Die Bürger sind sich einig

Die Erasmuskapelle auf dem Sankt Mang-Platz wieder zugeschüttet sehen wollte kein einziger der rund 100 Kemptener bei der Bürgerinformation vergangene Woche. Dafür gab es flammende Plädoyers aus den Zuhörerreihen, die sich für den sichtbaren Erhalt des Kleinods stark machten. Lediglich zur Frage, wie ein Schauraum für die archäologischen Funde umgesetzt werden könne, wurden unterschiedliche Ansätze angeregt.

Die Vorstellungen der Stadt wurden von Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann und Lydia Lehner vom Regensburger Architekturbüro „A2 Lehner und Robold“ vorgestellt. Wie bereits berichtet, sieht das Konzept einen begehbaren Schauraum vor, auf den oberirdisch nur durch drei Blickfänge hingewiesen wird: Ein Oberlicht, den Abdruck der historischen Schmalzwaage und, als einziges sichtbares Bauwerk, ein schanzenartiger Treppenabgang. Im Inneren soll ein Medienraum die ausgestellten Funde erlebbar machen. Laut Wiedemann würde die Umsetzung mit rund eineinhalb Millionen Euro zu Buche schlagen, wofür derzeit verschiedene Fördertöpfe geprüft würden. Die alternative Wiederverfüllung käme auf etwa 350000 Euro. Die Kosten der bisherigen Ausgrabungen schätzte Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber auf 75000 bis 100000 Euro. Ein Zuhörer vermisste „eine dritte Variante“, wie beispielsweise eine sicher kostengünstigere Abdeckung der Grabungsfläche, teils aus Beton und teils aus Glas. Aus Erfahrung wusste Lehner aber, dass der Einblick „nicht spannend“ sei, da man nur den Boden und keine Perspektive der Mauer sehen könne. Auch begünstige die Glasabdeckung das Algenwachstum im Inneren. Zudem „ist es sehr kompliziert und teuer“, wenn der Platz auch befahrbar sein solle. Applaus für Herbert Klaus Mit Applaus quittierten die Anwesenden die Wortmeldung des früheren Polizeipräsidenten Herbert Klaus. Er erinnerte daran, „was man heute über frühere Entscheidungsträger Kemptens denkt“, die unter anderem den Abbruch der Stadttore „gegen den Willen der Bevölkerung“ veranlasst hätten. Ein Zuschütten der Funde wäre „armselig“, befand er. Auch Dekan Jörg Dittmar sprach sich für die „Bereicherung“ durch einen Schauraum aus. „Wir haben in Kempten schon genug abgerissen“, machte Hansjürg Hensler die Haltung der Altstadtfreunde deutlich und wies darauf hin, „wie wertvoll das eigentlich ist, was wir da haben“. Mit der Anmerkung, die Funde seien eine „Sternstunde der christlichen Entwicklung des Allgäus“, setzte auch der ehemalige Stadtheimatpfleger Dr. Wolfgang Haberl ein deutliches Signal. „Pro Sanierung“ sprach sich ein Zuhörer aus, die angesichts der ja auch vorhandenen Gelder für eine „Aufhübschung“ der Beethovenstraße oder für ein „wackelig“ dastehendes Kulturunternehmen „wohl möglich sein wird“. Bedenken wurden geäußert, dass mit der Schaffung eines „Paradestücks“ am Sankt Mang-Platz schlussendlich das Geld für den Hildegardplatz fehlen könnte. „Es gibt keine Prioritäten“ und Geld gebe es für beide Plätze, räumte Baureferentin Monika Beltinger die Befürchtung aus. Noch schwer festzumachen sei, wie viele Menschen den Schauraum gleichzeitig besichtigen könnten, „aber es wird sicher eine vernünftige Gruppengröße“, gab sie einem anderen Gast Auskunft. "Dimension eines Busses" Bezüglich der Öffnungszeiten müsse man erst testen, was sinnvoll sei, meinte Weber, wobei der Fokus auf gebuchten Führungen liege werde. Nicht ganz glücklich war Bernhard Kunze, Vorsitzender der Boule-Freunde Kempten St. Mang-Platz, über den angedachten Abdruck der Schmalzwaage, der den Bouleplatz „erheblich stört“. Die gesamte Idee dagegen fand seine volle Unterstützung, auch wenn es dadurch länger dauern werde, bis der Bouleplatz wieder bespielbar sei. Die ein oder andere Kritik erntete der geplante Treppenabgang, der „die Dimension eines Busses hat“, so eine Stimme, oder gar zum „Skaten einlädt“, wie eine jugendliche Zuhörerin bemerkte. Auch wenn einige Details, so auch die Erreichbarkeit des Schauraums für Rollstuhlfahrer, nochmals auf den Prüfstand sollen, war der Tenor der Kemptener doch eindeutig und OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) konnte abschließend feststellen, „dass keiner vehement für eine Zuschüttung war“.

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