Lebensraum Boden wiederbeleben

Ein Fonds für die Bodenfruchtbarkeit

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Mathias Forster setzt sich im von ihm mitbegründeten Projekt Bodenfruchtsbarkeitsfonds für eine intakte Umwelt ein.

Kempten – Er will nicht nur Reden, sondern Handeln – Mathias Forster, Geschäftsführer und Stiftungsrat der Bio-Stiftung Schweiz, stieß auf reges Interesse bei rund 25 vorwiegend Bio-Landwirten, als er in Kempten das Projekt Bodenfruchtbarkeitsfonds vorstellte,

bei dem der Mitinitiator auch den Vorsitz inne hat.

Mit dem zunächst auf drei Jahre angelegten Pilotprojekt soll die Zivilgesellschaft für das Thema Boden und Bodenfruchtbarkeit interessiert werden, mit den Interaktionen des Bodens mit Lebenssphären von Insekten, Vögeln und anderen Tierarten und dafür, wie empfindlich der Boden auf unsachgemäße Bearbeitung reagiert.

In der Bodenseeregion sind inzwischen 32 deutsche, österreichische und Schweizer wie Liechtensteiner Biohöfe unterschiedlicher Anbauvereine mit insgesamt 1000 Hektar bearbeiteter Fläche eine Kooperation mit dem Bodenfruchtbarkeitsfonds eingegangen. Sie erhalten finanzielle Unterstützung und Fachberatung aus dem Fonds, um sich Maßnahmen für eine gezielte Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit auf bestehenden Landwirtschaftsflächen „leisten“ zu können.

Denn über das bedenkliche Ausmaß der Umweltzerstörung werde, so Forster, „ nur in Expertenkreisen gesprochen“. Wenn man aber die Kulturentwicklung der letzten 3000 Jahre nicht berücksichtige, „wird man auch die Zukunft nicht nachhaltig gestalten können“, ist Forster überzeugt. Und so holte er aus, beginnend mit dem persischen Priester Zarathustra, der den „Agrikulturimpuls zu den Menschen gebracht hat“ als eine „Heilige Sache“, über den Verlust des „weiblich göttlichen Prinzips“, wie es unter anderem die griechische Göttin Demeter verkörpert habe, durch das Erstarken des männlichen Prinzips in „quasi allen Kulturen“. 

So habe sich das „anthropozentrische Weltbild entwickelt“ in dem der Mensch im Zentrum stehe und der „Siegeszug der Naturwissenschaften“ begonnen, unter anderem einhergehend mit der Industrialisierung, durch die den Menschen auch in der Landwirtschaft Arbeit durch Maschinen abgenommen worden sei. Die Folge, „es musste alles geometrisch sein“, um besser durchfahren zu können, dazu sei die Agrochemie gekommen, „die seither die Pflanzen und den Boden vergiftet“.

„Alles was vorher zu einer Seins-Sphäre gehörte, ist heute ein Ding“, und nicht nur die Bauern hätten mehr und mehr den Bezug zur lebenden Natur verloren, wenn sie zwei bis drei Meter über dem Boden in ihren Touchscreen gesteuerten Traktoren über die Felder brausten. „Auch bei den Konsumenten ging das Bewusstsein verloren, dass gesunde Lebensmittel von einem gesunden Boden kommen.“

Problematisch sei unter anderem der Einsatz schwerer Maschinen, wodurch der Boden verdichtet und eine tiefe Durchwurzelung schwierig bis unmöglich werde, Monokulturen sowie der Einsatz chemischer Stoffe. Verdichtung und Bodenversiegelung habe bereits zum Verlust von rund 50 Prozent des Humusgehalts geführt, der aber aufgrund seiner unter anderem Wasserrückhaltekapazitäten wichtig gegen Phänomene wie Erosion und Überschwemmung sei sowie viele weitere positive Einflüsse auf die Natur habe. Die Politik richte den Fokus nur auf den CO2-Abbau. „Aber der Knackpunkt ist der Humusaufbau“, der für eine fünf Zentimeter dicke Schicht rund 750 Jahre benötige.

Hier aber setzt der Bodenfruchtbarkeitsfonds an. Durch seine Unterstützung soll den Betrieben genug Freiraum geschaffen werden, um sich intensiver um die Bodenfruchtbarkeit zu kümmern und weniger Kompromisse machen zu müssen, um zu überleben. Denn aus Sicht der Initiatoren tut Bio den Böden zwar gut, „reicht aber in der jetzigen Form unter Druck preisorientierter Marktsituationen nicht aus, um die Fruchtbarkeit nicht nur zu erhalten, sondern auch aufzubauen“. 

Die 32 Betriebe des Pilotprojekts müssen vor Beginn mit Experten einen Maßnahmenplan erarbeiten und am Ende des Jahres Rechenschaft über die Verwendung der Mittel (zwischen 6000 und 12.000 Euro pro Betrieb und Jahr) und der durchgeführten Maßnahmen ablegen. Die Entwicklung der Böden wird über ein begleitendes Forschungsprojekt dokumentiert. Darüberhinaus sind diverse Aktivitäten, wie ein Hoftag, geplant, die Landwirte und Bevölkerung einander näher bringen sollen.

Die Finanzierung steht laut Forster soweit, dass mit der Projektphase begonnen werden könne. So seien bereits einige Firmen und Privatpersonen als Projektpartner gewonnen worden. Weitere Finanzierungsstandbeine sind Unternehmenspatenschaften mit denen diese ihre CO2-Bilanzen ausgleichen können, die durch Humusaufbau und damit verbunden zusätzlicher Bindung von Kohlendioxid erreicht wird. Und auch Bodenpatenschaften von Privatpersonen können mit einem Jahresbeitrag von 100 Euro übernommen werden.

Weitere Infos unter: www.bodenfruchtbarkeit.bio sowie www.bio-stiftung.ch

Christine Tröger

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