"Wir sind Ihre Wunsch-Bürger für Klimaschutz vor Ort"

Zu Besuch bei OB Kiechle

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Nicht als Supermann, aber dafür als Klimaheld möchte die Fridays-For-Future-Bewegung OB Thomas Kiechle gern sehen. Sie war mit verschiedenen Vereinen und Organisationen in die Bürgersprechstunde gekommen

Kempten – Etwas zögerlich betrat OB Thomas Kiechle zusammen mit Baureferent Tim Koemstedt den großen Rathaussaal.

Es war die regelmäßige Sprechstunde des Oberbürgermeisters. Er sei zwar darauf vorbereitet gewesen, dass Kemptener Gruppen zum Thema Umwelt und Klimaschutz vorsprechen würden, so der Rathaus-Chef, aber nicht wer und wie viele. Die Stimmung entspannte sich schnell, denn die Vertreter, Kinder bis Senioren, von rund 15 Vereinen und Organisationen unter Federführung von Gesine Weiß vom „Freundeskreis für ein lebenswertes Kempten“ traten zwar entschlossen, aber durchweg freundlich auf. „Erst einmal Dankeschön, dass wir hier sein dürfen, in Ihrer Bürgersprechstunde. Ich will uns kurz vorstellen: Wir sind Ihre Wunsch-Bürger für Klimaschutz vor Ort“, richtete sie das Wort an Kiechle und erinnert ihn an einen Passus aus dem Masterplan, der „Gemeinsam mehr erreichen!“ übertitelt ist.

Kempten schreibe sich den Klimaschutz auf die Fahnen und dafür sei klar: „Sie brauchen uns – und wir brauchen Sie und die Stadträte“, betonte Weiß und auch, dass es für die Umsetzung Mut brauche, „mehr Mut!“, so ihr Appell. Mit dem Masterplan und dem Mobilitätskonzept (Moko) seien bereits „zukunftsweisende Ziele“ vorgelegt worden, für deren Umsetzung sie die Unterstützung der hier vertretenen Gruppen versprach, von denen viele in den letzten Monaten für damit verbundene Themen auf die Straße gegangen seien. Leider habe man bei viele Sitzungen des Stadtrats bislang den Eindruck gewonnen, „dass wir kein Gehör finden – oder dass Ihnen schlichtweg der Mut fehlt, so manche (vor allem für Autofahrer) unbequeme Veränderung anzugehen“, verlas Sie einen gemeinsam verfassten Brief, verbunden mit dem Wunsch für mehr Mut bei künftigen Entscheidungen. 

„Messen Sie sich an Ihren eigenen Zielen und setzen Sie sich beherzt, zügig und entschlossen dafür ein!“, so der Schluss des Ansinnens. Da Weihnachten nicht mehr fern ist, hatte jede Gruppe ein symbolisches „Mutmach“-Geschenk für den OB dabei – vom Freundeskreis für ein lebenswertes Kempten „goldene Rahmenbedingungen“ (die Moko-Leitlinien im goldenen Rahmen) für das Moko und eine Flasche „Mumm“-Sekt für den Mut. Ethelbert Babl vom LBV (Landesbund für Vogelschutz) überreichte einen Fledermauskasten als Symbol „für die Baumpolitik in Kempten“, der u.a. eine Reihe alter Bäume in der Stiftsstadt zum Opfer gefallen seien. Petra Bach von der Umweltgruppe Markuskirche, die im Sommer dem Springkraut in einer größeren Aktion zu Leibe gerückt war, hatte selbstgemachte Seife dabei, damit sich das Stadtoberhaupt „nach getaner Arbeit“, wie sie betonte, die Hände waschen könne. Da es dicke Bretter zu bohren gelte, überreichte Tobias Heilig vom ADFC ein solches an den OB als stete Erinnerung und Roland Gräf von Greenpeace eine Liste mit drei Punkten aus dem Moko, „die aus Bürgersicht am dringlichsten sind“. Von der Umweltbewegung „Extinction Rebellion“ gab es Lesestoff: ein Buch darüber, was jeder einzelne tun kann und „dass wir möglichst viel Widerstand leisten sollen“, wie der Überbringer meinte. 

