Die Bibliothek braucht Platz

Der zu erwartenden gesellschaftlichen Entwicklung muss sich auch die Kemptener Stadtbibliothek stellen. Das wurde im Schul- und Kulturausschuss deutlich, als Stadtbibliothekarin Andrea Graf ein ganzheitliches Konzept für die Bibliothek als moderner, effizienter und zukunftsfähiger Dienstleister darlegte. Ein zentraler Punkt seien die Räumlichkeiten. Denn die würden dem Platzbedarf bereits jetzt nicht gerecht, wie Graf glaubhaft versicherte, und seien nicht barrierefrei. Es brauche Leseplätze, die zum längeren Verweilen einladen, aber „wir haben nichts im Romanbereich“, außer zwei Hocker und zu eng gedrängte Regale, nannte sie ein Beispiel. Auch ein Gruppenraum für Teamarbeit sei notwendig, statt des einen Tisches, den die Stadtbibliothek derzeit biete. „Wenn wir Schüler animieren wollen, bei uns an Referaten zu arbeiten, müssen wir etwas dafür bieten“, untermauerte sie ihr Anliegen.

Auch PC-Arbeitsplätze seien wieder gefragt, nicht nur als Internetzugang, sondern für Sprachtrainings oder Bewerbungen, denn viele Haushalte könnten sich keinen eigenen PC leisten. Auch eine Aufstockung des Medienbestands wünschte sie sich. Ziehe man von den aktuell rund 125000 Medien den historischen Altbestand, die Allgäuer Sammlung und den älteren Sachbuchbestand ab, blieben etwa 88000 übrig. Zielgröße seien 123000 Medien mit einer jährlichen Erneuerungsquote von zehn Prozent. Denn „nur ein schöner, aktueller Bestand animiert zum Lesen und Ausleihen“, machte sie klar. Positiv hatte sie die seit Jahren steigende Ausleihe zu vermelden, wobei im letzten Jahr die „halbe Million geknackt“ worden sei und zwar überwiegend mit Büchern. Auch auf die Auszeichnung mit dem Gütesiegel „Bibliotheken – Partner der Schulen“ in diesem Jahr hob sie hervor. Die vielfältigen Aktivitäten zur Unterstützung der Bildungseinrichtungen sollen dem wachsenden Bedarf entsprechend weiter ausgebaut werden. Dazu gehören Leseförderung, Klassenführungen, Autorenbegegnungen oder auch Medienkisten, die in Schulen und Kindergärten gebracht werden. Weitere strategische Ziele seien ein breites und offenes Angebot für lebenslanges Lernen, das für Schüler über Berufstätige, Arbeitslose bis zu Senioren interessant sein müsse. Und auch bei der Lese- und Medienkompetenz sah sie die Bibliothek in der Vermittlerrolle. Weiter plädierte sie für eine „bürgerfreundliche Verlängerung der Öffnungszeiten“ von Dienstag bis Samstag. Erweiterung möglich? In nächster Zeit werden sich die Stadträte vor allem mit der Frage beschäftigen müssen, ob die Orangerie auf den erforderlichen Raumbedarf erweitert werden kann – „eine Herausforderung für jeden Architekten“ wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) meinte, oder ob sie in einem anderen Gebäude untergebracht werden müsse. Das noch kleinere Zumsteinhaus scheide aus und auch einen Neubau sah er eher nicht. „Es ist ein großes Anliegen der Bildungsbürger, dass die Bibliothek in der Orangerie bleibt“ merkte Stadtrat Michael Hofer (UB/ödp) an. Dem allgemeinen Tenor entsprechend beauftragte Netzer die Stadtbibliothekarin zu prüfen, was in Teilschritten „unabhängig von der Erweiterung“ schon gemacht werden könne. Bei der Diskussion in den Fraktionen müsse, so Netzers Hinweis, auch berücksichtigt werden, welche Rolle Neue Medien wie beispielsweise das E-Book künftig spielen werden. Ferner regte der OB an, gemeinsam die neue Bibliothek in Augsburg zu besichtigen.

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