Bewegende Worte beim Gedenken

"Schweigegang" und Kundgebung zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht

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Stolpersteine, mit weißen Rosen geschmückt, erinnern an die Familie Kohn.

Kempten – Pogrom bedeutet Zerschlagung, Zerstörung, Verwüstung, Ermordung. Das war das Programm der Nationalsozialisten, die vor 80 Jahren zum Niederbrennen jüdischer Geschäfte aufriefen und diese Barbarei dann zur „spontanen Entladung des Volkszorns“ umdeuteten.

Die Initiative Stolpersteine hatte deswegen am Freitag zum Sigmund-Ullmann-Platz eingeladen, um der Opfer des Naziterrors zu gedenken.

Einige der 24 auf Kemptener Grund verlegten Stolpersteine wurden auf dem Rundgang besucht und mit weißen Rosen geschmückt. Die Klasse 9a des Hildegardisgymnasiums hat sich offenbar eingehend mit der Geschichte der Judenverfolgung beschäftigt. Die Mädchen und Buben trugen im Detail vor, wie in Deutschland und auch in Kempten die jüdische Bevölkerung drangsaliert wurde. 1933 lebten im Deutschen Reich rund 500.000 Juden und Jüdinnen, davon 62 in unserer Stadt, 1944 noch rund 15.000, bei Kriegsende in Kempten noch zwei.

Dazwischen lagen Schikanen der gemeinsten Art: Juden dürfen Staatsangehörige deutschen Blutes nicht heiraten, müssen ihr Vermögen abgeben, den Judenstern tragen, dürfen keine Geschäfte mehr führen, sich auf keine Parkbank setzen, kein Radio, kein Telefon, kein Auto besitzen, sie erhalten keine Kleiderkarten, kein Fleisch, keine Eier und keine Milch mehr … die Liste so endlos wie deprimierend. „Wer konnte behaupten, nichts gewusst zu haben?“, als 1942 die hochbetagten Jüdinnen und Juden zum Kemptener Bahnhof gebracht und nach Piaski und Auschwitz deportiert wurden, fragten die jungen Leute.

Der am Friedensplatz versammelten Gemeinde gab Oberbürgermeister Thomas Kiechle eindringliche Worte auf den Weg: „Es gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben, Wissen über die Verbrechen der Hitlerbarbarei und die Zerstörung aller sittlichen Normen zu vermitteln.“ Und: „Wir fragen uns heute, warum es nicht möglich war, Einhalt zu gebieten, als die Zeichen der nationalsozialistischen Tyrannei nicht mehr übersehen werden konnten.“ Für Kiechle ist diese Zeit keine unwiederholbare Entgleisung. Er rief zu Wachsamkeit und Sensibilität gegenüber Einstellungen auf, die totalitärer Herrschaft den Weg bereiten können.

Elisabeth Brock

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