Radeln ohne Risiko

Bürger-Workshop entwirft ein neues Radwegenetz für Kempten

Oberbürgermeister Thomas Kiechle im Austausch mit den Stadträten Helmut Berchtold und Julius Bernhardt.
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Visionen teilen: (v.l.) die Stadträte Julius Bernhardt und Helmut Berchtold mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Kempten – In einem Workshop haben geladene Vertreter der Stadt Kempten über einen lückenlosen Ausbau der Radrouten in Kempten nachgedacht. Die Ergebnisse werden in den nächsten Monaten durch das Planungsbüro Topplan konzeptioniert und an die Stadtregierung übergeben.

Man habe jahrzehntelang einen anderen Schwerpunkt gehabt, gab Oberbürgermeister Kiechle bei der Begrüßungsrede zu, aber nun sei es an der Zeit, dem Radverkehr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Als Basis diene das Mobilitätskonzept 2030 der Stadt.

Kemptener fahren meistens Auto

Stefan Sommerfeld, Mobilitätsmanager der Stadt Kempten, stellte zum Auftakt des Workshops eine kürzlich durchgeführte Bürgerbefragung vor: „Nur 14 Prozent der Wege in Kempten werden mit dem Fahrrad zurückgelegt“, fasste er zusammen, „der größte Teil mit dem motorisierten Individualverkehr“. Die Aufgabe sei es nun, diese Verhältnisse zu verschieben. Kempten habe zwar schon gute Radverbindungen, so der Mobilitätsmanager, dennoch stoße der Radfahrer immer noch auf Hindernisse.

Touristen wollen Stadtradeln

Die rund 20 Workshop-Teilnehmer diskutierten in Vierergruppen an Tischen mit großen Kempten-Karten, wo sie Fahrradstrecken einzeichnen und sogenannte „Points of Interest“ miteinander verbinden konnten. Sowohl selbst ernannte „Viel-Radler“ als auch „Nicht-Radler“ befanden sich unter den Stadträten und anderen Vertretern der Stadt. Die Ansprüche an das Radnetz variierten daher. Stefanie Schmitt, Leiterin des Kempten Tourismus, machte darauf aufmerksam, dass auch immer mehr Touristen sich nach Angeboten mit dem Fahrrad erkundigten.

Sicherheit hat Priorität

Jürgen Illg, Erster Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, sowie zwei Vertreter des Freundeskreis für ein lebenswertes Kempten waren vor allem um die Sicherheit der Radfahrenden, insbesondere der Kinder, besorgt. „Es geht erstmal nur darum, Haupt- und Nebenrouten festzulegen“, erinnerte Lisa Prechtl vom Planungsbüro Topplan die Runde, „und nicht darum, Gefahrenpunkte auszustecken“. Dennoch sei im Alltagsradverkehr Sicherheit „die erste Prämisse“, danach komme „Durchgängigkeit“ also „möglichst lückenlose Verbindungen“, so Prechtl. Am Ende des Workshops präsentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse, die dann erstaunlich problemlos zu einem dichten Radwegenetz auf einer gemeinsamen Kempten-Karte zusammengesetzt werden konnten. Drei wesentliche Punkte blieben strittig:

Kommt lückenloser Ring-Radweg?

Zum einen die Frage, ob eine Nord-Süd-Route über die ZUM oder über die Salzstraße geführt werden sollte; zum Zweiten der Vorschlag, sowohl Bahnhofstraße als auch Wiesstraße, trotz geografischer Nähe, zu Hauptrouten zu machen und zum Dritten das Problem der Anbindung der weiterführenden Schulen, insbesondere der Gymnasien, und die damit verbundene „Zukunftsvision“ der Erschließung des Rings, in dessen „Radwegelücke“ sich momentan das Carl-von-Linde-Gymnasium befindet.

Erste Ergebnisse im Frühjahr

Sämtliche Routen aus dem Workshop werden in den nächsten Monaten von Environmental Managerin Lisa Prechtl vor Ort besichtigt und kartografiert werden, dann werde das Planungsbüro bekanntgeben, welche Verbindungen aktuell schon möglich sind und wo bauliche Maßnahmen erforderlich sein werden. Ein weiteres Treffen sei im Frühjahr angedacht. „Was dann wirklich baulich umgesetzt wird, liegt an der Stadt“, so Prechtl. Der ADFC-Fahrradklimatest läuft noch bis Ende November: https:// fahrradklima-test.adfc.de/teilnahme

Lena Fuhrmann

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