Ein bodenständiges Naturtalent

Das Kreisbote TrachtenMadl 2017 ganz privat

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Sie weiß, wo sie her herkommt: „Ich könnte es mir nie vorstellen, in die Stadt zu ziehen“, sagt das 25-jährige TrachtenMadl Jeannine Echtler.

„Eigentlich bin ich tiefenentspannt“, sagt Jeannine Echtler, „aber so nervös wie beim Finale war ich noch nie in meinem Leben“, gesteht sie und ihr Blick schweift zum riesigen Siegesblumenstrauß auf dem Küchentisch.

Daneben, sorgsam über eine Stuhllehne drapiert, hängt die Schärpe: „TrachtenMadl 2107“ prangt dort in goldenen Buchstaben auf blauem Grund. Noch immer kann es die 25-Jährige kaum glauben. Doch auch der blaue Fiat 500, der im Hof steht, ist der Beweis für den Sieg, denn er war ihr Preis. Dem Kreisboten gab die Gewinnerin nun Einblicke in ihr Leben.

Jeannine lacht viel und gerne. „Es gibt nichts, um sich runterziehen zu lassen“, lautet die Devise der Hohenpeißenbergerin. „Wir haben es hier doch so schön!“ Und tatsächlich hat sie sich mit ihrer Familie ihr eigenes kleines Idyll aufgebaut. In einer ruhigen, schmalen Straße, in der jeder jeden kennt, wohnt das TrachtenMadl. In ihrem Haus wohnten im letzten Jahrhundert noch Bergleute – ein paar Meter weiter ist der Eingang zum ehemaligen Stollen. Gegenüber der Haustür stehen die Garagen, teilweise mit dunklem Holz verkleidet, wie es zu der Zeit, als die Bergbausiedlung entstand, üblich war.

Zahlreiche Konkurrentinnen

Dahinter am Hang verbirgt sich ein verstecktes Paradies. „Hier im Garten verbringt die ganze Familie sehr viel Zeit gemeinsam“, erklärt Jeannine. Neben einem runden Pool steht ein Gartenhäuschen, vor dem sich Goldfische in einem Teich tummeln. Leise plätschert das Wasser. Daneben stehen zwei Liegen, davor ein Feuerkorb. Das TrachtenMadl lebt gerne in der ländlichen Region: „Ich könnte es mir nie vorstellen, in die Stadt zu ziehen.“

559 Bewerberinnen waren es, die sich beim Kreisboten-Wettbewerb angemeldet hatten. Jeannine wollte anfangs gar nicht teilnehmen. Bei einem Mädelsabend allerdings hatten ihre Freundinnen sie dazu animiert. „Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne“, denkt sie zurück. Zunächst galt es dann, online Stimmen zu sammeln. „Ich habe alle mobilisiert, die ich kenne“, gesteht Jeannine. Über Facebook und WhatsApp schrieb sie Freunde, Bekannte und Familie an. „Manchmal war es mir schon fast unangenehm, die Leute damit zu nerven.“

Schließlich kamen genug Klicks zusammen und die Hohenpeißenbergerin zog ins Finale ein. Dort meisterte sie eine Runde auf dem Laufsteg nach der anderen. Schwer fiel ihr das nicht. „Ich trage fast immer hohe Schuhe, weil ich nicht sehr groß bin“, erklärt die Modeliebhaberin. Zwar habe sie einige Tipps umgesetzt, wie große Schritte zu machen und die Schultern zurückzuschieben, geübt habe sie aber nicht extra.

Eine hervorragende Körperhaltung hat Jeannine auch abseits des Laufstegs. Grund dafür ist ihre große Leidenschaft: das Tanzen. Begonnen hat sie schon als kleines Mädchen mit Ballett. Über die Jahre kamen Jazztanz, Hip-Hop und Modern hinzu. Dreimal die Woche trainiert Jeannine für zwei bis drei Stunden. „Ohne könnte ich nicht“, sagt sie.

Außerdem trifft sich das TrachtenMadl wöchentlich mit einer Freundin zum Laufen, geht regelmäßig ins Fitnessstudio und, wenn es die Zeit erlaubt, in die Berge. Kein Wunder also, dass Jeannine im Dirndl eine hervorragende Figur macht.

Wahrscheinlich verdreht sie mit ihren strahlenden Augen und der quirlig-sympathischen Art einigen Männern den Kopf. Ihr Herz schlägt aber nur für einen: Benjamin – und das seit über elf Jahren. Wie sich die beiden kennengelernt haben? Jeannine muss kurz überlegen. „Über gemeinsame Freunde“, erinnert sie sich. Gerade einmal dreizehn Jahre war die damalige Peitingerin, als sie sich verliebte. Aus einem Teenagerflirt entwickelte sich Liebe. „Wir sind miteinander gewachsen, er ist meine Familie, mein Mittelpunkt“, schwärmt das TrachtenMadl.

Schon von Anfang an wurde Jeannine in die Familie von Benjamin integriert. Seit 2010 wohnt sie mit ihm und seine Eltern sogar zusammen im gleichen Haus und sie verstehen sich blendend. Alle sind unglaublich stolz auf ihr TrachtenMadl. Auch Jeannines Mama, ihre beiden jüngeren Brüder und die Oma haben kräftig Werbung gemacht und die Daumen gedrückt.

Zu Kopf gestiegen ist der Sieg der Mediengestalterin, die in Birk­land bei „Ostenrieder Design & Marketing“ arbeitet – und das leidenschaftlich gerne – nicht. Dennoch hat sie sich über die unzähligen Glückwünsche gefreut, die sie erreicht haben. „Alle haben es mir aus vollem Herzen gegönnt. Teilweise haben auch Leute geschrieben, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe“, sagt die passionierte Nageldesignerin.

Jeannine ist dankbar, dass sie beim Wettbewerb mitmachen konnte. „Es war eine tolle Erfahrung. Die Mädels waren unglaublich nett und es gab keine Zickereien untereinander.“ Ihr neues Dirndl wird die Hohenpeißenbergerin bestimmt noch oft tragen, denn zu feierlichen Anlässen kommt sie gerne traditionell gekleidet und ist auch sonst ein großer Trachtenfreund: „Ein Dirndl steht einfach jeder. Frauen sollten viel öfter Dirndl tragen!“

Ursula Gnadl

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