Lift-Rebellion im Kreuzthal

So kämpft Liftbesitzer Rudi Holzberger gegen das »Imperium«

Skifahrer stehen am Skilift Gohrersberg im Kreuzthal, im Hintergrund der Hang.
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Es könnte ein Wintermärchen sein, das Skifahren am Gohrersberg. Doch dieses  Bild ist Schnee von gestern. Das Virus und die Vorschriften sind dagegen.

Buchenberg/Kreuzthal – Es könnte ein Wintermärchen sein: Sonnenschein, Schnee satt und eine g’führige Piste.

Skifahrers Herz schlägt bis zum Hals, bei diesen Verhältnissen. Doch am Skilift Gohrersberg steht alles still. Die Bügel hängen schlaff über dem Hang, der Liftmotor surrt nicht. Nur der Liftboy wird laut. „Warum darf ich meine Anlage nicht laufen lassen?“, echauffiert sich Rudi Holzberger. Seit Wochen beschäftigt der Mann Gerichte, Behörden und Anwälte.

Sein Problem: Die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Sie verläuft hier entlang der Eschach genau zwischen seinem Schlepplift und dem dazugehörigen Parkplatz. Am Westufer dürfte Holzberger seinen Lift für private Zwecke vermieten und laufen lassen, am Ostufer dagegen heißt es: Nix geht mit Liftfahren! Der Lift steht im Osten. Die Baden-Württemberger klassifizieren Skilifte als Sportstätten, die Bayern definieren sie als Seilbahnen. Und die dürfen wegen Corona nicht in Betrieb gehen. „Es ist zum Haareraufen“, stöhnt Holzberger, der die Anlage als junger Mann mitaufgebaut und 2005 gekauft hat. Im „Schneeloch Kreuzthal“ hätte er heuer kräftig punkten können, mit ganz viel Naturschnee vom Feinsten, mit dem Retro-Charme seines Liftes, mit Familienfreundlichkeit und Glühmost am lifteigenen Kiosk. Mit einem Wintermärchen tief im Wald.

Das Virus und die bayerischen Vorschriften sind dagegen. Der einstige Skilehrer, Buchautor und Aktivist hat alles versucht. Vergeblich. Auch das zuständige Landratsamt in Sonthofen hat ihn abblitzen lassen und zur Kontrolle sogar die Polizei vorbeigeschickt. Holzberger blieb gelassen, eilte von Interview zu Interview und versorgte ganz Deutschland mit seiner Frust-Geschichte aus den Tiefen der Adelegg. „Nicht mal für mich allein darf ich den Lift laufen lassen“, klagt er. Und hat quasi als letztes Aufgebot einen Eilantrag ans Verwaltungsgericht Augsburg geschickt. Das soll dem Grenzgänger aus Oberschwaben doch noch den Liftbetrieb in Bayern ermöglichen. Das Gericht hat eine Stellungnahme des Landratsamtes angefordert, das kann dauern.

Rudi Holzberger blinzelt in die Sonne, die nach vielen dunklen Tagen endlich mal wieder scheint. „Leider haben wir jetzt immer weniger Schnee, aber ein Bissl was ginge immer.“ Unten am Skihang hat sich bereits ein kleiner Teich mit Schmelzwasser gebildet“, die Kinder könnten da beinahe Schifferlfahren“, lacht der Liftrebell aus Kreuzthal. Holzberger gibt nicht auf und möchte in Zukunft den Skilift am Gohrersberg stundenweise an Familien vermieten, exklusiv und virussicher. „Damit könnte ich das Geld reinbekommen“, hofft er, „das ich für den Kampf gegen das ‚Imperium’ benötige.“ Ein Mann und sein Lift – die Geschichte könnte noch ein Weilchen dauern...

Das BR-Magazin „Quer“ hat dazu einen Beitrag gedreht. Heute, am Donnerstag, 4. Februar, läuft das Filmchen um 20.15 Uhr im BR. Zu finden ist es auch in der BR-Mediathek.

Lutz Bäucker

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