Die Bewegung „Fridays For Future“ bedachte Kiechle mit einem Umhang à la Superman, der ihn schon mal als „Klimaheld“ kennzeichnete. Georg Sedlmaier von der IG FÜR trat mit guten Nachrichten an: Auf seine Anregung hin habe die Katholische Kirche als zweitgrößter Arbeitgeber Deutschlands ökologisch ausgerichtete Handlungsempfehlung für die Themenfelder Landschaft und Ernährung in ihrem Bereich herausgegeben. Aber nicht nur Geschenke von weiteren Organisationen konnte Kiechle in Empfang nehmen. Als private ‚Interessensvertretung’ meldeten sich Bettina Wenning und Edith Kögl als Fußgängerinnen mit konkreten Anliegen zu Wort; u.a. wegen der für Fußgänger viel zu kurzen Ampelschaltung am Kornhausplatz sowie der Verkehrssituation in der Salzstraße. 

Wenn die Autos hier Tempo 50 fahren würden, „wäre das schon gut“, statt dessen seien sie vor allem nachts mit 80 bis 90 Sachen unterwegs, meinte Kögl. Außerdem habe sie beim Stadtpark das „Gefühl, die Natur kommt hier ein bisschen zu kurz“. Da Kinder keine Lobby hätten, hatte Gesine Weiß ihre Tochter Matilda „als Vertretung“ dabei. Als Geschenk überreichte sie Kiechle eine kleine „Halt-Polizei!“-Kelle als Schlüsselanhänger und ein selbst gemaltes Bild mit Löwe, weil sie sich wünsche, dass der OB sie „mutig wie ein Löwe“ vor den Autos schütze. Ihr Bruder Simon las den an Kiechle gerichteten Brief seiner Schwester vor, in dem sie anschaulich ihr Verhältnis zu Autos schilderte und einen „sicheren Schulweg“ fordert. 

"Sie haben einen Partner in mir"
Kiechle dankte für das Kommen und den Einsatz seiner Besucher, mit deren Themen sich die Stadt, „als eine der ersten“, schon seit über 20 Jahren beschäftige und so bereits Strukturen vorhanden seien. Es gebe aber für eine Kommune viele drängende Aufgaben, wie aktuell Schulen oder Wohnraum. „Es hätte mich gebitzelt“, etwas zur Seilbahn oder zum 100-Euro-Ticket für den ÖPNV zu sagen, bedauerte er den engen Zeitrahmen. „Ich möchte Sie gern einladen im Gespräch zu bleiben“, stellte er ein weiteres Treffen in Aussicht. „Sie haben einen Partner in mir“, betonte er weiter, aber auch jemanden mit vielen Verantwortlichkeiten. Abschließend bedankte er sich explizit bei den Anwesenden, denn er kenne es von keiner Kommune, „dass sich Gruppierungen so zusammenschließen“ wie hier und das „in einer angenehmen Art und Weise“. 

Gemeinsam könne man etwas bewegen, waren sich am Ende alle einig und um das auch sichtbar zu machen, streiften sich die Besucher vom Freundeskreis für ein lebenswertes Kempten, vom Deutschen Alpenverein, LBV, Bund Naturschutz, ADFC, Fridays For Future, Parents For Future, Greenpeace, Extinction Rebellion, AK Öko der Hochschule Kempten, Schwärzinger Hof mit Kunden, Weltladen Kempten mit Kunden, BlühbotschafterInnen, Umweltgruppe Markuskirche, Ikarus Thingers, IG FÜR und viele weitere Bürgerinnen und Bürger mitgebrachte Arbeitshandschuhe über und überreichten ein Paar an Kemptens Stadtoberhaupt. 

Christine Tröger

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