Stadt Kempten will "Bildungsregion" werden

Auf dem richtigen Weg

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Die zahlreichen Schulbaumaßnahmen in Kempten – hier wird Richtfest an der Suttschule gefeiert – sind ebenfalls wichtige Schritte auf dem Weg zur „Bildungsregion“.

Kempten – Die Stadt Kempten will Teil der Initiative „Bayerische Bildungsregion“ des Bayerischen Kultusministeriums werden. Einer rund 100-seitigen Entwurfsfassung eines entsprechenden Konzepts erteilten sowohl der Schul- und Kulturausschuss als auch der Jugendhilfeausschuss an Mittwoch ihre Zustimmung.

Verabschiedet werden soll das Konzept am 15. Juli durch ein Dialog-Forum. Nach der Prüfung durch verschiedene Organisationen und Behörden muss dann das Kultusministerium entscheiden, ob es Kempten ein entsprechendes Qualitätssiegel verleiht. 

Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines lokalen Bildungsmanagements, das lebenslanges, aufeinander abgestimmtes Lernen und erfolgreiche Bildungsverläufe ermöglicht. „Im Zentrum stehen neben der Organisation der Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit des bayerischen Schulsystems die Gestaltung von ganzheitlichen Bildungsprozessen im Zusammenwirken der Schulen mit den relevanten Kooperationspartnern“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) am Mittwoch bei der Vorstellung des Konzepts in beiden Ausschüssen.

 Mit ihrer Bewerbung dürfte die Stadt durchaus gute Karten haben. Denn die Maßnahmen aus den Handlungsfeldern der Bildungsregion decken sich häufig mit den „Strategischen Zielen 2020“ der Stadt. „'Demografie gestalten', 'Jugend ausbilden' und 'Wirtschaft stärken' zeichnen sich heute schon durch ihre hohe Passgenauigkeit an den Zielen der Bildungsregion aus“, betonte Netzer. Wie Oberstudiendirektor Hubert Lepperdinger, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Schwaben als Vorsitzender der Konferenz für Schulaufsicht, erläuterte, basiert das Projekt „Bildungsregion“ vor allem auf fünf Säulen: 

 – Übergänge gestalten, etwa den vom Kindergarten zur Grundschule, oder von der Grundschule zu weiterführenden Schulen. 

– Bildungsangebote vernetzen durch Experten vor Ort aus den unterschiedlichen Bereichen. 

– Chancen eröffnen, junge Menschen in besonderen Lebenslagen unterstützen, die Teilhabegerechtigkeit erhöhen und damit kein Talent verlieren. 

– Bürgergesellschaft und Jugendarbeit stärken. 

– Bildung als Standortfaktor angesichts des demografischen Wandels aktiv gestalten. So sollen beispielsweise Kindertageseinrichtungen und Schulen in Wohnortnähe liegen und die Schulentwicklung optimiert werden. Eine Arbeitsgruppe ist im vergangenen halben Jahr zu dem Ergebnis gekommen, dass in Kempten vor allem die drei Bereiche „Vertiefte Berufsorientierung“, „Ausbildungsabbrecher“ sowie „Übergänge zwischen den Schularten begleiten“ besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. „Eine Stadt, die zukunftsfähig sein will, kann es sich nicht leisten, junge Menschen auf ihrem Weg – vom Kindergarten bis hin zum Berufseinstieg – quasi zu verlieren“, betonte OB Netzer. Eine gute schulische Bildung sei der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit, so Netzer weiter. 

Kritik am System 

Stadtrat Lothar Köster (SPD) kritisierte in diesem Zusammenhang den Freistaat Bayern, der die Finanzierung den Städten und Kommunen überlasse. „Wir machen für viel Geld Sachen, die eigentlich das Land übernehmen müsste”, sagte er. Außerdem seien viele Probleme im bayerischen Bildungssystem hausgemacht. Doch wie geht es nun weiter? Wie Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer erklärte, geht der Konzeptentwurf zunächst an die Regierung von Schwaben, an den Landesausschuss für Berufsbildung sowie an den Landesjugendhilfeausschuss. Am 15. Juli wird dann im TheaterOben ein Dialog-Forum stattfinden. Dort soll das Kemptener Konzept Schulleitern, den entsprechenden Ausschussmitgliedern, dem Regierungspräsidenten, weiteren Vertretern der Regierung sowie der Schulaufsicht vorgelegt und verabschiedet werden. Ob Kempten sich dann tatsächlich mit dem Qualitätssiegel „Bildungsregion“ wird schmücken dürfen, entscheidet schließlich das Kultusministerium in München.

Matthias Matz

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