Tag gegen Gewalt an Frauen

Lesung und Film "Das Ende der Geduld" 

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Kempten – Einmal mehr hat der Verein „Frauen helfen Frauen“ zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ dafür gesorgt, dass das schmerzliche Thema nicht an Kempten vorübergeht. Der Film des Regisseurs und Produzenten Christian Wagner war Teil der Aktionen.

Wagner, der gebürtige Immenstädter, las aus dem Buch von Kirsten Heisig, auf dem sein Film aufbaut. Kirsten Heisig, im Film von Martina Gedeck überzeugend verkörpert, war bis 2010 Jugendrichterin an Deutschlands größtem Amtsgericht Berlin-Tiergarten – eine couragierte Frau, die vor allem mit jungen männlichen Intensivtätern aus Einwandererfamilien zu tun hatte. Der Schludrian und die Wegschau-Mentalität der zuständigen Behörden – Schule, Polizei, Gerichte – waren ihr unerträglich. Zuzusehen, wie Buben mit zwölf Jahren von ihren Clan-Brüdern als Drogenkuriere missbraucht und zu Diebstählen angestiftet werden, und sich über die deutsche Strafjustiz lustig machen, entsprach nicht ihrer Berufsauffassung. So legte sie sich nicht nur mit dem lähmenden Bürokratismus innerhalb der Verwaltung an, sondern auch direkt mit den Familien der Täter. Das von Heisig entwickelte sogenannte Neu-Köllner Modell sieht eine schnelle und geradlinige Strafverfolgung der jugendlichen Kriminellen vor. Sie sollen einen schmerzhaften Denkzettel bekommen, der das „Ende der Geduld“ signalisiert. Heisig kümmerte sich persönlich um die Einbindung des sozialen Umfelds der Kinder und Jugendlichen, das heißt, sie suchte die Schulleiterin auf und erinnerte die Mütter an ihre Erziehungspflichten.

Menschen und Behörden müssen Zusammenarbeiten

Ihr Credo: „Wenn wir nicht rasch und konsequent handeln, wenn wir unsere Rechts- und Werteordnung nicht entschlossen durchsetzen, dann werden wir den Kampf gegen die Jugendgewalt verlieren.“ Wagners Film im Colosseum Center belegt, dass aggressiven Jugendlichen klare Grenzen aufgezeigt werden müssen.

Theresia Wildegger, die Vorsitzende des Vereins, mahnte, dass auch eine Schutzeinrichtung wie das Frauenhaus in Kempten nur gut funktioniert, wenn viele Institutionen und Menschen zusammenarbeiten.

Wie bitter notwendig Frauenhäuser sind, belegt die Kriminalstatistik: 2016 wurden in Deutschland 165 Frauen von ihrem Ehe-, Lebens- oder Ex-Partner getötet. Wagner versäumte es nicht, das Engagement der Kemptnerinnen zu würdigen, die sich seit Jahrzehnten beharrlich und mutig für Frauenrechte einsetzen. Sie legen nämlich nicht nur den Finger in die Wunde, sondern sind, wie die Jugendrichterin Kirsten Heisig, selbst aktiv geworden.

An den Film schloss sich eine differenzierte Diskussion mit dem sichtlich betroffenen Publikum an. Wagner berichtete berührende Einzelheiten zur Person der portraitierten Jugendrichterin, über seine persönlichen Bekanntschaften mit John, einem jungen Mann mit einer kriminellen Punker-Karriere und seinen intensiven Recherchen zum Thema Jugendkriminalität und Jugendgerichtswesen in Berlin.

Das große NEIN zur Gewalt an Frauen steht auf den Fahnen der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Sie sind Teil einer bundesweiten Aktion und wehen auch in unserer Stadt.

Elisabeth Brock

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