Viele kirchliche Figuren

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Sakrale Bildhauereien aus der Reichholzreider Werkstatt Josef Konrads und seines Sohnes Walter Konrad sind derzeit in der Kemptener Kunsthalle zu bewundern. Foto: Tröger

Kempten – Begonnen hat die bildhauerische Karriere des Reichholzrieders Josef Konrad (1891-1963) mit der Statuette der Heiligen Johanna. Die hatte er als etwa siebenjähriger Hütejunge geschnitzt, erinnert sich dessen Sohn Walter Konrad.

Ein benachbarter Drechsler erkannte das Talent. 50 Jahre später erinnert jetzt eine Ausstellung in der Kunsthalle an den Allgäuer Künstler. Ob aus Holz oder Stein – viele kirchliche Figuren insbesondere im schwäbischen Raum, geschnitzte Krippen oder auch Christkindlschreine stammen aus der Werkstatt Josef Konrads, in der er später zusammen mit seinem Sohn Walter gearbeitet hat. Eine Auswahl ihres Schaffens, dazu Werkstattzeichnungen, Modelle sowie ein Teil der Arbeitsstätte selbst ist anlässlich des 50. Todestages des Vaters derzeit in der Kemptener Kunsthalle zu bewundern. Eine vierjährige Lehre bei Hans Hirsch in Günzburg, Erfahrungen in mehreren größeren Werkstätten am Niederrhein, Besuch der Kunstgewerbeschule in Köln und auch vier unbeschadet überstandene Kriegsjahre in Frankreich, kennzeichnen den Weg Josef Konrads. 1920 machte er sich schließlich in seinem Heimatort Reichholzried, zunächst in der Schreiner-Werkstatt eines seiner Brüder, selbständig. Gerne erzählt Sohn Walter über die Entstehung der Kirchenkrippe in Dietmannsried, den vier Seitenaltarfiguren in Obergünzburg oder den Pestheiligen St. Rochus und St. Silvester in Reichholzried. Zwischen 1950 und dem Todesjahr des Vaters „haben wir zusammen große Steinfiguren gemacht – er die Modelle und ich die körperlich anstrengende Vorarbeit“, um den ja schon älteren Vater zu schonen. 

 "Am liebsten Engel" 

Zum Beispiel der Brückenheilige St. Nepomuk stamme aus dieser Zeit. „Ich habe bei meinem Vater eine Lehre gemacht und sowohl Holz wie Stein von der Pike auf gelernt“, schwingt ein bisschen Stolz mit, aber auch die Erkenntnis: „Wenn Sie einen so hoch angesehenen Vater haben, ist es gar nicht leicht, in die Fußstapfen zu treten und die Erwartungen zu erfüllen”. Auch wenn seine Augen nach eigenem Bekunden nicht mehr so recht mitmachen, schnitzt der in wenigen Tagen 81-Jährige noch immer – „jetzt im Alter am liebsten Engel“ oder auch Krippen. Etwa einen Monat brauche er für einen Engel „wenn ich flott schaffen kann“ und natürlich mit den für den Schaffensprozess immer wieder nötigen Pausen. Ein echtes Prunkstück unter den Schnitzereien Josef Konrads ist ein überlebensgroßer St. Christopherus, dessen „Werdegang“ durch eine ebenfalls ausgestellte Zeichnung und das Modell belegt ist. Das Hauptstück der Figur steht in Schlingen bei Bad Wörishofen. Dass unter seinen vier Kindern – ein Sohn und drei Töchter – niemand die Werkstatt weiterführen wird, scheint Walter Konrad nicht weiter zu stören. Die künstlerische Begabung ist aber auch in dieser Generation sichtbar. Zum Beispiel wird die Ausstellung von zwei geschnitzten „Wesenskernen“ seiner in Madagaskar lebenden Tochter Verena Konrad bereichert, für die sie 1997 den Förderpreis der Rudolf-Zorn-Stiftung erhalten hatte. Die Ausstellung „Der Bildhauer Josef Konrad und seine Werkstatt“ ist noch bis zum 23. Dezember in der Kunsthalle zu sehen; und zwar täglich von 13 bis 19 Uhr in Anwesenheit des Bildhauers Walter Konrad. Christine Tröger

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