Besinnung auf heimische Wurzeln

Die Kunsthalle soll künftig nur noch regional bespielt werden

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„Krähenwesen“ von Künstlerin Jutta Hedwig Schöffl ist derzeit in der Kunsthalle zu sehen.

Kempten – Neun Ausstellungen während elf Monaten lautet die Bilanz 2019 für die Kunsthalle, die nach einem Beschluss des Kulturausschusses seit 2016 nur noch kulturellen Veranstaltungen und Ausstellungen offen steht. Und seit die zuvor auch dort stattfindenden privaten Feierlichkeiten und Firmenveranstaltungen verbannt wurden, konnte sie ihr kulturelles Profil besonders im Bereich zeitgenössische Kunst schärfen und „hat enorm an Attraktivität gewonnen“, wie Kulturamtsleiter Martin Fink in der Maisitzung des Gremiums erfreut kund tat

Allerdings einen Haken hat die Fokussierung auf zeitgenössische Kunst mit überregionaler Ausrichtung: „Mittlerweile ist das Niveau so hoch“, dass regionale Künstler immer öfter das Gefühl hätten, „dass ich da nicht mehr reinpasse“ und sie die Kunsthalle auch wegen der hohen Auslastung kaum noch nutzten. Wohin soll sich die Kunsthalle also in Zukunft weiter ausrichten? 

Stellt man die Positionierung mit zeitgenössischer der mit regionaler Kunst gegenüber, punktet in der Argumentation des Kulturamtsleiters klar die regionale Ausrichtung. Bei zeitgenössischer Kunst ist ihm zufolge der Aufwand nämlich wesentlich höher, die Besucherzahlen niedriger, und da sie von zugrundeliegenden Konzepten lebe, ein solcher Themenbereich im Kulturamt aber „nicht verortet ist“, musste diese Aufgabe immer nach außen vergeben werden. 

Deshalb soll die Kunsthalle weiterhin ganzjährig und zeitgenössisch, aber wieder verstärkt durch die lokale und regionale Kunstszene bespielt werden, vergleichbar der Vorgaben für die Festwochen-Kunstausstellung. Nach Überzeugung Finks werde damit ein „Alleinstellungsmerkmal“ gesetzt, unter anderem im Gegensatz zu den großen Kunsthäusern in Memmingen, Marktoberdorf oder Kaufbeuren, die vor allem internationale und überregionale zeitgenössische Kunst zeigten. „Wir haben gemerkt, das ist eine Nische“, denn es gebe im ganzen Allgäu kein professionelles Kunsthaus mehr, das sich auf die regionale Szene konzentriere. 

Für die ganzjährige Bespielung sei denkbar, die Mitmachausstellung immer an Jahresbeginn, von Januar bis März, laufen zu lassen; der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) soll weiterhin zwei Zeitfenster für ihre Frühjahrs- und Herbstausstellung bekommen; ein Zeitfenster möchte sich das Kulturamt für eine eigene Ausstellung reservieren; weitere feste Größen sollen das im Rahmen der Festwochen-Ausstellung vergebene Sparkassenstipendium sein sowie die Ausstellungsmöglichkeit für einen ehemaligen Kunstpreisträger. Dazwischen sollen weiterhin Künstler(gruppen) vor Ort zu einem „verträglichen Preis“ die Kunsthalle nutzen können. Das Kunsthallenstipendium will Fink zumindest in der jetzigen Form „erstmal nicht mehr ausschreiben“. Lieber solle überlegt werden, „wie es weiterentwickelt werden kann“.

Christine Tröger

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