Wo die Blechtrommel schlug

Im Adler in Großholzleute hat 1958 die endgültige Karriere des Schriftstellers Günter Grass begonnen. Vor den Mitgliedern der Gruppe 47 las er damals aus dem Manuskript der „Blechtrommel“. Das war eine Art von Literatur, wie sie zu diesem Zeitpunkt der Öffentlichkeit noch nicht bekannt war und die bei der Elite der Nachkriegsliteraten echte Begeisterung hervorrief. Das Forum Allmende, ein Kreis von Förderern von Literatur, hat jetzt seine Mitgliederversammlung in Ravensburg abgehalten und sich als besonderen Höhepunkt eine Fahrt nach Großholzleute ausgedacht. Als begleitendes Kulturprogramm mit Hilfe von Peter Hamm wollten sie alte Zeiten in die Erinnerung zurück holen und wandelten auf den Spuren des Nobelpreisträgers.

Was war denn nun die Fahrt vom Forum Allmende an diese fast heilige Stätte Deutscher Literatur? Eine Wallfahrt? Es mag eventuell so geplant worden sein. Als die Reisegesellschaft im Adler eintraf und mit dem Zeitzeugen, Schriftsteller und Literaturkritiker Peter Hamm in der Gerichtslaube in der ersten Etage des Gasthauses in Großholzleute zusammen saß, wandelte sich das Bild ein wenig. Zusammen mit Dr. Franz Schwarzbauer und dem ersten Vorsitzenden des Forum Allmende, Manfred Bosch, saß Peter Hamm im dämmrigen Licht an seinem Tisch. Er beantwortete die Fragen, die ihm gestellt wurden und berichtete erst einmal über die Gruppe 47. „Ich hatte mit neunzehn Jahren dort die erste Lesung und war zwei bis drei Jahre dabei, als ich Günter Grass zum ersten Mal traf.“ Wolfgang Weihrauch habe ihm die Einladung verschafft, indem er Hans-Werner Richter auf ihn aufmerksam machte. Man dürfe sich, so Hamm, die Gruppe 47 nicht als homogene Einheit vorstellen. Dazu seien die Charaktere der Schriftsteller, die dort sporadisch zusammen kamen, viel zu unterschiedlich gewesen. Erlebbare Geschichte Peter Hamm war seinerzeit beim Neske-Verlag in Pfullendorf und dort war auch das Manuskript der Blechtrommel gelandet. Die erste Auflage veröffentlichte jedoch der Luchterhand Verlag. „Bei Luchterhand war auch der erste Lyrikband von Günter Grass herausgekommen und in dem Vertrag war die Klausel, dass Grass sein nächstes Manuskript dort vorzustellen hatte“, ließ Hamm durchblicken. So nahm der Siegeszug des Malers und Schriftstellers Grass seinen Laut. Die Gruppe 47 existierte noch bis 1968 und die Schriftsteller gingen ihren Weg – zum Lyriker, Prosadichter, Lektor, Literaturkritiker oder Nobelpreisträger. Peter Hamm erlebte im Adler dann noch eine kleine Überraschung. Günter Herburger, Schriftsteller und Noch-Isnyer, hatte sich unauffällig dazu gesetzt und trug ebenfalls zum Bild von Gruppe 47 bei. Hamms Berichte hatten an diesem Abend zu der Überzeugung beigetragen, dass Geschichte erlebbar sein kann.

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