Bildhafte Liebeserklärung

Eine „Liebeserklärung an die Frauen“ ist derzeit im Börsensaal des Kemptener Kornhauses zu sehen. Foto: Tröger

Mit einer bemerkenswerten Karriere hatte die Laufbahn des Bildhauers Ferdinand Kuschel in dessen Heimat begonnen. Was daraus geworden wäre, wenn nicht Krieg und Vertreibung den sensiblen Künstler aus dem mährischen Strernberg nach Kempten verschlagen hätte, bleibt Spekulation. Ein Anknüpfen an seine Erfolge als angesehener Bildhauer, weit über die heimatlichen Grenzen hinaus, war Kuschel in Kempten jedenfalls nicht beschieden. Die Freunde Kemptener Museen (fkm) würdigen den am Ende zunehmend isoliert lebenden und verarmten Künstler mit einem Querschnitt seines im Allgäu fast nur noch malerischen Schaffens in der Ausstellung „Liebeserklärung an die Frauen“.

Fast 600 Aquarelle und Zeichnungen hat Kuschel hinterlassen – Werke, die in den 20 Jahren entstanden waren, die er bis zu seinem Tod 1966 in Kempten verbracht hatte. Einen für Bildhauerei sozusagen „gesättigten Markt“ hatte er vorgefunden, als er im Oktober 1946 mit seiner großen Liebe und Ehefrau Maria, genannt „Mizzi“, in einem Antifa-Transport in Kempten angekommen war. Zu arm für ein eigens Atelier und die benötigten Materialien wie Gips, Ton und vor allem Stein, verlegte sich der einstige Stipendiat für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Kunst in Wien – das Studium schloss er „mit höchsten Ehren“ ab – auf die günstigeren Utensilien Papier, Bleistift, Feder, Aquarell, Kopierstift, Kohle, Pastell und Kreide. Als Sonnenbadende am Strand, als Tänzerinnen, Engelsfiguren, in Porträts oder weiblichen Körpern in allen erdenklichen Posen hat sich Kuschel in seinem malerischen Werk vor allem dem Thema „Frau“ zugewandt und ihnen sowohl durch seine Sichtweise als auch seine respektvoll-feinsinnige Darstellung Hochachtung gezollt – eine wahre Hommage an die Weiblichkeit. Waren Kuschels Skizzenblätter in den 1950er Jahren in allgäuer und schwäbischen Kunstausstellungen zwar aufgefallen, fanden sich dennoch nur gelegentlich Käufer, wie der Kemptener Kunstsammler Dr. W. Maul. Nur sehr wenige bildhauerische Arbeiten waren Kuschel in der neuen Heimat vergönnt, darunter der vermutlich zwischen 1952 und 1955 entstandene „Flüchtlingsbrunnen“ in der Kemptener Kantstraße. „Technik ist nichts, Seele alles“ lautete Kuschels Arbeitsleitspruch an der Wand seines Ateliers. Für die Nachwelt umso schöner, dass er als Bildhauer wie als Maler schlussendlich beides in anmutiger Ausdruckskraft zu vereinen verstand. Der umfassende Einblick in das Schaffen des Bildhauers und Malers Ferdinand Kuschel ist noch bis zum 16. Oktober im Börsensaal des Kornhauses zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr sowie in der Kunstnacht Kempten am kommenden Samstag, 8. Oktober, von 19 bis 24 Uhr.

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