Besonderes Erlebnis

Eine zufriedene Familie, die Neues gewagt und dabei viele neue Erfahrungen gewonnen hat: Diana Hartmann und John Mader mit ihren Kindern Anita und Paul. Foto: ed

Das Abenteuer begann Anfang Juni, als Diana Hartmann und ihr Partner John Mader zusammen mit ihren Kindern Anita (vier Jahre) und Paul (drei) ihren „Kram“ in Betzigau bei Kempten zusammenpackten und sich in Richtung Maierhofen im Tiroler Zillertal aufmachten. Aber nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um auf einer in 2000 Metern Höhe gelegenen Alm einen Sommer lang zusammen mit 111 Stück Jungvieh als Alphirten zu verbringen. Mit dabei waren die beiden Ziegen Sofie und Pauline, Hahn Otto und seine Mädels, sechs Hühner, die sie von zuhause mitgebracht hatten.

„Die Vorbereitungen waren sehr zeitintensiv, aber auch voller Vorfreude“, erinnert sich Almhirtin Diana. Zunächst wurden die ersten Wochen in der unteren Almhütte (circa 1600 Höhenmeter) verbracht, bevor die Familie Anfang Juli auf die Fellenbergalm „nach oben“ umgezog. Mittlerweile waren auch „Beppi und Zilli“, zwei Esel eingetroffen, die in der Folgezeit als Lastenträger eingesetzt wurden. Denn zur oberen Hütte führt keine Straße und der Weg bis zum Auto, um in Maierhofen notwendige Einkäufe erledigen zu können, beträgt eineinhalb Stunden. Durch die rund 300 Meter höher gelegene Edelhütte und den Weg, der dort hin an der Alm vorbeiführt, gibt es immer wieder Begegnungen mit Urlaubern. Dazu eine recht lustige Begebenheit, die Almhirtin Diana schildert: „Ein Ehepaar mit ihrem Kind, total begeistert von der ‚Almhütten-Idylle’, packten ihre Brotzeit aus, aber die gackernden Hühner mit Gockel Otto an der Spitze vertrieben sie bald, da diese auf ihre belegten Semmeln scharf waren“. „Die zusätzlichen Tiere, Ziegen, Hühner und Esel sorgen schon für Unterhaltung aber sie können manchmal schon recht anstrengend sein“, erzählt sie weiter. Die Hennen hatten sie in der Kraxe hoch getragen – übrigens umsonst, da sie wie es scheint die Höhenlage nicht vertragen und das Eierlegen eingestellt haben. „Sie schwächeln“, schmunzelt sie, freut sich aber über die täglich frische Ziegenmilch, deren Erzeugerinnen sich aber gerne selbstständig machen und zur Milchabgabe im Almgebiet oftmals erst gesucht werden müssen. "Großes Geschenk" Nach rund zehn Wochen Almleben ziehen sie eine erste Bilanz. „Als Familie hier oben sein zu dürfen, ist für uns alle ein großes Geschenk. Unsere Kinder vermissen nichts – und wir lernen sogar manches von ihnen“, beschreibt Diana ihre Erfahrungen „und sie lernen, dass der Überfluss, den unsere Gesellschaft bietet, nicht selbstverständlich ist“. Die einfache Lebensweise, ohne Radio, Fernseher und Zeitung, es wird auf einem mit Holz gefeuerten Ofen gekocht, es gibt Gaslicht und das tägliche Wasser wird aus einer Quelle geschöpft, kommt aber auch den beiden Erwachsenen sehr entgegen: „Das in weiten Teilen ‚entschleunigte’ Leben macht uns zufriedener, obwohl das Almleben weit weg ist von der Idylle in den Hochglanzprospekten“. Aber im Großen und Ganzen präsentiert sich dem Betrachter eine zufriedene Familie, die einen lang gehegten Traum in die Wirklichkeit umgesetzt hat, wohl wissend, dass dieser auch viel Einsatz und Arbeit erfordert. Für die junge Familie ist es der erste Alpsommer und sie möchten noch einen zweiten im nächsten Jahr anhängen. „Aber wo das sein könnte, steht noch in den Sternen – auf jeden Fall an anderer Stelle“. Je nach Wetter- und Futterlage werden sie erstmal 2011 in der ersten Septemberhälfte wieder ins Tal ziehen. Einen Tipp haben die beiden „Jungälpler“ aber noch für solche, die ähnliches vorhaben: „Das Almleben ist nicht ganz einfach und besonders sollte man sich den oder die Verantwortlichen genau ansehen. Am besten sollten sie sich zuvor bei einem erfahrenen Älpler beraten lassen.“

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