"Bis man hinaus getragen wird"

Moderator Otto Ziegler (v.l.), Ministerin Katrin Altpeter und Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter diskutieren über Pflege und Betreuung alter Menschen. Foto: Schubert

Es ist die Zeit der Sommerbesuche der Baden-Württembergischen Politiker in den Wahlkreisen und auch die Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) macht da keine Ausnahme. Dass eine Ministerin ein volles Programm hat, ist nicht weiter verwunderlich. Immerhin konnte sie bei ihrem Besuch in Isny zwei Veranstaltungen besuchen. Zu Beginn war sie im Stephanuswerk und unterrichtete sich über die dortigen Abläufe und im Anschluss daran stand sie auf der Terrasse des Kurhauses noch den zahlreichen Zuhörern Rede und Antwort.

Das Stephanuswerk war ihr erster Anlaufpunkt. Hier informierte sie sich über die Arbeit des Bildungszentrums, in dem Umschulungen und Qualifikationen vorgenommen werden, um den Teilnehmern dieser Programme den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben zu ermöglichen oder überhaupt die Voraussetzungen dafür zu erreichen. Nach der Begrüßung durch den Leiter des Stephanuswerkes, Rolf Jehle, war es die Leiterin des BZ, die darüber berichtete und auch zwei Kursteilnehmer zu Wort kommen ließ. Hier ist es besonders der Erwachsenenbereich, der in den letzten zwei Jahren sehr deutliche Einbußen verkraften musste. Anschließend stellte Elisabeth Rupf-Bolz das START-Projekt vor. Die START GmbH ist als selbständige Firma mit Aufträgen aus der Industrie tätig und ist seit 13 Jahren aktiv. Die Fördermöglichkeiten wurden erläutert und besonders im Bereich der Langzeitbetreuung liege in diesem Bereich noch einiges im Argen. Lebhafte Debatte Der nächste Auftritt der Ministerin aus Stuttgart war auf der Terrasse des Isnyer Kurhauses. Das Thema war klar definiert: „Wie wollen Sie einmal alt werden?“ Das ist ein Gebiet, auf dem Sozialministerin Katrin Altpeter nicht erst seit Amtsantritt tätig ist. Immerhin war sie selbst einige Jahre in der Altenpflege beschäftigt. Moderator Otto Ziegler vom heimischen SPD-Verband hatte im Vorfeld Fragen an die Ministerin gesammelt und sorgte für einen zügigen Ablauf der Gesprächsrunde. Die Zuhörer waren nicht nur interessierte Bürger, sondern zu einem guten Teil auch Fachleute aus der Betreuung und Administration von Isnyer Einrichtungen, Isnyer Ärzte und Isnyer Kommunalpolitiker. Das Angehörige der größte Pflegedienst der Nation seien, war eines der ersten Statements, das in der Diskussionsrunde zum Tragen kam. Von Katrin Altpeter war immer wieder zu hören, die Tendenz, möglichst lange selbstbestimmbar und selbständig daheim zu leben, sei ungebrochen. „Daheim leben, bis man hinaus getragen wird“, das wäre noch immer für viele ältere Mitbürger die einzige Lösung. „Gepflegt von Töchtern und Schwiegertöchtern die berufstätig sind, Kinder haben und sowieso mehrfach belastet sind.“ Eine weitere Schwierigkeit in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Kinder älterer Menschen nicht mehr am selben Ort wohnen, abgesehen davon, dass die Bezahlung und Anrechnung der häuslichen Pflege viel zu gering sei. Breit angelegt ging es schließlich durch alle nur möglichen Bereiche. Pflegeversicherung, Pflegereform, Landes-Heimgesetz, Fördermittel für einen altersgerechten Wohnraum, ehrenamtliche Arbeit im Pflegebereich und vor allem auch die noch immer ausstehende Fortschreibung des Geriatrie-Konzepts kamen dabei zur Sprache. Doch, Katrin Altpeter hat sich gut gehalten und viele Fragen befriedigend beantwortet – zumindest soweit das überhaupt möglich war. Das man dann doch noch beim Isnyer Krankenhaus landete und der Neustrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, ist bei der derzeitigen Situation in Isny nicht verwunderlich. Immerhin strebt die Kassenärztliche Vereinigung offenbar die Reduzierung des Bereitschaftsdienstes auf Standorte mit Krankenhaus an. Was in Isny passieren könnte, wenn das Isnyer Krankenhaus nicht überleben sollte, ist bedrohlich genug.

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