Besonderer Charme

Sehenswert in Kempten ist der Fürstensaal, in dem sich die Fürstäbte auf Ölgemälden erhaben aneinanderreihen. Ein wahrlich edles Ambiente für das im Jahr 2006 ins Leben gerufene Kammermusikfestival „Fürstensaal Classix“, das heuer von Mittwoch, 16., bis Sonntag, 20. September, stattfindet.

Die Idee dazu hatten zwei Musikbesessene: Der Pianist Oliver Triendl und Dr. Franz Tröger, der seit 40 Jahren klassische Konzerte in Kempten veranstaltet. Triendl sollte den Flügel im Fürstensaal ausprobieren, weil Tröger mit einem neuen Klavierzyklus liebäugelte. „Ich bin hingekommen, habe das Klavier ausprobiert und fand es sehr gut. Und ich habe unvorsichtigerweise die Idee geäußert, dass man in diesem Saal etwas machen muss“, erinnert sich Triendl. Tröger nahm den Gedanken auf und ließ Triendl machen. So gibt es jetzt nicht nur den Klavierzyklus, sondern auch die „Fürstensaal Classix“ „Zwei Monate lagen zwischen dem Entstehen der Idee und dem ersten Festival“, erzählt Triendl, „und es gab von Beginn an eine große Begeisterung bei den Künstlern, die es wunderbar fanden, zu uns zu kommen und in diesem Saal zu spielen“. Und das sicher nicht wegen üppiger Honorare, verrät er. Stattdessen konnte ordentlich mit „guter Atmosphäre und köstlichem Essen“ gepunktet werden. Große Begeisterung „Außer Spesen viel gewesen“, darf man in Abwandlung eines alten Sprichwortes feststellen, denn die Begeisterung der Musiker am Abenteuer der ständig wechselnden Besetzungen war auch im letzten Jahr zu spüren. „Wir sind das typische Beispiel eines Musiker-Festivals“, sagt Oliver Triendl. „Wir erarbeiten alles vor Ort, es entstehen Gruppen von Musikern, die so teilweise noch nie miteinander zusammengespielt haben“, erklärt. „Es sollen hier in kürzester Zeit spontane Interpretationen entstehen, wobei natürlich jeder der Musiker einen unglaublich reichen Erfahrungsschatz einbringt“. Immerhin ist das Festival jedes Jahr mit rund 20 Musikern in fünf Konzerten bestückt, wobei nicht immer alle, aber sehr viele sehr oft mitspielen. „Mein Herz brennt für außergewöhnliche Besetzungen“, so Triendl, „und für solche Werke, die man kaum oder gar nicht kennt. Grundvoraussetzung ist allerdings immer, dass es gute Werke sind. Die Attraktivität unseres Festivals besteht außerdem wie in Moritzburg oder in Heimbach gerade darin, dass hier nicht feste Formationen auftreten, sondern sich einzelne Musiker mit ganz verschiedenen Charakteren in verschiedene Besetzungen einbringen“. Sommerlicher Schwerpunkt Wie bereits in den beiden Vorjahren wird es auch 2009 wieder einen „Composer-in-Residence“ und ein Komponistengespräch geben. Mit Ragnar Söderlind wird somit auch die zeitgenössische Musik prominent vertreten sein. Unter dem diesjährigen Themenschwerpunkt „Sommernachtsträume“ wird weiters ein Band geknüpft zwischen Felix Mendelssohn Bartholdy, dem Schöpfer der Musik „Sommernachtstraum“, und der Musik Skandinaviens, der Heimat der Mittsommernächte. Louis Spohr, Edvard Grieg, Niels Wilhelm Gade, Sven-Erik Bäck sind nur einige der Komponisten, deren Musik mit der Stimmung des sagenumwobenen europäischen Nordens zu hören sein werden. Auch in diesem Jahr kommen 20 renommierte Musiker nach Kempten, die weniger durch spektakuläre Medienauftritte glänzen, als vielmehr durch meisterliches Beherrschen ihrer Instrumente. Und man darf davon ausgehen, dass es erneut zu einem engen Miteinander zwischen Musikern, Festivalbesuchern und ehrenamtlichen Helfern kommen wird. Und gerade dieser familiäre Geist verleiht „Fürstensaal Classix“ einen besonderen Charme.

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