Nur wenige zu schnell

"Deutlich verhaltener"

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Einer sichert, der andere kontrolliert die Papiere: Beamte der Verkehrspolizeiinspektion überprüfen am Donnerstag einen Temposünder.

Kempten – Ein bisschen schmunzeln muss Susanne Haggenmüller dann doch: „Es war einfach Kopflosigkeit”, so die Heilpraktikerin aus Kempten. Noch beim Auffahren auf die Kaufbeurer Straße habe sie daran gedacht, dass heute überall massiv geblitzt wird.

Dann erwischte sie es doch: Mit elf km/h zu viel fuhr sie in die Kontrolle. Typisch für viele Autofahrer an diesem Donnerstag. „Viele merken gar nicht, dass sie zu schnell sind”, sagt Polizeihauptkommissar Roland Schmölz, der den „Blitzmarathon” in der Kaufbeurer Straße leitet.

Mit einem achtköpfigen Team, zwei Polizeifahrzeugen und einem alten grauen Opel Astra, in dem das Blitzgerät versteckt ist, legte sich Schmölz am Donnerstagmittag in der vielbefahrenen Straße in Richtung Berliner Platz „auf die Lauer” nach Verkehrssündern. „Wir wollen Aufmerksamkeit auf die Einhaltung der Tempolimits lenken”, erklärt Schmölz seinen Auftrag und den Sinn der Aktion. Doch von den Temposündern gibt es am Donnerstag auffällig wenige, schließlich sind die Tempokontrollen vorher überall angekündigt worden. Bis etwa 14 Uhr müssen die Polizisten daher lediglich neun Autofahrer wegen Tempoverstößen in die Haltebucht rauswinken.

Mit 81 km/h geblitzt

Die meisten von ihnen kommen so wie Susanne Haggenmüller mit einem geringen Bußgeld von 15 Euro und einer freundlichen Ermahnung durch die Polizisten davon. „Die meisten sehen die Verstöße ein”, berichtet Schmölz. In Ausreden würden sich die wenigsten flüchten. Deutlich teurer als 15 Euro wird es dagegen für eine Ostallgäuerin, die in ihrem Mini mit 81 km/h Richtung Berliner Platz donnert – drei km/h schneller, und ihr Führerschein wäre erst einmal weg gewesen, erklärt Polizeihauptkommissar Schmölz. Doch auch so wird es für die Frau unangenehm. Sie erwartet ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro sowie drei Punkte in Flensburg. Dazu kommen noch die Bearbeitungsgebühren.

Marathon wird verlängert

Fahrerinnen wie sie sind an diesem „Blitzmarathon-Tag” in Kempten aber im weiteren Verlauf der Aktion zumindest in der Kaufbeurer Straße die Ausnahme. Bereits morgens auf dem Weg zur Arbeit sei ihm aufgefallen, dass die Leute „heute deutlich verhaltener” unterwegs sind, schmunzelt Schmölz. „Es bringt also schon etwas.” Aber ist das, wenn der bundesweite „Blitzmarathon” vorbei ist, auch noch so? „Ob es Langzeitwirkung zeigt, wird sich zeigen”, sagt Schmölz. Zweifel sind zumindest bei einigen Verkehrsteilnehmern angebracht. So habe die Verkehrspolizei im Juli einen Autofahrer auf der B12 mit 244 km/h gemessen, erzählt Schmölz. Neulich wurde der selbe Fahrer dann auf der B12 erneut erwischt – diesmal mit über 150 Sachen.

Unabhängig von der öffentlichkeitswirksamen Aktion vom Donnerstag auf Freitag ist die Verkehrspolizei Kempten täglich unterwegs, um den Verkehr zu überwachen. „Unsere Geräte sind sowieso jeden Tag im Einsatz”, betont der Polizeihauptkommissar. Und zumindest bis nächsten Donnerstag, 24 Uhr, sogar verstärkt. Bis dahin hat Innenminister Joachim Herrmann den „Blitzmarathon” in Bayern und damit auch in Kempten verlängert. Dann aber ohne vorherige Ankündigung der Radarfallen-Standorte.

Und Susanne Haggenmüller? Die will künftig besser aufpassen, wie sie schmunzelnd ankündigte.

Matthias Matz

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