Nachdenken über Strafzinsen und Gebührenerhöhungen

Sparkasse mit 2015 "noch zufrieden"

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Manfred Hegedüs (re), Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, und Vize Manfred Kreisle, stellten im Rahmen der Bilanzpressekonferenz auch den „etwas anderen Jahresbericht“ vor, in dem interessante Menschen und Projekte aus der Region in den Fokus rücken und „die Sparkasse dezent im Hintergrund bleibt“.

Kempten – Noch kann die Sparkasse Allgäu zum Teil von den letzten guten Jahren zehren und so zeigten sich Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, und sein Vize Manfred Kreisle in der Bilanzpressekonferenz vergangene Woche „noch zufrieden“ mit dem Ergebnis 2015.

„Die dramatischeren Zeiten stehen uns noch bevor“, machte Hegedüs aber auch keinen Hehl daraus, dass sich seines Erachtens vor allem an der Niedrig-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank in den nächsten Jahren kaum etwas ändern wird. In den nächsten fünf Jahren sei somit beim Zinsgewinn der Sparkasse Allgäu von rund 78 Millionen Euro im vergangenen Jahr eine Reduktion von „fast zehn Millionen Euro zu erwarten“. Deshalb werde auch bei der Sparkasse Allgäu über etwas nachgedacht, was man bislang vermieden habe: die Einführung von „Negativ-Verzinsungen“. Wie Hegedüs betonte, gehe es dabei nicht um „100.000 Euro- oder 200.000 Euro-Einlagen“, sondern um Einlagen von „vielleicht 500.000 Euro oder einer Million aufwärts“. Darüber hinaus sollen die „seit fünf Jahren gleich gebliebenen“ Kontogebühren auf den Prüfstand und vermutlich ab nächstem Jahr angehoben werden. Bei der Dikussion um die Abschaffung von 500 Euro-Scheinen oder der Obergrenze bei Bargeldzahlungen von 5000 Euro sieht er das Argument „Kriminalität nur vordergründig“. Vielmehr sieht er dadurch auch eine Erschwernis, große Bargeldsummen aus Schutz vor Negativzins zu Hause zu lagern.

Deutlich schwächer als 2014 (4,6 Millionen Euro) fiel bereits der Jahresüberschuss mit 3,7 Millionen Euro aus. Dagegen stieg die Bilanzsumme auf mehr als 4,3 Milliarden Euro – ein Plus von 0,4 Prozent. Das Eigenkapital wurde um 20 Millionen Euro auf rund 350 Millionen Euro aufgestockt. Für Hegedüs ein besonders wichtiger Posten, denn damit sei die Sparkasse Allgäu „gut aufgestellt für die nächsten Jahre“. Durch die Stärkung der Kapitalbasis könne man die anstehenden betriebswirtschaftlichen Herausforderungen meistern und die Kunden auch mit Krediten versorgen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten zahle sich das Geschäftsmodell der Sparkassen aus, aus Einlagen Kredite zu machen. So sei das Kreditvolumen um 5,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen, 627 Millionen Euro wurden als neue Darlehen ausgezahlt, über 300 Millionen Euro wurden als Kredite an Unternehmen und Selbständige ausgegeben. Von den knapp 320 Millionen Euro, die an Privatpersonen ausgegeben wurden, waren 250 Millionen Euro in Form von Wohnbaudarlehen. Von einem regelrechten Boom im Immobiliengeschäft sprach Kreisle: 240 verkaufte Objekte mit einem Verkehrswert von 50 Millionen Euro, wobei die Nachfrage das Angebot deutlich übersteige. Und auch das Bausparen sei „nicht tot“ und um 11,5 Prozent sogar angestiegen. Mit einer Gesamtsumme in Höhe von 175 Millionen Euro wurden Bausparverträge vermittelt.

Ein „kräftiges Wachstum“ verzeichnete Kreisle auch bei den Kundeneinlagen, „obwohl wir nicht mehr viel Zinsen zahlen können“, für die Vorstände ein Zeichen für das Vertrauen ihrer Kunden. Gekauft wurden unter anderem Aktien – „am besten streuen, streuen, streuen“, so der Tipp des Fachmanns zur Risikominimierung – sowie Gold, das laut Hegedüs „auf hohem Niveau stabil“ sei. 175 Kilogramm Gold wurden bei der Sparkasse Allgäu im vergangenen Jahr gehandelt, im Wert von 6,3 Millionen Euro und vielleicht ja mit ein Grund, warum die Schließfächer langsam knapp werden. Weitgehend gleich geblieben sind laut Hegedüs die Beträge, die die Sparkasse Allgäu als „verlässlicher Steuerzahler“ an die Kommune abgeführt habe: über vier Millionen Euro allein an Gewerbesteuern.

Ein Anliegen ist Hegedüs die Verwurzelung der Sparkasse Allgäu mit der Region, weshalb sie unter anderem auch gesellschaftliche Verantwortung übernehme. Über 800.000 Euro gingen deshalb vergangenes Jahr in Form von Spenden und Sponsoring an Vereine und gemeinnützige Organisationen für Kunst, Kultur, Bildung, Umwelt oder Ehrenamt. Zudem konnte die Sparkassenstiftung um 500.000 Euro aufgestockt werden. Das Stiftungskapital beträgt aktuell 13 Millionen Euro.

Zunehmende Digitalisierung 

Seit vergangenem Freitag, 1. April, hat die Sparkasse Allgäu, wie schon länger angekündigt, 14 ihrer Filialen in unbemannte Selbstbedienungs (SB)-Stellen mit nur mehr Automaten umgestellt. Damit passt sie sich dem Kundenverhalten an, wie die Vorstände betonten, denn „im Durchschnitt besucht ein Kunde einmal pro Jahr seine Sparkassen-Filiale vor Ort“, nutze aber rund 160 Mal seine Sparkassen-App. Vor allem die jüngere Generation nutze auch die SB-Terminals kaum noch. Den veränderten Rahmenbedingungen begegnet die Sparkasse neben bereits bestehenden Angeboten wie eBusiness und Telefon-Filiale mit dem neuen Bereich „Medialer Vertrieb“. Ab 19. April soll dann auch das Team „Online-Filiale“ mit Online-Beratern und Online-Marketing-Spezialisten die Kunden in der digitalen Welt betreuen. Bezüglich der Mitarbeiter werde „nach wie vor ausgebildet“ – 68 Auszubildende waren es 2015 –, woraus sich im Wesentlichen auch der Berater-Nachwuchs rekrutiere. Einstellungen von Außerhalb gebe es, so Hegedüs, allerdings kaum noch.

Christine Tröger

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