Lieferengpässe sind jederzeit möglich 

E-Bikes sind gefragt wie nie zuvor 

Vom ADFC wird ein Fahrsicherheitstraining angeboten.
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Vom ADFC wird ein Fahrsicherheitstraining angeboten.
  • VonLutz Bäucker
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Kempten/Landkreis – „Es ist der pure Wahnsinn!“, sagt Walter Eberle in Wildpoldsried. „Unglaublich!“, ergänzt Bernd Holzer in Kempten. Andys in Sulzberg freut sich: „Ich bin sehr zufrieden.“ Und Benjamin Baldauf in Altusried stellt fest: „Wir haben eine sehr, sehr große Nachfrage.“ Alle vier Fahrradhändler sprechen über ein und dasselbe: den Boom der stromgetriebenen E-Bikes bzw. Pedelecs, der auch im zweiten Corona-Frühling ungebrochen ist und derzeit manche Radler radlos zurücklässt. 

Fahrradgroßhändler wie „rebike“ suchen Mitarbeiter für ih- re Niederlassungen und Werkstätten im Allgäu; beliebte Top-Modelle sind ausverkauft; auf andere müssen die Kunden bis zum September warten. Dann kommt neue Ware – „vielleicht“, heißt es bei „Wildrad“ in Wildpoldsried und Waltenhofen: „Die Lieferketten laufen unzuverlässig, erst die Pandemie, dann der blockierte Suezkanal“, erklärt Walter Eberle, „wir können uns auf nichts mehr verlassen, müssen ins volle Risiko gehen.“ Sicherheitshalber hat er schon mal die Radmodelle für 2023 geordert, „man weiß ja nie, wie sich das Ganze entwickelt“.


Europäische Hersteller warten verzweifelt auf dringend benötigte Komponenten aus Asien, die nun auf irgendwelchen Schiffen festhängen, während hierzulande die coronamüde Kundschaft nach akkubetriebenen Fahrrädern verlangt. Eine Folge der Pandemie, weiß „e-Motion“-Shopleiter Baldauf in Altusried: „Gerade im Allgäu sind die Menschen stark outdoor-orientiert, die möchten raus und in der Natur unterwegs sein.“ Auch steuerlich geförderte Job-Räder und kommunale Finanzspritzen für Lastenfahrräder heizen die Nachfrage gewaltig an.

E-Bikes statt Urlaub

Im Fachgeschäft „Andys“ in Sulzberg beobachtet man „Leute, die noch nie ein Radl gekauft haben, die möchten sich jetzt auf ein Pedelec setzen“. Der „Freizeitzwang“ sei groß, viele glaubten, unbedingt etwas unternehmen zu müssen. „Mit dem eingebauten Rückenwind geht das natürlich sehr bequem.“ Dafür wird gern viel Geld ausgegeben. Im Schnitt rund 3000 Euro pro E-Bike , sagt Eberle. „Die Allgäuer machen ja keinen Urlaub und möchten sich aber trotzdem was gönnen, sich fürs Durchhalten quasi belohnen.“

Stromgetriebene E-Mountainbikes gehen weg wie warme Semmeln, in diesem Segment beobachten die Fachhändler, dass es nur noch Einzelstücke gibt. Bei Trekkingrädern mit Motor ist die Auswahl noch größer, allerdings ist nicht immer garantiert, dass die Kunden ihr Wunschmodell bekommen können. „Es ist noch was da“, beruhigt Bernd Holzer in Kempten, „aber Sie müssen nehmen, was ich habe. Oder Geduld haben, bis wieder was reinkommt.“

Beim ADFC Kempten-Oberallgäu sieht man den Run auf die -Bikes prinzipiell positiv. Je mehr Menschen aktiv Rad fahren, desto besser sei das für die Umwelt und für die Gesundheit, heißt es beim Fahrradclub. „Aber“, sagt der Kreisvorsitzende Tobias Heilig, „gerade in den Bergen wird es jetzt sehr voll, es kommt zu Konflikten zwischen Wanderern und Mountainbiken.“ Außerdem seien dort immer mehr Radfahrer unterwegs, die das Fahren mit dem E-Bike nicht gewohnt seien und sich auch überschätzten.

Heilig verweist deshalb auf das vom ADFC angebotene Fahrsicherheitstraining für Pedelec-Piloten. Wenn es die Inzidenzen zulassen, soll Ende Mai in der Kemptener Wiesstraße damit begonnen werden, das Fahren mit dem E-Bike zu lernen und zu trainieren. (Anmeldung an josef@adfc-kempten.de.) „Eine coole Sache“, findet Radexperte Andy. Im Landkreis Ravensburg werden aktuell sogar Radler gesucht, die sich ab sofort kostenlos zum Fahrsicherheitstrainer ausbilden lassen möchten – so groß ist der Bedarf. (Infos unter www. radspass.org/trainer.)

E-Bike: Kaufberatung wichtig

Für Pedelec-Interessierte ist die fachgerechte Beratung besonders wichtig: Wer viel Geld investiert, sollte genau wissen, welchen Motor und welchen Akku er bzw. sie für seine/ihre Bedürfnisse benötigt, auch das Gewicht der Maschine spielt gerade für ältere Fahrer eine Rolle. Trotz coronabedingter Einkaufsbeschränkungen ist Videoberatung möglich, Baldauf und andere Händler bieten Probefahrten an. „Wichtig ist, jetzt Geduld zu haben“, rät Andy, „wenn irgendwo in Asien eine Fräse stillsteht oder der Suezkanal dicht ist, dann geht eben nix mehr.“

Lutz Bäucker

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