Beruf mit Empathie

Für den Heilerziehungsberuf gibt es ein neues Ausbildungskonzept 

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Andreas Pfisterer, stellv. Bereichsleiter Wohnen bei der Lebenshilfe Kempten.

Kempten – Elf Auszubildende hat die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung aktuell in ihren Wohnheimen, 14 oder auch mehr auf dem Weg zum Heilerziehungspfleger/zur Heilerziehungspflegerin (Hep) könnten es werden.

„Mit Blick auf den Fachkräftemangel ist es bedeutsam, über die Ausbildung Fachkräfte aus den eigenen Reihen zu akquirieren, das heißt: In der Regel werden die „frischgebackenen Heps“ nach dem dritten Ausbildungsjahr auch übernommen“, erzählt Andreas Pfisterer, stellvertretender Bereichsleiter Wohnen bei der Lebenshilfe Kempten. Er stellte jetzt das neue, weiterentwickelte Ausbildungskonzept der Lebenshilfe Kempten vor, das neben dem Mentoring auch Persönlichkeitstraining und viele andere Module vorsieht. „Die allerwichtigste Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung ist allerdings die Empathie!“ „Mit den neuen Qualitätsmerkmalen geben wir unseren Mentoren und auch unseren Auszubildenden einen guten Leitfaden an die Hand“, ist sich Pfisterer sicher, der das Konzept zusammen mit zwei langjährigen Mentoren – Jens Schönberger und Valentin Jocham – Wohnbereichsleiter Jürgen Schulz und der Lebenshilfe-Geschäftsführung entwickelte. Gestützt darauf hat die Geschäftsführerin Christine Lüddemann einen Ausbildungsplatz für jede Wohngruppe gebilligt: „Wir sind bereit, hier über den vorgegebenen Personalschlüssel hinauszugehen und entsprechende Mehrkosten vorerst zu tragen.“ 

Das neue Ausbildungskonzept sieht nun vor, dass die Azubis nach dem Vorpraktikum im ersten und zweiten Jahr der Ausbildung auch über je zwei Monate andere Wohneinrichtungen kennenlernen. „Die Arbeit im Wohnheim für Menschen mit psychischen Einschränkungen ist eine andere als im Wohnheim für Menschen mit mehrfachen Einschränkungen, wo auch pflegerische Tätigkeiten notwendig sind“, erläuterte Pfisterer die Neuerungen. Damit werde die praktische Ausbildung noch mehr professionalisiert, abgerundet durch Mehr-Wissen. Medikamentenausgabe, Kassenbücher führen, pädagogische Konzepte vermitteln – all das ist dabei Aufgabe der sogenannten Mentoren. Das sind ausgebildete Heps, die seit mehr als drei Jahren in ihrem Beruf als Fachkraft arbeiten und eine Zusatzqualifikation als Mentor absolviert haben. Letztere fehlt dem 23-jährigen Paul Riedisser noch. Er hat erst im letzten Sommer seinen Abschluss gemacht und hat jetzt auch – anders als während der Ausbildung – die Verantwortung für die Wohngruppe zu tragen. „Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen“, gesteht der ehemalige Abiturient, der immer schon gern mit Menschen zu tun haben wollte und jeden Tag gern zur Arbeit geht. 

Er schätzt das gute Miteinander unter den Kollegen, wo man sich gegenseitig bei Fragen hilft ebenso wie die Gefühle der Echtheit und Herzlichkeit, die von den Menschen mit Behinderung, zu ihm zurückkommen. Das Persönlichkeitstraining soll die Auszubildenden weiterbringen, ihnen auch schwierige Situationen, Hektik und Stärken vor Augen führen. Auch kulturtechnisch, im Schreiben/Dokumentieren und bei der Arbeit am PC bekommen die jungen Leute einen letzten Schliff. Teilnahmen an Ferienfreizeiten sind attraktiv, haben aber wiederum eine ganz andere Dynamik. Einmal im Jahr gibt es schon jetzt ein Lehrjahr übergreifendes Treffen von Mentoren und Azubis. Ergänzt werden soll es künftig von zusätzlichen Zusammenkünften aller Wohnheim-Azubis. „Hier überlegen wir gerade noch, wie das personell und finanziell zu stemmen sein kann.“ Angedacht ist, Themen wie Demenz, Autismus, Eskalation, Deeskalation und vieles mehr im dreijährigen Rhythmus rollieren zu lassen, so dass alle während ihrer Ausbildung einmal die fachlichen Themen theoretisch und auch anhand von praktischen Beispielen erfahren. Bei der Betreuung von Menschen mit Einschränkungen ist neben der Empathie vor allem Kontinuität der Betreuung ein wichtiger Faktor. Diese kann bei der Lebenshilfe Kempten gut gewährleistet werden, weil die Heilerziehungspfleger nach der Ausbildung in aller Regel übernommen werden.

Ausbildung zum Hep – Heilerziehungspfleger: Voraussetzung ist mindestens Mittlere Reife. Mit Abitur reicht ein Jahr Vorpraktikum, sonst zwei. Die Ausbildung selbst dauert drei Jahre und findet neben der Ausbildung in Fachschulen in Kempten, Memmingen und Ravensburg statt. Daher gibt es auch stets zwei Verträge, einen mit der Einrichtung und einen mit der Schule. 

Mori

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