Ein Testament, ein Komplott und ein Superwurm

Bauerntheater vom Feinsten spielt die Theatergruppe des TSV Sulzberg

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Alberts Sohn Bernd leistet bei der schönen Urlauberin Verena Erste Hilfe. Praktikant Rudi gefällt das überhaupt nicht. Gerlinde und Josef müssen alle Kraft aufwenden, um ihn zurückzuhalten.

Sulzberg – Auf dem Weberhof herrscht Zwist. Die beiden Brüder Quirin (Roman Sommer) und Albert (Martin Jörg) haben von ihrem Vater jeweils Teile des Hofes geerbt, aber nicht zu gleichen Teilen, wie Albert findet. Während Quirin das große Bauernhaus und die gute Wiese für sich verbucht, muss er selbst sich mit dem alten Austragshaus und den minderen Feldern begnügen.

Um den alten Knecht Josef (Josef Greif), den sich beide teilen müssen, kocht der Streit täglich hoch. Aber auch sonst haben die beiden Brüder nichts gemein: Der gemütliche Albert setzt auf biologische Landwirtschaft, seine Familie spinnt und verstrickt seine eigene Wolle, trinkt „nix wia Brennnesselsaft“ und die Schnecken auf seinen Feldern sterben den Biertod. Der geizige Quirin dagegen wirkt gehetzt und überreizt. Bei ihm sieht es akkurat aus ums Haus. Er arbeitet konventionell, sprüht vor Einfällen, wenn es darum geht, Geld zu sparen und seine ständig putzende Schwiegermutter (Martha Steidele) düngt und spritzt die Felder nicht zu knapp. 

Für Alberts Wirtschaftsweise haben Quirin und auch der Obst-, Gemüse- und Viehhändler Jeremias Wurm alias Johann Kössinger nur ein müdes Lächeln übrig. Doch das ändert sich, als der Biobauer auf dem Markt all seine Waren anbringt. Natürlich muss Quirin auf den Trend aufspringen und arbeitet ab da auch „biologisch damisch“. Sein Problem: Er muss möglichst schnell an biologischen Dünger kommen. Da trifft es sich gut, dass plötzlich zwei fesche Städterinnen, gespielt von Veronika Steidele und Roswitha Ullemair, Urlaub auf dem Weberhof machen wollen. 

Für Turbulenzen sorgen auch der in allen Gebieten der modernen Landwirtschaft ausgebildete Praktikant von der Landwirtschaftsschule (Markus Schmölz) und die liebestolle Magd Gerlinde (Ursula Schmid).

Das aktuelle Thema und die herrlich überzeichneten Charaktere sorgen für allerhand Lacher. Genial sind Knecht Josef als Schneckenversteher, der betrunkene Quirin, der Strickkurs bei Alberts Sohn Bernd oder die permanenten Annäherungsversuche von Gerlinde. Die ordentliche Portion Wortwitz, das Bühnenbild – Gruscht bei Albert, silberner Lochblech-Balkon, oranger Anstrich bei Quirin – und die perfekten Kostüme tun ihr Übriges für einen gelungenen Theaterabend. Da kann man schon einmal davon absehen, dass der ein oder andere Gag auch mal recht tief unter der Gürtellinie sitzt.

Noch zweimal geraten die beiden zerstrittenen Brüder aneinander: Die Theatergruppe spielt am Freitag, 6., und Samstag, 7. April, jeweils um 20 Uhr im Gasthof Hirsch. Karten gibt es ab 19 Uhr an der Abendkasse und unter der Nummer 08376/97 68 101 sowie Mo, Di, Sa von 10 bis 12 Uhr und Mo, Di, Fr von 17 bis 18 Uhr im Gasthof Hirsch.

Susanne Kustermann

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