Bildungskampagne "Energievision 2050" macht Halt in Kempten

Wie schmecken Mehlkäferlarven?

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Rind, Schwein oder doch lieber Insektenkäferlarven? Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich ob der fleischlichen Alternative neugierig.

Kempten – Welches persönliche Opfer bist du bereit für den Klimaschutz zu erbringen? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigten sich im Laufe des vergangenen Freitagvormittags über 500 Schülerinnen und Schüler aus Kempten bei einem interaktiven Vortrag zur Bildungskampagne „Energievision – Unser Klima. Meine Energie. Deine Zukunft“. Die Kampagne ist ein Projekt des Vereins Multivision e.V., der sich für Jugend- und Erwachsenenbildung einsetzt.

Gleich zu Beginn hält Referent und Biologe Stefan Simonis im Kolping-Saal fest: „Energie ist allgegenwärtig – ohne geht es nicht. Immer mehr Menschen verbrauchen weltweit immer mehr Energie. Entscheidend ist jedoch nicht, wie viel Energie wir verbrauchen, sondern wie wir sie erzeugen.“ 

Bereits 2015 habe die Staatengemeinschaft erkannt, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius betragen dürfe, jedoch hätten die Länder bis heute nur wenig unternommen, um dieses Ziel einhalten zu können. Deshalb brauche es nun ein schnelles und wirkungsvolles Handeln mit einer Vision. „Der Klimawandel lässt sich nicht verhindern, denn wir sind bereits mittendrin.“ Es folgte ein 20-minütiger Film, der einerseits aufzeigen sollte, dass jeder Anteil am Klimawandel hat und andererseits unter den Folgen bisher vor allem die Menschen leiden, die am wenigsten etwas dafürkönnen. Laut Klimaforscher Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg verbraucht jeder Bundesbürger im Schnitt elf Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr, womit allein durch die in Deutschland verursachten Emissionen jährlich eine Eisfläche von der Größe des Saarlands dauerhaft schmilzt. Die Auswirkungen spüren derzeit jedoch nicht die größten Kohlenstoffdioxid-Produzenten wie China, USA oder Europa, sondern beispielsweise Länder der Sahelzone. Afrikanische Staaten wie Mali oder der Tschad leiden unter extremer Trockenheit und Wasserknappheit.

Doch der Film will auch Mut machen, aufzeigen, dass jeder Einzelne etwas zum Klimaschutz beitragen kann und die Jugendlichen nicht tatenlos zusehen müssen. Ein Beispiel ist die Plant-for-the-Planet-Foundation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen, die zusätzlich Kohlenstoffdioxid aufnehmen können. In dem Verein engagieren sich zahlreiche junge Menschen, die – Stand heute – über 15 Milliarden neue Bäume gepflanzt haben. Als der Film endete, applaudierten die Schülerinnen und Schüler lautstark. 

Simonis wollte per Handzeichen wissen, wer daran glaube, dass die Gesellschaft den Klimawandel in den Griff bekomme. Ungefähr ein Viertel der Jugendlichen zeigte auf. Bei der anschließenden Frage, ob jeder persönlich einen Beitrag leisten könne, gingen deutlich mehr Hände nach oben. 

Der Referent hakte nach und fragte nach konkreten Vorschlägen. „Jeder mit eigenem Garten pflanzt einen Baum“ oder „mehr Fahrrad fahren und auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen“ sowie „plastikfreie Produkte nutzen“ schlugen die Jugendlichen vor. Eine Schülerin dachte nicht an Reduktion, sondern Investition und forderte höhere Summen für die Forschung auszugeben und nicht Erfindungen wie das E-Auto als Schlüssel zur Zukunft zu präsentieren. „Das Problem an der Forschung ist, dass wir nicht wissen, wann diese brauchbare Ergebnisse erzielt. Wir müssen aber schon jetzt handeln“, entgegnete Simonis und riet dazu, auf die aktuell vorhandenen Möglichkeiten zurückzugreifen. Den eigenen Fleischkonsum zu reduzieren, war ebenfalls ein Vorschlag der Jugendlichen und schaffte den Übergang zu einem zweiten Kurzfilm. In diesem wurde die Bugfoundation vorgestellt, die so genannte Insektenburger produziert. 

„Einfach widerlich“, meinte eine Befragte im Film dazu. Und den Schülerinnen und Schülern erging es anfangs nicht anders. Als ein Behältnis mit lebenden Mehlkäferlarven eingeblendet wurde, ging noch ein angeekeltes Raunen durch die Menge. Nach dem Einspieler eröffnete der Referent den Jugendlichen, dass er getrocknete Larven dabeihabe und fragte, wer probieren wolle. Nach kurzem Zö- gern zeigten überraschend viele Hände auf. Das Fazit der Auserwählten, die probieren durften, fiel unterschiedlich aus. Von „schmeckt nach nicht viel“ über „schmeckt wie Erdnussbutter“ bis hin zu „hat eine ganz eigene Geschmacksrichtung“ war alles dabei. Simonis lobte die Jugendlichen dafür, dass sie sich Neuem gegenüber nicht verschließen: „Ich finde es super, dass ihr euren Ekel überwunden habt.“ 

Dominik Baum

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