Black Rider: Gemeinde Lauben bleibt bei der Kündigung

Keine Chance mehr

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Im Gasthof Löwen gehen demnächst die Lichter aus.

Lauben Heising – Seit dieser Woche steht es fest: Der Motorradclub „Black Rider MC Allgäu/Kempten“, der seit 2013 den Gasthof Löwen in Lauben als Clubhaus und öffentliche Gastwirtschaft betrieben hat, muss das Gebäude zum Ende des Jahres tatsächlich räumen. Die Entscheidung des Gemeinderates ist nicht unumstritten.

Der Sitzungssaal platzte bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag aus allen Nähten. Unter den Anwesenden waren auch mehrere Mitglieder des Motorradclubs. Sie alle verfolgten gespannt den Ausgang der Abstimmung, ob die Kündigung des Mietvertrages für den Gasthof Löwen aufgehoben werden würde oder nicht.

Zur Vorgeschichte: Der Motorradclub hat das zentral in Lauben gelegene Gebäude, das sich im Eigentum der Gemeinde befindet, seit 2013 als Clubhaus angemietet. Der Vertrag beinhaltete auch die Verpflichtung, die Wirtschaft an den Freitag- und Samstagabenden für die Allgemeinheit zu öffnen. Zudem konnten die Räumlichkeiten für Veranstaltungen angemietet werden. Dieses Modell lief problemlos, bis Sondereinsatzkräfte der Polizei am 11. April 2016 frühmorgens den Löwen im Zuge einer Drogenrazzia durchsuchten. Gefunden wurde dabei nichts.

Jedoch wurde der Vize-Präsident des Motorradclubs festgenommen. Er soll in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein. Er sowie ein weiteres Mitglied wurden im Zuge der Razzia in Memmingen von Spezialeinsatzkräften der Polizei festgenommen. Dabei wurden laut damaligen Auskünften der Staatsanwaltschaft mehrere hundert Gramm Kokain sowie mehrere Tausend Euro Drogengeld sichergestellt. Beide Männer kamen in Untersuchungshaft.

Die Black Rider reagierten damals schnell, schlossen die beiden aus dem Club aus und enthoben sie aller Ämter.

Zeitgleich zur Festnahmeaktion sowie in den Folgewochen wurden jedem Clubmitglied Hausdurchsuchungen sowie Haarprobenanalysen zur Ermittlung eventuellen Drogenkonsums durchgeführt. Bei einem der Männer wurden nach Polizeiangaben geringe Mengen Betäubungsmittel, verbotene Gegenstände nach dem Waffengesetz sowie eine illegale Schusswaffe sichergestellt. (Angeblich soll es sich bei den Waffen um Familienerbstücke handeln, die in der Wohnung nur zu Dekorationszwecken gedient haben sollen. Den rechtlich vorgeschriebenen Waffenschein wies der Besitzer nicht auf.)

Bei der Gemeinderatssitzung am 26. April hatten die neuen Vorsitzenden der Black Rider die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Das Gremium beschloss damals mit knapper Mehrheit, den Mietvertrag zum 31. Dezember zu kündigen, mit der Option, dass, wenn entlastendes Beweismaterial vorläge, über eine Verlängerung des Mietverhältnisses entschieden werden könne. Es müsse geprüft werden, ob der Club als Ganzes in die Vorfälle verstrickt gewesen sei oder nur Einzelpersonen. In diesem Zusammenhang fiel auch das Wort „Sippenhaft“.

Zurück zum heutigen Stand der Dinge: Auf Antrag eines Gemeindebürgers wurde das Thema nun erneut im Gemeinderat behandelt. Dabei teilte Berthold Ziegler mit, von den Ermittlungsverfahren, die gegen die verbliebenen 14 Clubmitglieder eingeleitet worden waren, seien acht bereits von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Bis heute sei niemand verurteilt worden. Der Vorsitzende Oliver Tomski habe dem Gremium angeboten, Akteneinsicht in die abgeschlossenen Fälle zu nehmen. Dies sei jedoch „so kurzfristig nicht mehr möglich gewesen“. Er verlas ein Schreiben, in dem die Black Rider äußerten, sie hätten den Löwen aus ihrer Sicht zur vollsten Zufriedenheit aller geführt. In ehrenamtlicher Arbeit seien Küche, Theke und WC renoviert worden, sowie der Biergarten in Schuss gebracht worden. Ihre Aktivitäten fürs Gemeindeleben seien von Jahr zu Jahr mehr geworden und umfassten beliebte Grillabende, Halloweenparties, „Geburtstage vom 18. bis 65“, großes Engagement beim Nikolausmarkt (in diesem Jahr hatte der Club seine Mithilfe aufgrund der aktuellen Entwicklungen sehr kurzfristig abgesagt), Spenden an den örtlichen Kindergarten und vieles mehr.

