Kultureller Austausch dank Dame, König, Springer & Co.

Chinesische Delegation zu Gast beim Schachclub Kempten

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„Wir hatten eine Menge Spaß und eine unvergessliche Zeit“, sagt Nicolas Lagassé. Der Ausgang des Freundschaftsturniers interessierte dabei nur am Rande. Er sei aber der Vollständigkeit halber erwähnt: Die Gäste schlugen die Mannschaft der Spieler aus Kempten, Dietmannsried und Buchenberg mit 10,5 zu 9,5.

Kempten – In der vergangenen Woche war eine Schachdelegation aus der chinesischen Millionenstadt Bengbu (rund 1000 km südlich von Peking) zu Gast in Kempten. Der Besuch fand im Rahmen des Schachkulturaustauschs der deutschen und chinesischen Schachjugend statt. Die fünf Mädchen und vier Jungen des Jihong Chess Club trafen sich mit Jugendlichen aus dem Kemptener, dem Dietmannsrieder und dem Buchenberger Schachclub zu einem Freundschaftsturnier in der Skylounge.

Die jungen Leute im Alter zwischen Alter zwölf und 24 Jahren waren gemeinsam mit zwei Trainern und zwei Müttern für zwölf Tage aus dem Reich der Mitte nach Europa gekommen. Im Lauf ihrer Reise besuchten sie Straßburg, Freiburg, München, Salzburg und Kempten, wobei sie jeweils Vergleichswettkämpfe mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen absolvierten. Einer der Trainer und zugleich Organisator des diesjährigen Austausches in Süddeutschland ist Nicolas Lagassé. 

Der 19-jährige Kemptener war bereits fünf Mal Allgäuer Schachmeister, ist zweifacher schwäbischer Meister im Schulschach und mehrfacher Teilnehmer an der Bayerischen Schachmeisterschaft. Seit drei Monaten ist er als Schachlehrer beim Jihong Chess Club in Bengbu engagiert. „Schach hat in China einen ganz anderen Stellenwert als bei uns“, wissen er und Rudolf Martin, der Vorsitzende des Kemptener Gastgebervereins. „Der Jihong Chess Club hat 700 Mitglieder“, so Martin. „Da können wir nicht mithalten – unser Schachclub 1878 Kempten e.V. hat nur 45 Mitglieder. Dafür sind wir einer der ältesten Schachclubs in Bayern.“ Neben Rudolf Martin begrüßte auch Kemptens Bürgermeister Josef Mayr die Delegation. In seiner Ansprache lobte dieser: „Nur ganz wenige können Schach so gut wie Sie, liebe Gäste.“ Bei dem „königlichen Spiel“ spiele Glück keine Rolle, vielmehr komme es ausschließlich auf das Können der Spieler an. 

Mayr führte die vielen positiven Effekte des Spiels auf: Wer Schach spiele, halte sich an feste Regeln und einen Ehrenkodex. Schach bedeute „hohe Konzentration, Aufmerksamkeit, Beharrlichkeit, einen respektvollen Umgang miteinander - trotz Gegnerschaft. Hier lernt man strategisches Denken, sich unter Zeitdruck zu konzentrieren, man trainiert das Gedächtnis und das räumliche Vorstellungsvermögen. Zudem bringt Schach Menschen zusammen, egal welchen Alters.“ Die jungen Leute lauschten höflich und geduldig den Worten, die für sie übersetzt wurden, ehe sie sich unaufgeregt in ihren Anoraks an die bereits aufgebauten Schachbretter setzten, um ihr Können mit dem ihrer deutschen Gegner zu messen. „Wir wollen zumindest Widerstand bieten“, so Rudolf Martins Hoffnung. 

Die Auswahl der Paarungen hatte Nicolas Lagassé getroffen. „Ich kenne alle Spieler beider Seiten persönlich und weiß, wer in etwa auf gleichem Niveau spielt.“ Bei der Auswahl der chinesischen Teilnehmer an dem Austauschprogramm habe er nicht nur auf deren spielerische Fähigkeiten geachtet, sondern auch auf ihre Offenheit im Umgang mit anderen Menschen. „Beim Schach selbst spielt Sprache ja keine Rolle“, aber schließlich gehe es bei dem Programm auch um den kulturellen und zwischenmenschlichen Austausch. „Nach dem Turnier unterhalten sich die Spieler dann mit Händen und Füßen. Das klappt immer ganz gut.“

Sabine Stodal

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