werke überstrahlte. 

Am Sonntagabend war sein Septett, op. 20, in jedem Fall die bedeutendste Komposition. Auch die jungen Berliner Kammermusiker sahen dies so, man hörte förmlich an den ersten Takten, dass ein Ruck durch das Ensemble gegangen war. Bis auf einige kleine Unsauberkeiten boten sie über alle sechs Sätze hinweg ein exakt gespieltes und dynamisch klar strukturiertes opus 20, das alles enthielt, was man vor der Pause vermißt hatte. Einfallsreiche Themen, interessante Durchführungen und Variationen dieser Themen, spannende und abwechslungsreiche Dialoge zwischen den Instrumentengruppen, immer wieder neue Instrumentenkombinationen. Die Meisterschaft Beethovens zeigte sich in der formalen Logik bei gleichzeitiger Leichtigkeit des Ausdrucks und Effekts. Gerade bei diesem Stück fehlt noch gänzlich das Drama und die Schroffheit, die Beethoven bei seinen späteren Werken zunehmend an den Tag legte, klassische Ausgewogenheit und Wohlklang waren in Reinform enthalten. Am Ende klatschte das Publikum heftig Beifall, danach brauchte man kein Zugabe mehr. 

Jürgen Kus

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