78 Vogelarten und ein Langohr

Wer hört oder sieht die meisten Vogelarten beim Birdrace?

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Ein Highlight für das Team Oberallgäu auf dem Birdrace 2019: ein seltener Weißrückenspecht im Buchenwald bei Oberstdorf.
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Das Team der LBV Kreisgruppe Kempen-Oberallgäu v. li.: Ethelbert Babl, Bernd Kleinschrod, Annette Mayr und Dr. Anna Gilles.
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Zwar kein Vogel, aber trotzdem ein „Birdrace Schmankerl“: Schwer zu beobachten in den Bergen ist der Schneehase.
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Ein typischer Blick auf die Vogelwelt am Birdrace-Tag: Am Riedberger Horn – hier startete das Team Oberallgäu das Vogelrennen – thront ein Birkhahn über seinem Revier.

Landkreis – Am 4. Mai war Birdrace, zum 16. Mal, bundesweit mit einem Rekord von 356 Teams und 1200 Personen. Es war das bisher kälteste Rennen seiner Art, doch die Vogelfans ließen sich nicht abschrecken und zählten in ganz Deutschland einen Tag lang insgesamt 302 Vogelarten.

Auch für das Oberallgäu war das Team „Vier Hühner für ein Halleluja!“ der LBV-Kreisgruppe Kempten Oberallgäu dabei sowie Kreisbote- Mitarbeiterin Annette Mayr. Das Birdrace ist nichts für Langschläfer. Wir treffen uns um 4.45 Uhr in Kempten, um pünktlich um 5.30 Uhr in Grasgehren zu sein, denn hier startet unser Rennen. Jedes Team steckt sich ein Gebiet mit unterschiedlichen Lebensraumtypen ab, in denen möglichst viele Vogelarten vorkommen. Im Allgäu gehört die Berglandschaft natürlich dazu, und was liegt näher, als an dem aktuell bekanntesten Berg in unserem Land, dem Riedberger Horn, die ersten frühmorgendlichen Gesänge zu hören? 

Eines ist klar: Auf unserer Vogelartenliste darf am Abend ein Birkhuhn als das Markenzeichen der Natur am Riedberger Horn nicht fehlen. „Sonst müssen wir uns schämen“, sagt Teamleiter Ethelbert. Beim Marsch über den hartgefrorenen Schnee sehen oder hö- ren wir typische Arten für diese Landschaft: Ringdrossel, Bergpieper, Tannen- und Weidenmeise, Heckenbraunelle und auch den Kuckuck. Auf einen Birkhahn müssen wir schließlich eine gute Stunde warten, bis er sich uns auf der Spitze einer Fichte – als wisse er um den kürzlich errungenen Sieg über sein Revier – thronend präsentiert. Im Gebüsch unweit von uns hören wir zudem die Balzlaute einiger Artgenossen. Beim Birdrace gilt es, die Vögel zu sehen oder auch nur zu hören. Von maximal fünf Teilnehmern pro Team müssen jeweils drei jeder Vogelart mit Auge und/oder Ohr erkennen. 

Birdrace "Schmankerl" 

Birdrace-Schmankerl, das sind besondere Arten, die selten oder schwer zu beobachten sind. Nachdem die Pflicht am Riedberger Horn erfüllt ist, entdecken wir auf dem Rückweg zum Parkplatz unser erstes Schmankerl, auch wenn es kein Vogel ist: ein Schneehase in der „Mauser“ hoppelt lang genug im nahen Gebüsch umher und steht sogar Fotograf Bernd Portrait für ein perfektes Foto. Über Obermaiselstein und Tiefenbach geht es nach Oberstdorf ins Langlaufstadion. An der Stillach füllt sich die Artenliste mit Wasseramsel und Gebirgsstelze, typische Vögel unserer Bergbäche. Im angrenzenden Mischwald mit altem Baumbestand bleiben wir lange an einem Totholzbaum stehen und können kaum glauben, dass sich ein Weißrückenspechtpaar so offen zeigt. Diese Spechte sind im Allgäu sehr selten. In dem wunderschönen Buchenwald finden wir zudem Zaunkönig, Kleiber, Sumpfmeise, Erlenzeisig, Gimpel, Goldhähnchen und Waldbaumläufer. Das große Objektiv von Bernd – besser als die Augen – und seine schnelle Reaktion beim Fotografieren helfen, um die ein oder andere Art zu bestimmen. An der Fellhornbahn treffen wir mangels Thermik dieses Jahr keinen Steinadler und auch die Alpendohlen zeigen sich nicht. 

Mit Rauch- und Mehlschwalben auf der Liste geht die Vogelfahrt über Fischen mit Felsenschwalben, Sonthofen – leider ohne Alpensegler – und den Steinbruch in Burgberg – hier überwintern Mauerläufer – zum Flugplatz Agathazell. Mauersegler sind bereits eingetroffen und in den extensiven Wiesen zeigen sich die seltenen Braunkelchen, Wiesenpieper und Steinschmätzer, der nur noch mit ca. 60 bis 70 Paaren in Bayern vertreten ist und auf der Roten Liste steht. Im Felmer Moos singt für uns eine Goldammer, außerdem füllt sich die Artenliste mit drei weiteren Spechten: Schwarz -, Grau-, und Grünspecht. Nächste Station, nun endgültig im strömenden Regen, ist die Iller im Seifener Becken. Dank des Regens fliegen Baumfalken niedrig und sind gut zu beobachten. Auf den Kiesbänken hält sich ein Fluß- regenpfeifer auf, eine Mittelmeermö- we kreist über dem Wasser und im dichten Uferwald entdeckt Anna einen Gartenbaumläufer. 

Vom gegenüberliegenden Ufer hören wir eine Rohrammer. Mittagspause, Fahrt nach Kempten für die Saatkrähe und eine letzte Station im Schnee am Schwabelsberger Weiher, wo noch eine Tafelente, ein Zwergtaucher und eine Lachmöwe dem Winterwetter im Mai trotzen Damit sind die „Vier Hühner für ein Halleluja!“ nach zwölf Stunden am Ende ihrer Vogelreise – der Schneefall ist zu stark. Das Ergebnis sind 78 Vogelarten sowie ein geschecktes Langohr und sehr viel Spaß inmitten unserer Vogelwelt. 

2020 startet das nächste Birdrace. Wer mitgehen möchte, übe bis dahin das frühe Aufstehen und schaue und höre gelegentlich auf die Vögel. Im Garten, im Wald, in den Bergen oder auch mitten in der Stadt: Es gibt sie zu unserem Glück noch überall! Infos unter: www.dda-web.de Organisator des Birdrace: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V. 

Annette Mayr

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