Stadtparkareal polarisiert

Rund 130 Menschen bei Diskussion des Realisierungs- und Ideenwettbewerbs mit OB Kiechle

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Das Thema Wettbewerb zur Neugestaltung des Stadtparks beschäftigte neben (v.r.) OB Thomas Kiechle, Ilse Roßmanith-Mitterer (Vorsitzende Stiftsstadtfreunde) und Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann rund 130 Menschen im „‘s Lorenz“.

Kempten – Seit Veröffentlichung der Ergebnisse des Realisierungs- und Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Stadtparks und des angrenzenden Areals (derKreisbote berichtete) wird das Thema in der Kemptener Bevölkerung erneut heiß diskutiert.

Die Gelegenheit, Sorgen und Bedenken vorzubringen, nutzten rund 130 Menschen bei einer öffentlichen Diskussion mit OB Thomas Kiechle, Baureferent Tim Koemstedt und Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann, zu der die Stiftsstadtfreunde vergangenen Donnerstagabend ins „‘s Lorenz“ eingeladen hatten.

Nach einer kurzen Einleitung – der Realisierungsteil soll nach der Festwoche 2018 unabhängig vom „nur Ideenteil“ angegangen werden, „aber eine Idee will ja auch einmal verwirklicht werden“, so Vereinsvorsitzende Ilse Roßmanith-Mitterer – hatten die Vertreter der Stadt das Wort. Laut Kiechle hat der Stadtrat „einen der ersten drei Preise zur Realisierung zu bestätigen“, wobei er vom ersten Preis ausgehe. Auch er betonte, dass es nur „um den Stadtpark geht“ und noch nicht um den Ideenteil.

Die wesentlichen Punkte des Siegerentwurfs mit dem Titel „Ein Platz für Alle“, der den Stadtparkt als „Trittstein“ zwischen Reichs- und Stiftsstadt sieht und der ein zentrales Element, das Funktionieren der Festwoche, ermögliche, erläuterte der Baureferent nochmals. Wie Wiedemann ergänzte, sollen die zu manchen Punkten nachgebesserten bzw. überarbeiteten Pläne auf der Festwoche 2018 ausgestellt werden und direkt im Anschluss mit der etwa auf ein Jahr Bauzeit veranschlagten Umsetzung begonnen werden, „weil die Festwoche muss ja auch wieder funktionieren“. In der kommenden Sitzung des Stadtrats am 23. November (Sitzungsbeginn 16 Uhr im Großen Sitzungssaal) soll die Umsetzung der durch das Preisgericht fixierten Grundzüge der Umgestaltung beschlossen werden. Damit sei „die große Thematik im November abgeschlossen“, merkte Kiechle bezugnehmend auf Roßmanith-Mitterers Nachfrage zu Möglichkeiten, noch Bürgerwünsche einzubringen, an. Die Detailplanung beginne aber erst danach, signalisierte er ein weiterhin offenes Ohr. Zugleich wies er darauf hin, dass in diesem Prozess bereits „ein Höchstmaß“ an Öffentlichkeit zugelassen worden sei und die Bürgerwünsche auch in den Wettbewerb eingeflossen seien. Aber man müsse „auch die Fachlichkeit einfließen lassen“, damit es funktioniere.

Von Partikularinteressen bis zu öffentlich relevanten Themen spannte sich der Bogen der anschließenden Diskussion. So wollten die Radler im Stadtpark berücksichtigt werden, im Siegerentwurf fehlende Sichtachsen zur Residenz wurden angemahnt; die Frage nach der Zahl der zu fällenden Bäumen (laut Wiedemann fünf bis sechs) und dem Wieviel-Mehr an versiegelten Flächen; der Wunsch nach einem Wasserbassin statt Fontänen wurde genannt, die Kostenfrage gestellt (ein nächster Schritt werde sein den Kostenrahmen festzulegen, so Wiedemann) und auch der Wunsch die Grünflächen bei künftigen Festwochen nicht mehr derart „extrem“ mit Ausschank zuzupflastern angemerkt (das Thema Festwoche sei „zu komplex, um es jetzt zu diskutieren“ berief sich der OB auf deren Funktionieren wegen der vielen Erfahrung damit) – Themen, die mit der Frage nach Plänen, „was man mit den Krähen macht“, etwas verblassten.

Wenn auch nicht zeitlich, so doch letztendlich untrennbar mit dem Realisierungswettbewerb verbunden, war der Ideenwettbewerb für das Areal rund um den Stadtpark das zweite große Abendthema. Roßmanith-Mitterer machte keinen Hehl daraus, dass sich ihre Begeisterung für die Pläne eines wuchtigen Gebäudes als Stadtbibliothek auf der Zumsteinwiese in Grenzen hält und bedauerte, dass einzig der ausgeschiedene Wettbewerbsbeitrag des Kemptener Büros heilergeiger Bibliothek und vhs auf dem Gelände der Schwaigwiesschule (das Problem dabei: mindestens das Erdgeschoss müsste laut Verwaltung für die Festwoche nutzbar sein) angesiedelt habe. Dieter Schade, Mitglied der Stiftsstadtfreunde, fasste die Kritikpunkte seitens der Bürger zusammen. Unter anderem nannte er einen erneuten Flächenverlust auf der Zumsteinwiese, die durch den Sparkassen-Neubau bereits rund 500 Quadratmeter (qm) eingebüßt habe und mit der Bibliothek weitere 1000 Quadratmeter verlieren würde sowie die torartige Einengung der Zumsteinwiese oder auch die von ihm mit „vermutlich nicht unter 15 bis 20 Millionen Euro“ bezifferten Baukosten. Zudem stellte Schade den Flächenbedarf von 3700 qm (aktuell belege die Stadtbibliothek 2000 qm) „in Zeiten von Digitalisierung“ in Frage. Er regte an auch andere Standorte zu untersuchen, z.B. die Grundstücke der Schwaig-

