"Bürger engagieren sich für Bürger"

Im Juli werden es 13 Jahre, dass sich in Kempten „Bürger für Bürger“, wie Polizei-Oberrat Michael Keck es formulierte, ehrenamtlich in der Sicherheitswacht engagieren. Sie gehen zu zweit per Fuß oder Fahrrad auf Streife, um in erster Linie dem Vandalismus und der Straßenkriminalität entgegenzuwirken.

Es handle sich allerdings um „keine private Sicherheitsfirma“, betonte Karl-Heinz Schader, Polizei-Hauptkommissar und Ansprechpartner für die Sicherheitswacht. Vielmehr sollen sie die Polizei im öffentlichen Raum unterstützen. Dafür würden ihnen bestimmte Befugnisse eingeräumt, wie das – im übrigen Recht jeden Bürgers – Festhalten eines ertappten Täters bis zum Eintreffen der Polizei, aber auch der Umgang mit sensiblen Daten beim gegebenenfalls Feststellen der Personalien. Mit Hilfe der Sicherheitswacht sei auch in Kempten schon einiges aufgeklärt worden, listete Keck im Rahmen einer Presseeinladung Autoaufbrüche, Graffitysprayer und Drogendealer auf. „Die Statistik ist beeindruckend“, fügte er an. Ein wichtiges „Annahmekriterium“ für Bewerberinnen oder Bewerber „ist ein guter Leumund“, machte Schader die sorgfältige Auswahl der Interessenten deutlich. Dennoch würden, laut Keck, häufig auch Leute anfragen, die zuvor beispielsweise schon „gegen Datenschutzgesetze verstoßen haben oder wegen Körperverletzung auffällig geworden sind“. Dass diese Bewerber natürlich abgewiesen würden, sei klar. Wer angenommen wird, durchlaufe zunächst eine 40-stündige Ausbildung, mit mündlicher Prüfung am Ende. Bestandteile seien der Strafrechtskomplex, Waffenrecht, Festnahmerecht, die Organisation von Polizei und Staat mit Blick auf die Gewaltenteilung oder auch Polizei-Dienstkunde „wie man sich in bestimmten Situation verhält“ und das Thema Deeskalation, erklärte Schader. Das Grundgerüst werde dann durch „Learning by Doing“ (Lernen durch Praxis) ergänzt, wobei Neulinge erst mit Erfahrenen eingesetzt würden. Immer dabei: Pfefferspray und ein Funkgerät, über das die Streifen „in ständigem Kontakt mit der Polizei stehen“, erläuterte Keck. Neben der monatlichen Dienstbesprechung der Sicherheitswacht, nähmen die ehrenamtlichen Streifen am Einsatzabend auch an der Polizei-Besprechung teil, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Ständige Veränderungen „Spezielle Brennpunkte“ gebe es eigentlich aufgrund der ständigen Veränderungen nicht, erzählte Kurt Ludwig, der von Anfang an dabei ist. War die Etablierung einer ehrenamtlichen Sicherheitswacht anfangs auch umstritten, habe sich „der Ruf positiv entwickelt“, meinte er. Eher werde man „oft angesprochen, was man tut“, berichtete er, dass „erstaunlicherweise auch junge Leute es gut finden“. Elf Mitglieder, darunter vier Neuzugänge, zählt die Kemptener Sicherheitswacht aktuell. „Wir sind jetzt auf einem Stand, den wir schon lange nicht mehr gehabt haben“, freute sich Keck. In der Zeitung sei sie darauf gestoßen und habe sich daraufhin aus Interesse beworben, erklärte Neuzugang Konstanze Riedel. „Früher war ich als Berufssoldat für die äußere Sicherheit zuständig und jetzt eben für die Innere“, begründete Thomas Würzner, Mitarbeiter des KREISBOTEN, seinen ebenfalls noch jungen Eintritt in die Sicherheitswacht. Bald schon warten wieder größere Aufgaben auf die Gruppe: Das Public-Viewing der Fussball-Weltmeisterschaft in der bigBOX, und auch die Festwoche ist nicht mehr fern.

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