Besondere "Fitnessstunde"

Sozialbetreuerin Annemie Fuchs (links) mit der Bowling-Gruppe. Unterstützt wird sie von Melissa Meseck. Die junge Frau macht ein freiwilliges soziales Jahr im Löhehaus. Foto: moriprint

Das „Bowling-Fieber“ grassiert seit dem vergangenen Frühsommer im Alten- und Pflegeheim des Wilhelm-Löhe-Hauses der Diakonie Kempten Allgäu: Dabei wird jeder „Strike“ von den Teilnehmern der Bowlingrunde mit Applaus bedacht. Auf jede „Pumpe“ folgt ein neuer Versuch. Jeden Montag freuen sich die rund zehn Bewohner aufs Neue auf diese „Fitnessstunde“ der besonderen Art, denn: dabei nehmen die Teilnehmer nicht die Kugel, sondern lediglich ein Steuerungsgerät in die Hand – und schon rollt die Kugel im Bild auf der Leinwand in Richtung Kegel…

Im Frühjahr 2011 entdeckte Sozialbetreuerin Annemie Fuchs das Bowlen/Kegeln über eine Spielekonsole. Sie ist bereits seit mehr als 12 Jahren für Betreuungsangebote Gedächtnistraining, Gymnastik, Sturzprävention und Tanzen zuständig. „Eigentlich sind alle an Neuem sehr interessiert“, war Fuchs auch diesmal zuversichtlich – zumal der Hersteller das Spielpaket probeweise zur Verfügung stellte. Zwischen 70 und 97 Jahre alt sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine von ihnen ist Sophie Marx. „Manchmal hat man eben Glück, an manchen Tagen eben Pech“, weiß die 97-Jährige, als bei einem Wurf ihre Kugel in die „Pumpenrinne“ läuft. Lucie Jakob (90) kannte das Kegeln bisher nicht, doch ihr Talent dazu hat unter den Teilnehmern bereits die Runde gemacht. „Sie räumt oft ganz ab“, zollen ihr alle anderen Bewunderung. Hermann Vierke (96) hat gleichfalls das nötige „Ballgefühl“, immerhin hat er früher Faustball und Handball gespielt. Erinnerungen an früher Ist das Gespräch erstmal in Gang kommen Erinnerungen dazu. „Früher hab ich mir als Kegelbub mit meinem Freund ein Taschengeld verdient. Pro Abend gab es je eine Mark für uns. Das war aber hart verdientes Geld, denn die gefallenen Kegel mussten immer wieder sehr schnell aufgerichtet werden“, erinnert sich ein weiterer Mitspieler. Bei den Kegelstunden im Untergeschoss des Wilhelm-Löhe-Hauses wird Annemie Fuchs von Melissa Meseck unterstützt. Die junge Frau macht ein freiwilliges soziales Jahr im Löhehaus. Gebowlt wird im Sitzen. Je nachdem, wie viele Teilnehmer bei der Montagsrunde dabei sind, wird in der Gruppe oder einzeln gespielt. Über einen Beamer wird die visuelle Kegelbahn an die Leinwand geworfen. „Das ist eine authentischere Lösung. Anfangs bei der Übermittlung durch ein TV-Gerät waren die Teilnehmer nicht ganz so begeistert.“ Der Grund: „Wir wollen doch nicht Fernseh schauen“, bemerkten die Teilnehmer. Das Steuerungsgerät wird für die sportlichen Senioren-Bowler auf den niedrigsten Schwierigkeitsgrad eingestellt. Maximal zwei Knöpfe gilt es zu drücken, aber: „Schwung braucht man schon“, erklärt Annemie Fuchs den durchaus sportlichen Vorgang. „Viele Teilnehmer vergessen beim virtuellen Steuern, mit welchen Einschränkungen sie sonst zu kämpfen haben.“ Mit dem Steuerungsgerät lässt sich leicht die Position verändern, damit beim zweiten oder dritten Wurf in den Kegelbauch auch die letzten „Hölzer“ fallen – eben wie beim richtigen Kegeln oder Bowlen.

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