wiesschule, des Klecks – mit oder ohne unterirdische Verbindung zur Orangerie- den Parkplatz östlich der Rottachstraße oder auch die Sparkassenarkaden an der Königstraße. Einen Vorschlag warf er auch für die Zufahrt zur Tiefgarage in den Ring, durch die sowohl mehr Stellplätze als auch eine Vergrößerung der Zumsteinwiese möglich werde: eine Abfahrtsrampe in der Eberhardstraße mit Unterführung unter der Salzstraße durch die sowohl die Tiefgarage der Sparkasse, als auch die des Finanzamts bedient werden könne. Darüber hinaus untermauerte er einmal mehr die großen Bedenken der Stiftsstadt- wie Altstadtfreunde bezüglich den Bauplänen der Sparkasse für das inzwischen als „Sparkassenquartier“ bezeichnete Areal zwischen Königstraße, Horchlerstraße und Promenadestraße, zu denen es noch Gespräche zwischen dem ­Geldinstitut und den beiden Bürgervereinen geben soll.

Zwar zeigte sich bei der Abstimmung zur Bebauung der Zumsteinwiese „aus dem Bauch heraus“ eine Mehrheit dagegen, aber es gab auch glühende Verfechter, die einen solchen Bau „super“ fänden. Zum Beispiel der Stiftstädter Peter Engel, der die Kritik „sehr stark aus einer rückwärtsgerichteten Sichtweise“ kommend sah und ermunterte, „auch ein bisschen mehr den Experten“ zu vertrauen. Auch Sozialbau-Chef und Stiftsstädter Herbert Singer kann sich das Gebäude vorstellen. Einst habe man schon dem Hildegardplatz durch die Entscheidung gegen die Tiefgarage – die Stiftsstadtfreunde seien stolz auf den Kampf für diese Entscheidung, so Roßmanith-Mitterer „eine Entwicklungschance genommen“, gab er zu bedenken, dass man der Innenstadt mit der Bibliothek „einen neuen Impuls geben“ könne. Und auch Baureferent Koemstedt pries die Aufwertung der Zumsteinwiese und des Platzes vor dem Waschhaus durch ein Bibliotheksgebäude.

Das flammendste „Plädoyer“ aber hielt OB Kiechle, der wegen der Brandschutzthemen der Sparkassen-Tiefgarage auf eine baldige Diskussion des Themas drängte. Einmal mehr stellte er klar, dass man im Fall einer Bebauung auch „das Höchstmaß an Öffentlichkeit zurückgibt“, wenn man öffentlichen Raum nutze. „Für mich ist nur die Bibliothek vorstellbar, oder kein Gebäude.“ Er wies darauf hin, dass die Nordstadt gestärkt werden müsse, „sonst ist sie irgendwann komplett abgehängt“. An der Orangerie werde es, so Kiechle weiter, „mit mir keinen modernen Anbau geben“. In der Orangerie habe die Bibliothek so „null Komma null Entwicklungsmöglichkeit“. Nicht erwärmen wollte er sich für das Gelände der Schwaigwiesschule als Alternative, wo „Sie zwei Drittel der Bevölkerung hinter sich hätten“, so eine Stimme aus dem Publikum.

Auch das Sparkassenquartier kam trotz fortgeschrittener Zeit nicht ganz ungeschoren davon. Sich auf die Beteuerungen der Verwaltung, für die nächsten Generationen planen und bauen zu wollen, beziehend, kritisierte Roßmanith-Mitterer, dass hier „die kleinen Geschäfte zu etwas Größerem ausgestaltet werden“ sollen, die nächste Generation ihres Erachtens aber für kleine Läden aufgeschlossen sei, statt der Großen „wie in allen Städten“. Kiechle betonte, es gebe bislang „weder eine Bauanfrage“ noch sonst etwas, „womit sich die Verwaltung oder der Stadtrat hätten beschäftigen können“, man aber natürlich „genauer hinschauen“ müsse, wenn Pläne soweit gediehen seien. Ob und wann Veränderungen in diesem Bereich kommen „ist ausschließlich Sache der Sparkasse“, die ein Wirtschaftsunternehmen sei und kein „Wohlfahrtsunternehmen“ sein könne. Widerspruch gab es von einer Hausbesitzerin Promenadestraße. Ihr gegenüber habe Sparkassenvorstand Manfred Hegedüs gesagt, dass „schon Pläne bei der Stadt eingereicht“ seien. 

Christine Tröger

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