Letzte Bürgerversammlung von Bürgermeister Heribert Kammel

Diesmal bleibt`s friedlich

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Altusrieds Bürgermeister Heribert Kammel zieht in seiner letzten Bürgerversammlung Bilanz.

Altusried – Altusrieds scheidender Bürgermeister Heribert Kammel (FW) nutzte in der vergangenen Woche seine letzte Bürgerversammlung als Rathauschef, um nach dem üblichen Rück- blick auf das zu Ende gehende Jahr auch einige Meilensteine seiner achtzehnjäh- rigen Amtszeit Revue passieren zu lassen.

Bei Bürgerversammlungen in Altusried konnte es in der Vergangenheit schon so mal richtig krachen. An Heribert Kammels Abschiedsabend aber blieb im gut besuchten Rössle-Saal alles ruhig und harmonisch, als der Rathauschef Zahlen und Fakten des Jahres 2013 darlegte. Das gesamte Investitionsvolumen der Marktgemeinde belief sich heuer auf 4,23 Millionen Euro, wobei die größten Posten auf den (derzeit gestoppten) Bau des Geh- und Radweges im Bereich Isel, den Hochwasserschutz Krugzell sowie den Hochbehälter Wetzleberg entfielen. Wie Kammel betonte, musste die Gemeinde in diesem Jahr „noch keinen Cent an Darlehen aufnehmen“. Die Pro Kopf-Verschuldung liegt aktuell bei 1279 Euro (38 Euro weniger als 2012), die Gesamtverschuldung bei 12,6 Millionen Euro. Die Freilichtbühne erwirtschaftete einen Gesamtüberschuss von 680 000 Euro. Zu den aktuellen Themen des Jahres gehörte unter anderem die Gründung eines Klimaschutzteams, das ein bereits vom Gemeinderat verabschiedetes Klimaschutzkonzept erarbeitet hat. 

Für bewegte Gemüter sorgte die Aufnahme von Asylbewerbern. Er sei „richtig froh und stolz“, dass sich die Altusrieder so intensiv um ihre neuen Nachbarn bemühten, lobte Kammel. Seit September steht den Flüchtlingen ein Koordinationsteam beratend und helfend zur Seite. Wenig Neues gab es von der seit Jahren diskutierten Umgehungsstraße. Die Gemeinde hat jüngst einige Grundstücke erworben, die dieser zu Gute kommen können. „Dies war eine Investition für die Zukunft. Obwohl es eigentlich Aufgabe des Freistaates wäre, diese Umgehungsstraße zu realisieren“, wie Kammel betonte. Die Chancen hierauf seien allerdings gering, da die Prioritäten der Landesregierung anders gelagert seien. „Bei diesem Thema braucht man einen langen Atem.“ 

 Keine Entwicklung 

Stagnation auch beim Reizthema Innerortsentwicklung: Der seit langem geplante und umstrittene Bau der sogenannten Postresidenz – ein Wohn- und Geschäftshaus mit Apotheke, drei Arztpraxen und 13 Wohneinheiten in der Ortsmitte – ruht nach wie vor. Derzeit sei nicht bekannt, ob der Bauherr Hansjörg Welsing die Pläne noch umzusetzen gedenke oder was überhaupt auf dem Grundstück passieren werde. „Wir können den Investor nicht zwingen, hier etwas zu unternehmen.“ Das aktuelle Baurecht endet im September 2014. Das Bauvorhaben bezüglich des neuen REWE-Marktes (am Standort des ehemaligen Penny-Marktes) hingegen kommt nach einigen notwendigen Änderungen jetzt in die zweite Auslegungsrunde und wird im Januar im Gemeinderat erneut diskutiert. Sollten keine gravierenden Einwände gegen das Projekt vorliegen, könnten die Bauarbeiten im Frühjahr beginnen. Vorausblickend kündigte Kammel die Schaffung einer Rettungswache mit fest stationiertem Rettungsfahrzeug in Altusried (beim Kreisverkehr am Feuerwehrhaus) an. 

Zu den mittelfristigen Zielen der Gemeinde gehöre es, einen durchgehenden Radweg von Burg bis Frauenzell zu schaffen. Mit Stolz und vielleicht auch ein wenig Wehmut warf der Rathauschef danach Glanzlichter auf einige Meilensteine seiner achtzehnjährigen Amtszeit. Erwähnung fanden die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes, die Flurbereinigung (1985-2011), im Zuge derer 3800 Hektar Bodenfläche neu geordnet und Landschaftspflegemaßnahmen vorgenommen wurden – wofür die Gemeinde den Staatspreis 2012 erhielt – wie auch das Inkrafttreten des Bebauungsplanes für Windkraftanalagen im Jahr 2003. Damals ein hitzig diskutiertes Thema, „bei dem es sogar einen Lichterzug von Kimratshofen nach Gschnaidt gab.“ Vor elf Jahren war Altusried mit dem Programm Leader+ die Keimzelle der heute sehr aktiven und erfolgreichen „Regionalentwicklung Oberallgäu“, einem strategischen Zusammenschluss aus 27 Gemeinden. In puncto Ortsentwicklung wurden während Kammels Amtszeit allein in Altusried 123 Bauplätze geschaffen. Hinzu kamen über einhundert weitere in den anderen Gemeindeteilen. „Wenn jemand in seiner Heimatgemeinde bauen wollte, hatte er in den vergangenen Jahren die Chance dazu.“ 

 Gemeinde kauft "Post" 

Ganz aktuell ist der Kauf der „Alten Post“ in Kimratshofen, den die Gemeinde dieser Tage tätigt. Da eine Nutzung als Gaststätte kaum mehr vorstellbar sei – „hieran sind schon viele gescheitert“ –, seien nun die Bürger bei der Erstellung eines sinnvollen Nutzungskonzeptes gefragt. Zum Abschluss bedankte Kammel sich beim Gemeinderat für die gute Zusammenarbeit. „Wir haben in diesen 18 Jahren zirka 85 Millionen Euro in die Entwicklung von Altusried gesteckt und ich glaube, die Entwicklung ist eine gute gewesen.“ 

Der Tatsache, dass die Entscheidungen des Gemeinderates im Dorf bisweilen zu tiefgehender Missstimmung führten, trug Kammel ebenfalls Rechnung: Natürlich habe man es nicht allen recht machen können und auch Fehler gemacht. „Wo gearbeitet wird, das werden auch Fehler gemacht. Wenn sich jemand von mir persönlich in irgendeiner Form nicht richtig behandelt fühlte, dann bitte ich ihn hiermit um Verzeihung.“ Er sei froh und stolz gewesen, Bürgermeister in Altusried zu sein und wünsche allen Nachfolgern alles Gute.

Sabine Stodal

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