Wenn Hass, Gewalt und Nationalismus aufeinander treffen

Dokumentarfilm klärt auf

Kempten – Der Arbeitskreis Politik der Hochschule Kempten, die Ökumenische Hochschulgemeinde und das Anti-rassistische Jugendbüro zeigten zum Auftakt der Ausstellung „Opfer Rechter Gewalt“ den Dokumentarfilm „Blut muss fließen“.

In der Gedenkausstellung „Opfer Rechter Gewalt“ widmet sich die Grafikerin Rebecca Forner den 184 Menschen die in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren durch rechte Gewalttäter ermordet wurden. Wer den Opfern gedenkt, muss sich aber zwangsläufig die Frage stellen, wie es zu diesen Gewalttaten kommen konnte. Eine von vielen Antworten ergibt sich aus dem Buch des Journalisten Thomas Kuban „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ und dem gleichnamigen Film von Peter Ohlendorf.

„Blut muss fließen“ – nicht nur der Titel, auch die Inhalte dieses Films tragen eher dazu bei, dass das eigene Blut einen anderen Zustand als flüssig einnimmt, es droht zu erstarren. Thomas Kuban, das ist ein Journalist, dessen Namen in Wirklichkeit ein anderer ist, der in Wirklichkeit anders aussieht, der in Wirklichkeit anders spricht. Warum dieses Schauspiel notwendig ist? Weil Neonazis und ihre Anhänger Recherche-Gruppen gegründet haben, um Thomas Kuban zu enttarnen und zu... Das Ziel der Neonazis ergibt sich aus den Filmdokumenten zu „Blut muss fließen“.

Über 100 Zuschauer waren in den Vortragssaal der Hochschule gekommen, um einen Einblick in die Rechts-Rock- und Neonazi-Szene zu bekommen, ermöglicht durch das Filmprojekt Kubans. Mit szenetypischer Bomberjacke und Springerstiefeln hatte er sich dafür auf eine Reise zu den Treffpunkten von Neonazis und deren Anhänger gemacht: Er besuchte Rechtsrock-Konzerte, unter anderem in Wurzen (Sachsen), Mitterskirchen (Niederbayern), Mitterding (Österreich), Brig (Schweiz) und wurde Zeuge vom Auftritt von Bands die Namen tragen wie „Feldherren“, „Freikorps“ oder „Kraft durch Freude“. Mit versteckter Kamera filmte er Musiker, die sich selbst als „Terroristen mit E-Gitarren“ vorstellten. Schaurige, eindeutig der rechten Szene zuzuordnende Texte grölten diese ekstatisch-aggressiv auftretenden Bands zusammen mit ihren angetrunkenen und tätowierten Fans bei einschlägigem Gruß. Als Kuban 2007 den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein mit diesen Erkenntnissen konfrontierte, bekam er als Antwort „Dann stellen Sie doch Strafantrag (...)“. Als positives Beispiel wurde im Film die Polizei in Berlin präsentiert: Schulungen der Polizeibeamten zu Rechtsrock und Neonazis und ein hoher Fahndungsdruck machen die Bundeshauptstadt für die Organisatoren von Rechtsrock-Konzerten uninteressant.

Um die Neonazi-Szene im Allgäu ging es in der anschließenden Diskussionsrunde. Bekannt seien hier die schwabenweit operierende Gruppierung „Legion Werwolf“, der „Buchdienst der Artgemeinschaft“ aus Kempten und die Band „Faustrecht Allgäu“, die 1994 als Hausband der ab 1996 verbotenen Organisation „Skinheads Allgäu“ gegründet wurde. Die am 2. Mai in der Kemptener Big Box auftretende Südtiroler Band Frei.Wild stufte Ohlendorf als „jugendliche Begleitmusik zur AfD“ ein. Ob die Band als Rechts-Rock-Band gesehen werden könne, werde seit Jahren diskutiert. Tatsache sei jedoch, dass Frei.Wild gewaltverherrlichendes Gedankengut verbreite. 

Auf die Frage, wie es im Anschluss an diese Filmreportage weitergehen könne, antwortete Ohlendorf, dass an zahlreichen Schulen das Projekt „Schule gegen Rassismus“ initiiert und die Themen Rechts-Rock und Neonazis im Sozialkundeunterricht aufgegriffen worden seien.

Von Michael Schropp

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