Umstrittene Entscheidung

Börwanger Baugebiet bietet Zündstoff – Bürgerbegehren kommt

Fleschützer- und Leonhardstraße in Börwang Haldenwang
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Der Verkehr des Neubaugebietes soll über die schmale Fleschützer- und Leonhardstraße abfließen. Einige Gemeinderäte und Anwohner haben Bedenken gegen diese Lösung.

Haldenwang – Der Haldenwanger Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einen weiteren Schritt hin zur Verwirklichung des neuen Baugebiets „Beim Mühlenbauer“ in Börwang getan.

Das Gremium entschied sich für einen von zwei Planungsentwürfen, welcher nun weiterentwickelt werden soll. Die Bürgerinitiative „Rettet die Mühle Hopsassa“ bereitet ein Bürgerbegehren zu dem Thema vor.

Hintergrund: Der Gemeinderat beschloss im November 2019, am südlichen Ortsrand von Börwang ein neues Baugebiet auszuweisen. Zuletzt waren noch zwei Planungsentwürfe im Rennen (wir berichteten). Wie Bürgermeister Josef Wölfle sagte, wurden diese in einer nicht-öffentlichen Sitzung zusammen mit dem Erschließungsplaner sowie im Beisein einiger Mitglieder der Bürgerinitiative ausführlich auf ihre jeweiligen Vor- und Nachteile hin analysiert und beraten.

Wesentliche Diskussionspunkte seien dabei die Verkehrsanbindung durch einen Wendehammer, der Erhalt des Rodelbuckels „Mühle Hopsassa“ sowie die Anordnung und die Zuschnitte der Baugrundstücke gewesen. „Es macht keinen Sinn, die Diskussion jetzt noch einmal zu wiederholen“, so der Rathauschef bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 9. Februar. Die Räte hätten genug Zeit gehabt, das Thema zu überdenken, darum könne nun schnell entschieden werden. Zwölf Gemeinderäte stimmten für die Entwürfe des Kemptener Architekten Wilhelm Müller, vier dagegen. Der alternative Vorschlag des Büros Sieber Consult aus Lindau wurde von allen 16 Anwesenden abgelehnt.

Bedenken der Gemeinderäte

Die Grünen-Fraktion, bestehend aus Manfred Gabler, Birgit Prestel und Monika Schneid, sowie Brigitte Schmid-Brunk von den Freien Wählern votierten gegen beide Pläne. Die Vier hatten ein kritisches Schreiben vorbereitet, dessen Inhalt sie ursprünglich hatten vortragen wollen. Allerdings meldete sich keiner von ihnen vor der Abstimmung damit zu Wort. „Wir waren schlichtweg zu überrascht, als es hieß, dass es heute gar keine Diskussion mehr geben sollte“, zeigte sich Manfred Gabler im Anschluss an die Sitzung irritiert.

In dem Papier monieren die vier Unterzeichner das Fehlen alternativer Lösungen „zu den wesentlichen Fragestellungen bezüglich des Baugebietes“. Sie werfen etwa die Frage auf, ob die geplanten 35 Einfamilienhäuser angesichts der großen Nachfrage ausreichend seien oder ob es nicht bedarfsgerechter wäre, stattdessen 25 Einfamilienhäuser und drei bis fünf kleine Mehrfamilienhäusern einzuplanen. Das aktuelle, „einseitige Konzept“ stelle „eine Verschwendung von wertvollem Bauland“ dar. Überdies werde wertvoller Naturraum für Straßen und Häuser versiegelt, ohne ökologischen Ausgleich – und das in Zeiten, in denen die Wichtigkeit des Erhalts von Biodiversität und Artenvielfalt hinlänglich bekannt seien.

Keiner der Planungsentwürfe berücksichtige die vorhandene vernässte Fläche am östlichen Rand des Baugebietes, „die mit erheblichem finanziellen Aufwand trockengelegt werden“ müsste, obwohl sie sich geradezu für eine blütenreiche Wiese mit offenem Wasserlauf anbiete. Die Unterzeichner seien grundsätzlich für das Baugebiet, weil viele junge Familien Wohnraum suchten. Sie stellten sich aber gegen die Planungsentwürfe, „weil wir als Gemeinde/Gemeinderat das aus obigen Gründen deutlich besser machen könnten“.

Auch Gemeinderatsmitglied Christian Holl (Freie Wähler), der aus beruflichen Gründen nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, hatte in einer schriftlichen Stellungnahme, die im Vorfeld allen Ratsmitgliedern zugegangen war, massive Bedenken geäußert. Er sei dafür, ein Baugebiet für junge Familien auszuweisen, allerdings fehle ihm „das Gesamtkonzept für den Weg der Gemeinde zum Thema Wohnen und Leben in Haldenwang“.

Überdies trügen die Pläne den örtlichen Gegebenheiten nicht ausreichend Rechnung. So hätten sechs der geplanten Baugrundstücke bekanntermaßen einen extrem schwierigen Baugrund, welcher für die betroffenen Häuslebauer zu Mehrkosten im mittleren fünfstelligen Bereich führen werde.

Auch die Verkehrsthematik werfe Fragen auf. „Wohin mit den Autos, die nicht auf den Grundstücken stehen werden; wohin mit dem Schnee?“ Die Anbindung des Verkehrs an das bestehende Straßennetz über die Fleschützer-, Leonhard- und Bergstraße sei für die Anzahl von 35 Grundstücken „nicht akzeptabel“ und werde „massiven Ärger“ geben. Holls letzter Punkt: „Wir nennen uns Öko-, Energiespar- und Fair-Trade-Gemeinde und planen, feuchte Flächen zu bebauen; dafür sollten wir uns eigentlich schämen!“ Das Schreiben wurde in der Sitzung nicht erwähnt.

Die Aufregung, die in den Tagen nach der Sitzung im Ort herrschte, kann Bürgermeister Wölfle nicht nachvollziehen.

Im Gespräch mit dem Kreisbote sagte er, alle Seiten seien gehört und das Thema eingehend diskutiert worden. Im aktuellen Gemeindeblatt ist zu lesen: „Der Plan wird dann nochmal im Gemeinderat beraten, gegebenenfalls nochmals geändert und es werden in dem Verfahren die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange beteiligt, um formell ihre Stellungnahmen bzw. Einwendungen vorbringen zu können.“

Die Bürgerinitiative „Rettet die Mühle Hopsassa“ bereitet derweil ein Bürgerbegehren vor. Ihr Wunsch: Die Bevölkerung soll mitentscheiden, ob und wie es mit dem Baugebiet weitergeht.

Sabine Stodal

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