Erste Ergebnisse

"Sehr gutes Grundgerüst"

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Die Kemptener nutzen verhältnismäßig selten die Stadtbusse. Sie steigen dagegen häufiger auf ihr Fahrrad oder laufen Strecken zu Fuß.

Kempten – Neben dem Auto, das am häufigsten genutzt wird um Strecken zurückzulegen, laufen die Kemptener viel zu Fuß und fahren gerne Rad. Der ÖPNV ist dagegen eher weniger gefragt.

Das sind erste Ergebnisse aus den Vorarbeiten und Untersuchungen für die Erstellung des integrierten Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) für Kempten, die der Verkehrsausschuss 2010 einstimmig beschlossen hat (der Kreisbote berichtete). Ziel der Untersuchungen ist es, die Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur entsprechend der strategischen Ziele Klimaschutz und Wirtschaftsentwicklung auszurichten.

Eine wesentliche Grundlage des VEP bildet eine umfassende Bestandsaufnahme der verkehrlichen Ist-Situation, für die im Juli 2012 Haushaltsbefragungen sowie Verkehrszählungen gemacht wurden. Aufbauend auf den Analysedaten und unter Heranziehung der gemäß Flächennutzungsplan vorgegebenen Siedlungsentwicklungen sowie der zu erwartenden Motorisierungs- und Mobilitätsentwicklung wird dann eine Verkehrsprognose für 2025 gemacht. Stefan Hangleiter vom Büro Modus Consult präsentierte am Dienstagabend im Verkehrsausschuss die Bestandsanalyse.

„Im Rahmen einer umfassenden Bestandsaufnahme wurden am 18. Juli 2012 Verkehrszählungen an 30 Knotenpunkten und fünf Querschnitten sowie Verkehrsbefragungen an allen wesentlichen Ein- und Ausfallstraßen durchgeführt“, so Hangleiter. Rund 11 800 Kfz-Fahrer seien befragt worden. Um Kenntnisse zur Mobilität der Bewohner zu erlangen, fand darüber hinaus am 24. Juli 2012 eine Haushaltsbefragung statt. Daraus können Hangleiter zufolge die Grunddaten über das Verkehrsverhalten der Bevölkerung gewonnen werden.

Die Ergebnisse: Rund 131 000 Fahrzeuge haben am Zähltag den Außenkordon (die Summe aller Einfahrtsstraßen in die Stadt) durchfahren. 4,8 Prozent davon waren Lkws. Die stärkst belastete Straße war die B19 Oberstdorfer Straße mit 23 300 Kfz-Fahrten am Tag. Die geringste Querschnittsbelastung wurde im Zuge der Zeppelinstraße (5900 KfZ/24 h) registriert. Fahrtzweck: 63 Prozent Beruf, sechs Prozent Einkauf, neun Prozent Freizeit, 22 Prozent sonstige. Die Fahrzeuge waren durchschnittlich mit 1,35 Personen besetzt. Bei den Fahrten zur Arbeit nur mit 1,14 Personen.

Der Durchgangsverkehr von Bezirk zu Bezirk lag bei 11 600 Kfz/24 h. „Es fahren relativ wenig durch die Stadt, wenn man die 131 000 nimmt, die den Außenkordon durchfahren“, so Hangleiter. Im Quell- und Zielverkehr verkehrten rund 140 700 Kfz/24 h und es war dem Experten zufolge eine starke Konzentration in Richtung Süden (Sulzberg, Waltenhofen) zu verzeichnen. Im Binnenverkehr (Fahrten innerhalb der Stadt) fanden 64 700 Fahrten/24 h statt.

Hinsichtlich des Mobilitätsverhaltens der Kemptener Bewohner ergab die Haushaltsbefragung folgende Ergebnisse: Der Kfz-Verkehr (Selbst- und Mitfahrer) stellt mit 49 Prozent bei den Binnenwegen den höchsten Anteil da. Der Anteil an Radfahrern (14 Prozent; 18 000 Fahrten/24 h) und Fußgängern (31 Prozent; 41 000 Fußwege/24 h)) ist mit anderen Städten vergleichbar. Auffällig ist hingegen die vergleichsweise unbedeutende Nachfrage im ÖPNV (sechs Prozent; 7600 Fahrten/24 h). „Die Kemptener sind sehr mobil, sie gehen viele Wege pro Tag“, meinte Hangleiter.

Die eher geringe ÖPNV-Nutzung verwunderte Bürgermeister Josef Mayr (CSU). „Das war früher anders, ich kann mit da an 13 Prozent erinnern.“ Eine Erklärung dafür ist laut OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Hangleiter, dass der Gesamtverkehr zugenommen hat, der ÖPNV stagniert und somit dessen Anteil geringer wird.

Verkehrsprognose folgt

„Wir haben jetzt ein sehr gutes Grundgerüst und Wissen über den Stand des Verkehrs in der Stadt“, schloss der Experte seinen Vortrag. Aufbauend auf den vorhandenen Analysedaten wird nun in einem nächsten Schritt unter Heranziehung der gemäß Flächennutzungsplan vorgegebenen siedlungsstrukturellen Entwicklung, der noch zu erwartenden Motorisierungs- und Mobilitätsentwicklung sowie insbesondere von Nutzungskonzeptionen der Konversionsareale eine Verkehrsprognose für das Planjahr 2025 gemacht. Des weiteren sind Diskussionen über mögliche Veränderungen im Umweltverbund aufgrund der erkannten Defizite in der ÖPNV-Nachfrage (Handlungsmaßstab) zu führen.

Melanie Läufle

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