Bücher statt Historisches

Oft als Museum im Gespräch, tauchte das Beginenhaus im neuen Museumskonzept am Ende doch nirgends auf (siehe eigener Bericht Seite 5). Als großes Stadtmuseum sei es unter anderem wegen technischer und statischer Probleme, schlechter Anbindung an die touristischen Kernzonen und zu wenig Parkplätzen ungeeignet, wie Birgit Kata, Vorsitzende des Fördervereins Beginenhaus, auf der Jahreshauptversammlung erklärte. Dafür stellte sie einen brandneuen, vom Verein erarbeiteten Nutzungsplan für das Gebäudeensemble vor.

Ein „Haus der Buchkultur“ soll im Beginenhaus entstehen. Bei der Suche nach geeigneten Themenfeldern „fehlte meist der Bezug zum Haus“, bis man auf „Historische Buchkultur“ gestoßen sei, wie Kata erläuterte. Kempten besitze einen „historischen Schatz ersten Ranges“ in Form von 30000 an mehreren Standorten eingelagerten Büchern des 15. bis 19. Jahrhunderts, der „nicht zugänglich, nicht erschlossen, nicht genutzt ist“. Ebenso sollen die Themen Papierproduktion, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Reichsstadt vom 15. bis 19. Jahrhundert, und die wichtigen Kemptener Verlagshäuser des 19. und 20. Jahrhunderts im „Haus der Buchkultur“ Platz finden. „Das Haus deckt somit den Schnittpunkt zwischen Bibliothek und Archiv ab“, so Kata. Vorgesehen seien mehrere geeignete Magazine für die Bücher und ein Büro als Anlaufstelle für Besucher und die Erschließung des Buchbestandes. Letzterer soll zudem in einer Datenbank erfasst und weltweit verfügbar werden. Auch könnten Bestände wie die aus der Stiftsbibliothek, der Bibliothek der St. Mang-Kirche, dem Stadtarchiv und viele mehr virtuell zusammengeführt und genutzt werden. Selbst E-Books seien in Überlegung. Eigenes Antiquariat Die angedachten Räume: Ein Lesesaal ohne „Ausleihe“, nutzbar auch als Arbeitsraum für Geschichtswerkstätten, Museumspädagogik und ähnliches, ein Arbeitsraum mit PC-Anschluss für Gastwissenschaftler, eine Buchwerkstatt mit der bereits weitgehend vorhandenen maschinellen Ausstattung aus der aufgelösten Stadtdruckerei für Kurse rund um „Papier und Buch“ sowie ein Ausstellungssaal. Im Laden zur Burgstraße soll ein ehrenamtlich betriebenes Antiquariat entstehen. Vom alten, aus verschiednen Gründen entrümpelten Nutzungsplan übernommen werden Eingangsfoyer, Museum und Café im Nonnenturm sowie der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss. Statisch und bautechnisch lasse sich, so Kata, die neue Nutzung „denkmalschonend realisieren“. Mit Themenwochen, Workshops, Poetry Slams und mehr soll ein attraktives Veranstaltungsangebot entstehen. „Mit der Eröffnung der Erasmuskapelle werden hoffentlich mehr Leute in die Altstadt kommen“, so Katas Vision. Auf positive Resonanz stieß das Konzept nicht nur bei den Anwesenden. „Aktive Unterstützung“ sagte auch der Vorsitzende der Altstadtfreunde, Dietmar Markmiller, zu, denn „nach wie vor wird viel gelesen“. „Von der Grundidee angetan“ hätten sich laut Kata OB Dr. Ulrich Netzer, Baureferentin Monika Beltinger und Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber tags darauf gezeigt.

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