Stadtverwaltung verteidigt Pläne zum 2,3 Millionen Euro teuren Rathausumbau

Keine Luxussanierung

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Aus dem derzeit noch offenen Durchgang soll eine moderne Servicepassage werden. Die Kosten dafür sorgen jedoch zum Teil für Kopfschütteln.

Kempten – Muss ein Umbau der Stadtverwaltung für 2,3 Millionen Euro tatsächlich sein? Diese Frage stellten sich nicht wenige Kemptener, als vor Jahresfrist bekannt wurde, dass die Stadtverwaltung den Bereich Bürgerservice modernisieren will.

Es muss, betonte der zuständige Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss. „Es geht wirklich nicht um eine Luxussanierung, es geht darum, wie wir den Bürgerservice künftig gestalten“, hielt er der Kritik entgegen. „Beim Bürgerservice befinden wir uns in Bayern im letzten Viertel“, sagte der für die Verwaltung zuständige Dr. Richard Schießl. „Wir haben viele Baustellen.“ So blieben die 2,3 Millionen Euro für den Umbau trotz kritischer Fragen der Stadträte Helmut Hitscherich (UB/ödp) und Alexander Hold (FW) im Finanzplan stehen, aufgeteilt auf die Jahre 2014 (300 000 Euro), 2016 (eine Million) und 2017 (eine Million). Die Pläne sehen vor, dass der derzeit noch offene Durchgang in eine geschlossene Servicepassage umgebaut wird (der Kreisbote berichtete). Dafür müsse allerdings massiv in die Struktur des fast 30 Jahre alten Gebäudes eingegriffen werden, was die hohen Kosten trotz im Vergleich zum letzten Jahr abgespeckter Pläne erkläre, so Schießl und Baureferentin Monika Beltinger. 

 "Das ist öffentlicher Raum" 

Dazu kommen noch Umstrukturierungen der bestehenden Büros, um bei gleichbleibendem Personalbestand den Bürgerservice spürbar zu verbessern. So sollen im Zuge des Umbaus unter anderem das Ausländeramt offener und freundlicher gestaltet werden („Ich muss den Österreicher nicht hinter Panzerglas empfangen.“) sowie die Öffnungszeiten deutlich ausgeweitet werden (8 bis 18 Uhr). Immerhin 200 000 bis 300 000 Besucher würden das Rathaus jährlich wegen verschiedener Behördengänge aufsuchen, berichtete Schießl. „Das ist quasi öffentlicher Raum. Und die Leute sollen auch kommen“, betonte der Wirtschaftsreferent. „Es geht um Dienstleistungsqualität.“ 

Grenze ist erreicht 

Um dem Andrang Herr zu werden und das Angebot zu verbessern, müsse aber gehandelt werden: „Wir sind in der Verwaltung an der Belastungsgrenze“, so Schießl. Außer bei Stadtrat Helmut Hitscherich („Die Frage ist, muss ein solcher Eingriff sein?“) und Alexander Hold („Ich würde schon noch mal den Rotstift ansetzen. Bürgerfreundlichkeit ist auch mit weniger Aufwand zu bekommen.“) stießen die Pläne auf Zustimmung. „Bei den kreisfreien Städten ist der Großteil bereits da, wo wir hinwollen“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). „So wie es ist, ist es sicherlich keine Visitenkarte. Es kann nur verbessert werden“, meinte hingegen Ludwig Frick von der SPD. Thomas Hartmann (Grüne) bezeichnete das derzeitige Erscheinungsbild des Bürgerservice zwar ebenfalls als „nicht mehr zeitgemäß“, warnte aber vor den hohen Kosten: „Wir werden die Kosten nicht halten können“, sagte er. 

Harald Platz und Erwin Hagenmaier (beide CSU) regten dagegen an, darüber nachzudenken, den Bürgerservice gleich ganz in einem anderen Gebäude unterzubringen oder zumindest die Touristinfo auszugliedern. „Der Eingriff wäre dann deutlich geringer“, so Hagenmaier. Bei OB Netzer stieß dieser Vorschlag auf wenig Verständnis. „Es gibt wenig Sinn, den Bürgerservice vom Rathaus weg zu tun“, betonte er.

Matthias Matz

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