Jugendliche und Rollstuhlfahrer proben gemeinsam für Tanzauftritt

"Hemmschwellen verlieren"

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Unter der Anleitung von Tanzlehrer Marcus Grill (rechts) wird im Rahmen des besonderen Tanzworkshops fleißig Tanzen geübt.

Kempten – Für Maria ist Tanzen eines ihrer ganz großen Hobbies. Und dabei hindert sie ihr Rollstuhl überhaupt nicht. Bei Aufführungen im „Kunst im Park“ hat sie das mit Silke Boysen, Physiotherapeutin in der TherapiePraxisViva, schon unter Beweis ge- stellt.

Ähnlich ergeht es auch anderen Jugendlichen mit einem Handicap. Über das Projekt „Lions meets Rolli“ hat der Lions-Club Kempten-Buchenberg jetzt in Verbindung mit dem Verein für Körperbehinderte Allgäu und der Lindenbergschule einen gemein- samen Tanzworkshop initiiert. Ziel ist eine gemeinsame Aufführung auf der Bühne im Stadtpark im Rahmen der Allgäuer Festwoche. „Es ist anders, mit einem Rollifahrer zu tanzen“, gesteht Annemarie, „aber es klappt ganz gut.“ 

Ihre Schulkameradinnen Jennifer und Isabell von der Lindenbergschule sehen das genauso. „Es macht Spaß und ist voll cool!“ Für Marcus Grill ist so zu tanzen seit beinahe zehn Jahren Normalität. Nach einem schweren Unfall im Jahr 2004 übt er nun vom Rollstuhl aus seinen Beruf als Tanzlehrer aus. Er ist sogar der Meinung: „Heute bin ich der bessere Tanzlehrer als damals.“ Die Idee hinter dem Tanzprojekt geht auf: „Die Jugendlichen sollen möglichst früh ihre Hemmschwellen in der Begegnung mit anderen verlieren, die im Rollstuhl sitzen oder durch andere Handicaps anders sind“, erklärt Jürgen Böhm, Past-Präsident der Lions zusammen mit Silke Boysen. 

Sie übernimmt für den Verein Körperbehinderte Allgäu die Mitarbeit an dem Projekt. Beide wissen: „Die Sperre im Kopf ist nämlich oft die schwierigere Barriere.“ Mit allen Projekten der „Lions meets Rolli“-Aktion habe man dies stets im Hinterkopf. „Darum ging es uns bei dem gemeinsamen Theaterstück bei den Schultheatertagen, dem neuen Rolli-Basketball (der Kreisbote berichtete) oder dem schon traditionellen Lauf beim Halbmarathon. 

Dass Tanzlehrer Marcus Grill selbst im Rollstuhl sitzt, scheint beim Abbau der Hemmungen auf beiden Seiten zu helfen. Yilcliz: „Ich habe großen Respekt.“ „… und fünf sechs sieben acht – Drehen“, ruft Grill lauthals in den Raum hinein. Ganz selbstverständlich „tänzeln“, rollen alle im Takt nach seinem Kommando. Steht die Choreographie, kommt die Musik dazu. „Das gibt einen Squaredance“, ergänzt Grill. Schon vor dem Musikeinsatz kommen die Tänzerinnen und Tänzer ins Schwitzen. „Das ist richtig anstrengend“, wundert sich ein Teilnehmer. 

Vorerst bleibt der Tanzkursus bis zum Sommer bestehen. Krönender Abschluss soll ein Auftritt bei der Allgäuer Festwoche werden – mit einem Squaredance, einem Solo und einem Paartanz. Die Besucher im Stadtpark dürfen sich freuen – auf ein etwas anderes Tanzerlebnis…

moriprint

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