Markttreiben unter anderen Umständen

Besondere Herausforderungen für Kathreinemarkt und Weihnachtsmarkt im Pandemiejahr

Kathreinemarkt mit Fahrgeschäften auf dem Königsplatz in Kempten.
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Kathreinemarkt auf dem Königsplatz 

Kempten – Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des städtischen Messe- und Veranstaltungs-Betriebs, teilte dem Werkausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit, dass sowohl der Kathreinemarkt samt Händlermarkt als auch der Weihnachtsmarkt nach dem aktuellen Stand der Dinge stattfinden werden.

Der Jahrmarkt auf dem Königsplatz soll demnach am Freitag, 23. Oktober, beginnen und bis Samstag, 31. Oktober, dauern. Der Händlermarkt startet, aller Voraussicht nach, am 25. Oktober mit einem verkaufsoffenen Sonntag und endet am Dienstagabend, 27. Oktober. Damit zwischen den Fahrgeschäften, Buden und Verkaufsständen die aktuellen Abstandsregeln eingehalten werden können, sind die Bereiche, in denen sich Schausteller und Händler ausbreiten sollen, vergrößert worden: Für den Kathreinemarkt ist zusätzlich die Straße „Am Königsplatz“ reserviert worden; der Händlermarkt soll zum ersten Mal auch auf dem Hildegardplatz abgehalten werden und erstreckt sich von dort aus über die Zumsteinwiese, den Stadtpark und die Horchlerstraße bis in die Fußgängerzone hinein. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht“, erklärte Dufner-Wucher angesichts der Pandemiesituation. Es habe ausführliche Vorbesprechungen mit dem Ordnungsamt und dem Schaustellerverband gegeben. Jedes Schaustellergeschäft habe ein eigenes Hygienekonzept erarbeitet. Da Kempten traditionell einen „kleinen, beschaulichen Familienjahrmarkt“ veranstalte und zahlreiche „Stammaussteller“ erwarte, sei sie „guter Dinge“.

Corona bringt Schausteller in wirtschaftliche Not

Der Schwäbische Schausteller-Verband e. V. hatte im August bei der Stadt beantragt, die Standgebühren für den Kathreinemarkt heuer auszusetzen, um den wirtschaftlichen Schaden, den die Branche durch die vielen coronabedingten Absagen erlitten habe, zu verringern. Deshalb und im Hinblick darauf, dass auch der Kemptener Himmelfahrtsmarkt ausgefallen sei, schlug der Messe- und Veranstaltungs-Betrieb dem Ausschuss vor, den Schaustellern 50 Prozent der Standgebühren zu erlassen. Die Kosten für Wasser, Strom, Reinigung, Bewachung und anderes sollen ihnen wie bisher in Rechnung gestellt werden. Ihre Recherchen hätten ergeben, dass andere Städte in den letzten Wochen ähnlich entschieden hätten, berichtete DufnerWucher. Der Werkausschuss nahm den Vorschlag einstimmig an.

Weihnachtsmarkt wagt „spannendes Experiment“

Noch sehr viel aufwendiger sind dieses Jahr die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt, der von Mittwoch, 25. November, bis Dienstag, 22. Dezember, stattfinden soll. Auf dem Rathausplatz 60 Buden aufzubauen, wie sonst üblich, sei mit den geltenden Infektionsschutzregeln nicht zu vereinbaren. Die Imbissstände, einige Kunsthandwerker, das Karussell und die Bühne sollen deshalb auf den St. Mang-Platz umziehen. Dufner-Wucher äußerte sich sehr erfreut über das „konstruktive Gespräche mit der Kirche“. Die Pfarrei St. Mang wolle die Weihnachtsmarktbühne gerne mitnutzen und habe vorgeschlagen, zum Bühnenprogramm beizutragen, Andachten für Kinder und Erwachsene zu veranstalten und den Gottesdienst am Heiligen Abend dort im Freien zu feiern. Außerdem habe sie angeboten, mehrmals wöchentlich die Turmbläser vom Kirchturm spielen zu lassen. Diese aus der Not geborene „Entzerrung“ des Weihnachtsmarkts eröffne neue Möglichkeiten und könne sich zu einem „spannenden Experiment“ entwickeln. Der neue Bereich habe gute Voraussetzungen, eine Art „Familienweihnachtsmarkt mit sozialer Note“ zu werden. Eine Herausforderung sei der Übergang zwischen den beiden Marktarealen: Dort sollen ebenfalls Stände aufgereiht werden, um so die BesucherInnen vorwärtszulocken und auf die weitere Ausdehnung des Marktes aufmerksam zu machen. Das Rahmenprogramm werde dieses Jahr kleiner ausfallen, die Krippenausstellung im Rathaus finde nicht statt und auch der Alpine Wintergenuss des City-Managements, die kulinarische und kunsthandwerkliche Marktmeile in der Klostersteige, falle aus. Da das Kemptener Weihnachtsbähnle auch heuer zwischen Rathaus- und Hildegardplatz pendeln soll, diskutierten die Beteiligten derzeit, ob die Kunsthandwerker ihre Zelte nicht entlang der Bahnstrecke aufschlagen könnten.

