Ein Gespräch mit Dr. Franz Tröger

Das bevorstehende Classix-Festival macht mit einem neuen Leiter und einem neuen Konzept neugierig 

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Festivalorganisator Dr. Franz Tröger erklärt das neue Konzept des Internationalen Kammermusikfestivals Classix.

Kempten – Nach 13 Jahren und einem Festivalkonzept, das sich bewährt hat, aber mit der letztjährigen Veranstaltung zu einem gewissen Schlusspunkt gekommen war, wollten die Veranstaltungsmacher des Freundeskreises Classix-Konzerte e.V.

in diesem Jahr das Festival mit einem neuen, zeitgemäßeren Gewand präsentieren.

Der Kreisbote hat mit dem zuständigen Festivalorganisator Dr. Franz Tröger über die Veränderungen und Neuheiten gesprochen. Tröger stellte zunächst heraus, dass sich mit dem neuen künstlerischen Leiter Benjamin Schmid der Charakter des Festivals grundlegend geändert habe. Bisher sei das Festival von Musikern getragen gewesen, die, ohne sich vorher zu kennen, zusammengekommen waren und in der Festivalwoche im Rahmen von öffentlichen Proben ein für sie neues Programm mit neuen Musikerkollegen erarbeitet haben, das sie dann ab Mitte der Woche in Abendkonzerten vortrugen.

Im Gegensatz hierzu stellt das neue Festival zum größten Teil bestehende Ensembles oder Einzelmusiker vor, die bestehende Repertoires mitbringen und auf entsprechend hohem Niveau aufführen. Benjamin Schmid, der als einer der herausragenden Geiger im europäischen Kulturraum auch selbst beim Festival mitwirkt, legt großen Wert auf die musikalische Qualität des Vortrags und auch des Repertoires. Beim bisherigen Konzept, für das Oliver Triendl stand, war die Idee im Vordergrund, eine musikalische Region über eine ganze Festivalwoche hinweg auch mit unbekannteren – und das heißt zwangsläufig manchmal unbedeutenderen – Komponisten und Werken vorzustellen, in diesem Jahr sind die Themen vielfältiger und pointierter geworden und jeweils auf einen Abend bezogen. 

Die große Klammer, die die Festivalwoche nun zusammenhält, sei der Anspruch, die besten greifbaren Musiker zu versammeln und ihr eigenes Repertoire spielen zu lassen. Ein Thema oder Motto würde immer nur für jeweils einen Abend ausgegeben. Im Kontext des ganzen Festivals solle eine zeitgemäßere und breiter gefasste Vorstellung von Kammermusik erfolgen, die auch Lesungen – zum Beispiel wird es einen Mozartabend mit Klaus Maria Brandauer geben – oder Annäherungen an den Bereich der konzertanten Jazzmusik umfassen. Auf die Frage, wie der Wechsel in der künstlerischen Leitung zustande gekommen sei, antwortet Tröger, dass die Initiative vom Veranstalter, also dem Classix-Verein ausgegangen sei. Man sei vor der Frage gestanden, das bisherige Konzept, für das der geschiedene künstlerische Leiter Oliver Triendl stand, nämlich die Vorstellung einzelner Länder und Regionen in einer zweiten Runde von vorne zu beginnen oder einen Schnitt zu machen und ein komplett neues Konzept aufzuziehen.

Man habe sich für letzteres entschieden, weil in den letzten Jahren immer auch schon neue Ideen in den Köpfen der Classix-Vereins-Mitglieder entstanden waren. Tröger: „Wir wollten uns ein wenig breiter aufstellen, was das Angebot an musikalischen Genres angeht, weil wir der Meinung sind – und wir sind da sehr im Trend vieler anderer gleichgearteter Musikfestivals –, dass Kammermusik nicht nur die akademisch strenge Klassik beinhaltet, sondern weiter gefasst werden und auch Bereiche der populären Musik mit aufnehmen sollte, insbesondere das weite Feld des konzertanten Jazz. Die Grenzen sind ja heutzutage fließend.“ Diese Idee umzusetzen und dafür das bewährte Konzept zu verlassen, musste man sich nach einem neuen künstlerischen Leiter umschauen, und es kamen nun die Kontakte Trögers mit ins Spiel, der den Musiker Benjamin Schmid durch seine Organisationsarbeit für die Meisterkonzertreihe im Kemptener Stadttheater kennt. 

Schmid war hier bereits mehrfach aufgetreten, zuletzt im vergangenen Herbst, als er in einem bejubelten Konzert den Spagat zwischen Klassik und Jazz vollzog. Der Violinist ist sehr vielseitig vom Solisten bis zum Organisator im aktuellen Musikleben engagiert, so dass es in dieser Situation nahelag, ihm anzutragen, die künftige Leitung des Classix-Festivals zu übernehmen. Er hätte schließlich unter der Voraussetzung zugesagt, dass er vollständig sein eigenes Konzept mitbringen könne. Aber was ändert sich für das Publikum? Die Veranstaltungsmacher hätten im Lauf der Jahre festgestellt, dass sich seit der Gründung des Festivals im Jahre 2006 die Zuschauerstruktur nicht grundlegend gewandelt habe. Ein relativ begrenzter Kreis an treuen Zuhörern habe häufig mit einem Komplettabonnement aller Konzerte das Festival besucht und dadurch auch finanziell unterstützt. 

Mit dem neuen Konzept wolle man versuchen, zu diesem engen Kreis an treuen Fans neue, vielleicht auch jüngere Zuschauerschichten hinzuzugewinnen. Dass sich hier schon etwas verändert habe, merke man bereits im Vorfeld des neuen Festivals an den weniger verkauften Komplett-Abonnements im Vergleich zu den Vorjahren. Man hoffe nun, dass durch die inhaltliche Öffnung des Festivals viele speziell an einem Einzelabend interessierte Zuhörer dazukommen und sich in der Wochensumme höhere Zuhörerzahlen ergeben werden. Das Festival trage sich nach wie vor ungefähr zur Hälfte aus Sponsorengeldern und zur Hälfte aus den Karteneinnahmen. Daran könne man erkennen, dass die Zuschauerzahlen einen sehr wichtigen Faktor für das Funktionieren dieses Festivals darstellten. Auf die abschließende Frage, wie lange Benjamin Schmid für das Festival zu Verfügung stehen würde, antwortet Tröger, dass er bereits jetzt mit Benjamin Schmid Ideen und spannende erste Planungen für das Festival 2020 diskutiere. Die Zusammenarbeit sei also beiderseitig eindeutig für die Zukunft ausgelegt. Weitere Informationen zum Programm und zum Kartenvorverkauf gibt es unter dieser Adresse: www.classix-kempten.de

Jürgen Kus

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