Gelassenheit statt Aktionismus

Die CSU Buchenberg eröffnet das neue Jahr mit Landrat Anton Klotz

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Der Ortsvorsitzende der CSU Buchenberg, Alexander Mair (r.) sowie sein Stellvertreter und Bürgermeister Toni Barth (l.) eröffneten das neue Jahr mit Landrat Anton Klotz (M.).
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Buchenberg – „Uns geht es gut“, zitierte Landrat Anton Klotz die Worte von Markus Söder in seiner Rede beim Neujahrsempfang der CSU Buchenberg. „Seit 75 Jahre leben wir in Frieden, mit nahezu einer Vollbeschäftigung und ja – natürlich gibt es hie und da ein paar Stolperer“, gibt er zu Bedenken.

Diesen einführenden Worten des Oberallgäuer Landrats folgten am vergangen Dienstag an die 70 CSUler beim Neujahrsempfang der CSU Buchenberg im Pfarrsaal. Nach Begrüßung durch CSU-Ortsvorsitzenden Alexander Mair folgte ein kurzer Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr 2019. So erstrahle die Buchenberger Ortsmitte mit einem zentralen Dorfcafé in neuem Glanz, der Bau der neuen Siedlung sei bis auf eine paar wenige Baustellen abgeschlossen und die Ausweitung des Mobilfunks hätte man vorangetrieben, um zukunftsfähig zu bleiben. Trotzdem gebe es noch viel zu tun, denn die Nachfrage nach Bauland sei in Buchenberg ungebrochen hoch und auch die Kinderbetreuung ein wichtiges Thema. Auch global gesehen gebe es viel zu tun. 

In diesem Sinne eröffnete auch Buchenbergs Bürgermeister Toni Barth seine Rede, schließlich habe er bereits vor sechs Jahren Themen wie Trump und Syrien auf seiner Agenda gehabt. Auch für ihn gibt es in den nächsten Jahren viel zu tun, allen voran der Klimaschutz. Doch von einem „plötzlichen Aktionismus“, der Landwirte und auch Berufspendler im Regen stehen lasse, hält Barth nicht viel. Das 100-Euro-Ticket sei für ihn dabei wegweisend. Außerdem erschrecke ihn die zunehmende Radikalisierung und erzählt von einem Bürgermeister im Rheinland, der im Amt künftig eine Waffe tragen wolle. Inzwischen sei auch der Ton in den Gremien viel rauer geworden, gibt Barth zu bedenken. Doch insgesamt sei das Jahr 2019 ein sehr gutes Jahr gewesen, sprach er ebenfalls die neue Ortsmitte und die damit verbundenen lobenden Worte der Bevölkerung an. Er will, so verspricht er, Gas geben, sobald das Geld es zulasse. „Soweit glänzt alles“, führte Landrat Klotz weiter an, kritisierte aber die zunehmend wachsende egomane Gesellschaft, die immer mehr „Ichlinge“ hervorbringe. 

Klotz spricht von einer „Betroffenheitsdemokratie“, in der die Menschen erst aktiv werden, wenn sie selbst betroffen sind, stellte er schnelle Unterschriftenaktionen in Frage. Zu seiner Zeit „mit Tatzen und Watsch‘n“ sei alles noch anders gewesen. Auch er habe damals in der Schule Tatz‘n bekommen, allerdings wisse seine inzwischen 90-jährige Lehrerin nichts mehr davon. Doch so müsse er, nach Ansicht seiner Lehrerin auch zugeben, „es habe ihm nicht geschadet“. So ist die Akzeptanz einer Ratsentscheidung für Klotz ein wichtiges Kriterium in einer Demokratie. Doch der Egoismus in der Gesellschaft grassiere und das Bewusstsein, dass Dinge finanziert und gemeinsam gestemmt werden müssen, nehme ab. Trotzdem sollte man den Worten Kardinals Mayer folgen und „mit Gottvertrauen und Zuversicht in die Zukunft schreiten“. 

So sollen 2020 die Themen Bildung, Tourismus, Klimaschutz und der ÖPNV im Oberallgäu vorangetrieben werden. Auch dem Fachkräftemangel in sozialen Bereichen, in der Gastronomie und in der Dienstleistungsbranche wolle man durch entsprechende Ausbildung, auch der Migranten, begegnen. Vom „Schmarr‘n“ Overtourismus im Allgäu, „in einer von Gott gesegneten Landschaft“, will Klotz nichts hören. Punktuell gebe er zu, seien viele Touristen da, das Problem aber seien die Tagestouristen, die oftmals auch aus dem südlichen Oberallgäu ins beschaulich schöne Kempten reisten, um sich die Stadt anzuschauen. Und da dadurch auch Kempten von den Touristen profitiere, verstehe er nicht, warum sich die Stadt gegen das 100-Euro-Ticket und gegen die Einbeziehung der Bahn sträube. Dass sein entschiedenes Vorgehen, ein 100-Euro-Ticket für den ÖPNV einzuführen, bei den Städtern fast schon einen „Tsunami“ ausgelöst habe, versteht Klotz immer noch nicht. Denn die große Herausforderung der nächsten Jahre ist auch für ihn der Klimaschutz. 

„Wir müssen etwas tun“, lautet seine Devise. Allerdings stoße man dabei auch immer wieder auf Grenzen, gerade im Bereich der regenerativen Energien, als geradezu „heißes“ Thema in Buchenberg betitelt er die „Windräder“. Und neben all diesen Herausforderungen werde es 2020 auch wirtschaftlich enger für einige Märkte. Außerdem müsse man die sich ändernde Altersstruktur im Blick haben, so werde dieses Jahr ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept verabschiedet. 

Letztendlich stellte Klotz den versammelten Parteimitgliedern die Frage: „Schaffen wir das?“ Die Antwort darauf fand Klotz in Papst Franziskus‘ Worten „Der Mensch braucht Hoffnung…“ Er lobte er alle ehrenamtlich Tätigen, die in einer Gemeinschaft Sorge für ein soziales Leben tragen und dabei nicht nur Identitätsstiftend, sondern auch für Geborgenheit in einer Gemeinschaft sorgen. Mit guten Wünschen für das neue Jahr gab er den Rat zur Gelassenheit: „Lassen sie sich von nichts und niemandem ärgern...“ 


Tamara Lehmann

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