Bürger gestalten mit

Fast schon ein kleiner Event war das Bürgertreffen zur Neugestaltung des Hildegardplatzes vergangene Woche im Kemptener Kornhaus. Unter Federführung und Moderation von Gerhard Nagel, Geschäftsführer von „Nagel.Maier.Partner“, hatten bei der gut vorbereiteten Planungswerkstatt tatsächlich alle die Chance, ihrer Meinung Gehör zu verschaffen. Zwei Ziele formulierte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) für die Veranstaltung, der das kürzlich erstellte Verkehrsgutachten (der KREISBOTE berichtete) als Grundlage diente. „Wir möchten von Ihnen wissen, was Sie erwarten, wenn der Hildegardplatz umgebaut ist“ sowie über verschiedene Strukturansätze informieren und diskutieren.

Zunächst galt es 14 von Baureferentin Monika Beltinger und ihrem Team erarbeitete Kriterien nach Wichtigkeit für die Gestaltung zu bewerten. Mit roten Klebepunkten ausgerüstet, drängten sich rund 200 Kemptener um die Flipcharts, um ihre Schwerpunkte zu setzen. Wichtig erschienen den Anwesenden dabei vor allem die Attraktivität des Platzes, ausreichend Parkplätze, gute Erreichbarkeit der Geschäfte und verbesserte Marktfunktionen. Tendenziell wichtig waren Faktoren wie Erreichbarkeit der Geschäfte, störungsfreier Verkehr oder Flächen für Gastronomie im Außenbereich. In Punkto Bäume auf dem Platz schieden sich die Geister allerdings in zwei entgegen gesetzte Lager. Nur wenige Interessenten fand der Vorschlag eines Brunnen auf dem Platz. An sechs „Marktständen“ wurden anschließend von Experten mögliche Varianten der Platzgestaltung vorgestellt. Pünktlich mit dem im Fünf-Minuten-Turnus ertönenden Gong wechselten die übersichtlichen Gruppen jeweils zur nächsten Station, was ein wenig an „Die Reise nach Jerusalem“ erinnerte, aber sehr kommunikationsfördernd wirkte. Nach Durchlaufen der gesamten Runde hatten die Besucher Gelegenheit, ihre Meinung zu jeder Variante auf Pro- und Kontra-Listen kund zu tun, die am Ende der Veranstaltung bereits erste Trends sichtbar machten. Jeweils drei Varianten mit unterschiedlichen Parkmöglichkeiten wurden zu einer Straßenführung im Norden, entlang der Kirche, und einer im Süden, entlang der Geschäfte, angeboten. Diese sahen entweder wie bisher 185 oberirdische Stellplätze vor, daneben eine vom Verkehrsgutachten empfohlene, abgespeckte Version mit 120 oberirdischen Stellplätzen, sowie eine Tiefgarage mit 100 Stellplätzen plus 20 oberirdischen für Kurzzeitparker. Eindeutige Vorentscheidung Eindeutig favorisiert wurden die Varianten mit 120 oberirdischen Parkplätzen, verteilt auf die Flächen am Kirchberg und auf dem Hildegardplatz, wobei die südliche Straßenführung bevorzugt wurde. Mit „durchgefallen“ kommentierte Nagel die Vorschläge für 185 oberirdische Parkplätze, die auf breite Ablehnung stießen. „Zu wenig Veränderung“ und „massive Überbewertung von Autos“, lauteten Anmerkungen von Teilnehmern. Fand die Tiefgaragenlösung mit Straßenführung im Süden nur wenige Befürworter gegenüber einer stark ablehnenden Mehrheit, polarisierte die Nord-Variante mit Tiefgarage zumindest leicht, wenngleich auch hier die Ablehnung überwog. Kritisiert wurde die auf den Plänen „geschönte Darstellung“, auf der Treppenhäuser, Lüftungsschächte oder Behindertenaufzug fehlten. Ferner wurde die „Akzeptanz“ des „Millionengrabs“ in Frage gestellt. Als positiven Aspekt sah ein Anwesender dagegen die Nutzbarkeit der Parkplätze während des Wochenmarktes. „Sie haben hervorragend mitgearbeitet“, dankte Netzer für den konstruktiven Abend, dessen Ergebnisse „noch genau ausgewertet werden“, wie er betonte. Im nächsten Schritt werde eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung und Bürgern gebildet, um das Resultat weiterzuentwickeln, forderte er Interessierte auf, sich auf einer Liste einzutragen. Rund 20 Personen nahmen das Angebot an. Auf der „Meckerwand“ fand sich dann auch fast nur „Lob an die Veranstalter“ und auch den für das interaktive Mitwirken der Bürger „aufgeschlossenen OB“.

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