Bürger entscheiden

Sprechen sich die Bürger gegen das geplante Kulturzentrum aus, wird sich am Zustand der Industrieruine wohl erst einmal nichts ändern. cut

Kaum war im Stadtrat mit großer Mehrheit der Grundsatzbeschluss für ein Kulturzentrum in der alten Reich’schen Fabrik gefasst (siehe eigenen Bericht auf dieser Seite), da startete bereits ein Bürgerbegehren, um das Projekt zu Fall zu bringen. Unsere Redaktion fragte Bürgermeister Johann Zeh: Was ist, wenn bei einem eventuellen Bürgerentscheid das neue Kulturzentrum abgelehnt wird?

„Dann haben wir gar nichts. Dann bleibt auf viele Jahre die Fabrikruine bestehen. Denn es gibt kein anderes Nutzungskonzept“, erklärte das Lindenberger Stadtoberhaupt. Und da die Zuschüsse an ein schlüssiges Nutzungskonzept gekoppelt sind, stehe und falle die Sanierung des Gebäudes mit diesem jetzigen Vorhaben. Dabei macht das moderne Hutmuseum (2,55 Millionen Euro) an sich nur den kleineren Teil des gesamten Investionsvorhabens aus. Allein 6,5 Millionen Euro sind für die Gebäudesanierung aufzuwenden. Die Touristinfomation im Erdgeschoss, die Kleinkunstgastronomie im Kesselhaus und der Veranstaltungssaal im Dachgeschoss schlagen dabei lediglich durch Möblierung und Innenausstattung zu Buche. Denn wie gesagt: Die Gebäudesanierung müsste für das denkmalgeschützte Gebäude ja ohnehin geleistet werden. Und die wird, falls überhaupt in den nächsten zehn Jahren Nutzungen gefunden würden, wahrscheinlich über 6,5 Millionen Euro liegen, denn die jetzige Konzeption ist keine Luxussanierung, sondern plant Industrieambiente ein (beispielsweise Rohzustand von Fußböden). Fallen die Zuschüsse aber weg, dann müsse die Stadt Lindenberg die Gebäudesanierung weitgehend selbst bezahlen. Aber diese Mittel hat sie nicht. Durch den räumlichen Zuschnitt und die Denkmalvorgabe, die Architektur unverändert zu erhalten, erweist sich das Gebäude darüber hinaus für viele sonstige Nutzungen (Wohnungen, Büros) als ungeeignet. Lindenberg stünde vor einem Scherbenhaufen. Todesstoß für Museum Die Ablehnung des Kulturzentrums wäre aber auch der Todesstoß für ein attraktives Hutmuseum. Museumsleiter Manfred Röhrl muss aus gesundheitlichen Gründen immer mehr zurückstecken; die jetzigen ehrenamtlichen Helfer werden immer älter und scheiden über kurz oder lang aus. Folglich wird das Hutmuseum in der jetzigen Konzeption immer schwieriger zu betreiben. Ein zusätzliches Stockwerk Hutmuseum im derzeitigen, nicht einmal barrierefreien Gebäude, brächte keinen qualitativen Sprung. Es geht nicht darum, weitere hundert Hüte auszustellen. Für ein modernes, professionelles Museum mit weiter Strahlkraft gebe es nur jetzt die Chance, so Zeh.

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