Verunsicherung im Werkausschuss

Klaus Knoll (FW) äußerte die Sorge, auf der „Gastro-Meile“ an der Südseite des Rathauses werde es nahezu unmöglich sein, die Corona-Regeln zu befolgen, da man beim Essen den Mund-Nasen-Schutz ablege und es bei fünf Lokalen in einer Reihe schnell eng werden könne. „Brauchen wir eine Security“ zur Überwachung?, fragte er. Dufner-Wucher erklärte, bisher habe die Stadt keinen Sicherheitsdienst eingeplant. In Abstimmung mit dem Ordnungsamt arbeite man derzeit an einem „Konzept für die Abstands- und Hygienerichtlinien“. Zwischen den Ständen der Gastronomen am Rathaus sei „sehr viel Platz“ geschaffen worden: Zwei Budenbetreiber werde man am St. MangPlatz einquartieren, zwei weitere hätten abgesagt; zudem sei „ein Abstimmungstermin“ mit den von Knoll angesprochenen Gastwirten geplant. Dennoch meldeten auch andere Ausschussmitglieder Zweifel an. Ingrid Vornberger (SPD) sagte: Die Entwicklung des Infektionsgeschehens in den „letzten Tage hat mich extrem verunsichert“. Sie habe „echt Bauchweh“ und sei „hin- und hergerissen“, wenn sie an „die Ess- und Glühweinstände“ denke. „Wie soll das ablaufen?“ Beunruhigend sei auch, dass viele andere Weihnachtsmärkte in der Umgebung bereits abgesagt worden seien; – werde es in Kempten nun „proppenvoll“ werden?

„Spielregeln“ für eine „neue Normalität“

Oberbürgermeister Thomas Kiechle versuchte zu beschwichtigen: Es gebe „klare Spielregeln, wie die Maskenpflicht“. Man werde sehen, wie die Menschen mit der „neuen Normalität“ umgingen, und könne bei Regelverstößen „sehr kurzfristig reagieren“. Helmut Berchtold (CSU) berichtete, als Reisebusunternehmer habe er den Eindruck gewonnen, dass „die Leute superkritisch sind“. „Weihnachtsdörfer funktionieren“, aber wenn der Weihnachtsmarkt nicht „entzerrt“ sei und sich die Besucher ballten, „schreckt das ab“. Mit welchen Kosten die Stadt rechnen müsse, wenn der Weihnachtsmarkt doch abgesagt werde, erkundigte sich Vornberger. So weit als möglich sichere sich die Stadt für diesen Fall vertraglich ab, versicherte Dufner-Wucher. Für Dekoration und Beleuchtung werde man aber auf jeden Fall Geld ausgeben. Als weitere Maßnahme, um für möglichst viel Sicherheit zu sorgen, schlug der Messe- und Veranstaltungs-Betrieb dem Werkausschuss vor, die Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkts zu ändern. Das Gremium stimmte einstimmig dafür, ihn täglich von 11 bis 19 Uhr zu öffnen, statt wie bisher von 12 bis 20 oder 21 Uhr.

Lange Einkaufsnacht zweifelhaft 

Für die Lange Einkaufsnacht, die das City-Management für die Vorweihnachtszeit beantragt hat, könnte dieser Beschluss schwierig werden, selbst wenn sie heuer nur bis 22 Uhr dauern sollte, wie vorgeschlagen. Denn, wenn der Weihnachtsmarkt bereits um 19 Uhr schließt und für die Lange Einkaufsnacht keine Ausnahme beschlossen wird, fehlt der vorgeschriebene Anlass für die verlängerten Ladenöffnungszeiten. Joachim Saukel (FW), Vorstand des City-Managements und Beauftragter für Stadtmarketing, hat deshalb die Idee ins Spiel gebracht, mit der Marketingaktion eine Lange Nacht der offenen Kirchen und Museen zu verbinden.

Antonia Knapp

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