Rathauschef Ziegler ergänzte, der in einem Artikel der Lokalzeitung vom 13.12. erweckte Anschein, dass im Löwen Waffen und Drogen gefunden worden seien, entspreche „definitiv“ nicht der Wahrheit. Auch die Aussage, die Staatsanwaltschaft gehe von kriminellen Strukturen aus, widerspräche anderslautenden Auskünften der Polizei. Der MC Black Rider sei kein Motorradclub im Sinne der Hells Angels o.ä., sondern „einfach eine Truppe von Hobbybikern, die normalen Berufen“ nachgingen und zum Teil in der Gemeinde wohnhaft seien. Er mahnte, „es ist nicht legitim aufgrund vom Gerüchten Entscheidungen zu fällen“ und alle Mitglieder für das Handeln Einzelner zur Verantwortung zu ziehen. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde habe bislang keine Untersagung der gaststättenrechtlichen Genehmigung erteilt.

Ziegler stellte in den Raum: „Stellen Sie sich nur mal den Fall vor, bei der Landjugend oder der Musik wären einzelne Mitglieder, die Drogen konsumieren. Was dann?“ Zudem habe er Sorge, was mit dem Gebäude des Gasthauses passiere. Derzeit gebe es niemanden, der die Bewirtschaftung übernehmen wolle. Bei einem Leerstand sei Vandalismus zu befürchten. Ziegler Beschlussvorschlag lautete, den Kündigungsbeschluss vom 26.4. aufzuheben und dem Motoradclub das Gebäude weiterhin zur Verfügung zu stellen, bis Akteneinsicht erfolgt sei. Sollte bei einem der sechs Mitglieder, deren Verfahren noch läuft, herauskommen, dass er „Dreck am Stecken“ habe, sei eine fristlose Kündigung nach wie vor problemlos möglich. Nach kontroverser Diskussion stimmten die Gemeinderatsmitglieder mit 11:5 gegen diesen Vorschlag. Somit müssen die Black Rider den Löwen räumen.

Nach Ende des öffentlichen Sitzungsteiles gab es viele lange Gesichter unter den Zuschauern und viel aufmunterndes Schulterklopfen für die Biker. Oliver Tomski und der Vizepräsident der Black Rider, Maximilian Mayer, sagten auf Nachfrage des Kreisboten, sie seien enttäuscht, müssen die Entscheidung aber hinnehmen. Er habe in den letzten Monaten immer wieder Gespräche mit dem Bürgermeister geführt, so Tomski. Von den Gemeinderäten sei indes niemand jemand auf ihn zugekommen.

Am Tag nach der Sitzung bat der Kreisbote Berthold Ziegler um eine Stellungnahme. Er fände die Entscheidung schade, so der Rathauschef, zumal die Black Rider in den letzten Jahren viel für die Dorfgemeinschaft getan, das Gebäude sehr sauber und ordentlich geführt hätten und bei einem großen Teil der Bevölkerung sehr gut angekommen seien. Hier habe eine „gewisse Art von Vorverurteilung“ stattgefunden, formulierte er vorsichtig. Für die weitere Nutzung des bald leerstehenden Gebäudes können die Bürger bis zum 24. Januar 2017 formlos Ideen und Vorschläge einreichen. Diese werden im Gemeinderat und danach am 31. Januar in einer Bürgerversammlung zu dem Thema vorgestellt und diskutiert. Zum jetzigen Zeitpunkt sei die favorisierte Lösung, das Rathaus in den Löwen zu verlagern.

Sabine Stodal

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