Parken, Lärm und Schäden an Gebäuden

Bürgerinfo zur neuen Dreifachsporthalle

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So könnte sich die Dreifachsporthalle ins Gelände einfügen. Die rot markierten Bäume sollen gefällt werden.
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Auch die Möglichkeit, direkte Fragen an den OB zu richten, die er versprach, schriftlich zu beantworten, wurde rege genutzt.

Kempten – Manchem Besucher der Bürgerinfo zur geplanten Dreifachsporthalle an der Lindauer Straße/Hildegarids-Gymnasium war zwar der Ärger anzuhören. Insgesamt aber blieb es eine doch sehr friedliche Veranstaltung. Dass es eine wichtige Veranstaltung war, die die Stadtverwaltung im Kornhaus auf die Beine gestellt hatte, zeigte die große Resonanz. Eingeladen waren unter anderem die Vertreter der rund 50 Kemptener Sportvereine, betroffene Anwohner und auch zahlreiche Kemptener Stadträte hatten sich unter die rund 100 Interessierten gemischt.

Bevor sie sich für insgesamt eine Stunde an drei Infotischen zu den Themen Gebäude (Ansprechpartner: Baureferent Tim Koemstedt und Hochbauamtsleiter Andreas Geywitz), Verkehr (Ansprechpartner: Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann, Roland Sauter vom Umweltamt) und Schule/Sport (Ansprechpartner: Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales, sein designierter Nachfolger Jugendamtsleiter Thomas Baier-Regnery, Marion Haugg, Amtsleiterin Kindertagesstätten, Schule und Sport), verteilten (gewechselt wurde jeweils nach 20 Minuten), fassten OB Thomas Kiechle und Koemstedt nochmals das Wichtigste zusammen. 

Die neue Halle muss, so Kiechle, unter anderem Platz für 800 Zuschauer bieten (600 Sitz- und 200 Stehplätze), ausreichend Trainingsfläche auch für Ballsportarten bieten, behindertengerecht ausgebaut sein, dazu Nebenräume wie Garderoben, Duschen sowie eine kleine Küche haben. Um die Förderung zu bekommen muss sie zu zwei Dritteln für den Schulsport genutzt werden, ein Drittel der Zeit steht sie für den Vereinssport zur Verfügung. Ganz wichtig war Koemstedt zu betonen, dass die „Erschließung für den Verkehr“, sprich die Zufahrt, „ausschließlich“ über die Lindauer Straße laufen soll. Die Maße für das Gebäude bezifferte er auf 53 Meter Länge, 42 Meter Breite und eine Maximalhöhe von bis zu elf Metern sowie eine 80 Meter lange Zufahrt mit Rampe, darunter die Tiefgarage.

An den Thementischen hatten die Vertreter der Stadtverwaltung alle Hände voll zu tun, denn Bedenken und Einwände hatten die Anwesenden nicht zu knapp. Aber auch konstruktive Vorschläge und positive Stimmen waren zu hören, wie die von einem Sportlehrer am Hildegardis-Gymnasium, der meinte, „wir freuen uns wirklich sehr auf die Halle“. Sein Wunsch: ein direkter Zugang von der Schule zur Halle. Laut Plan sei der nämlich umständlich nur über die Lindauer Straße möglich. Immer wieder wurde die Angst von Hausbesitzern laut, dass es wegen des sehr nassen Bodens zu Schäden an ihren Anwesen während der Bauphase kommen könnte. „Früher war hier der fürstäbtliche Fischweiher“, sprach eine direkte Anwohnerin auch von einer etwa vier bis fünf Meter dicken Torfschicht, die wohl abgetragen werden müsse. 

Wie seitens der Bauverwaltung versichert wurde, sei der aus Moor und Fels bestehende Grund umfangreich untersucht worden. Klar sei, dass das es „kein Regelbau, sondern ein anspruchsvolles Bauvorhaben“ sei, bei dem es auch eine Baudokumentation geben werde. Auf Skepsis vieler Anwohner stieß allerdings das Versprechen, „wenn Risse in Gebäuden auftauchen, wird die Stadt die Verantwortung übernehmen“.

Lärm war ein weiteres omnipräsentes Thema und zwar nicht nur der Lärm durch die künftigen Veranstaltungen in der Halle. Die Aussagen dazu lagen je nach Thementisch zwischen zehn und 15 Großveranstaltungen pro Jahr, dazu etliche kleinere. Parkplätze seien dafür ausreichend vorhanden, wie Wiedemann versicherte. Noch keine Antwort gab es auf die Frage, wo die Mannschaftsbusse an Wettkampftagen abgestellt werden und die Sportler aus- bzw. zusteigen sollen. Generell soll ab 22 Uhr Schluss sein mit dem Hallenbetrieb. Mit Baulärm werden sich die Anwohner voraussichtlich für etwa eineinhalb Jahre arrangieren müssen.

In der Lindauer Straße sei jetzt schon sehr viel Verkehr, so eine Anwohnerin aus der Reichlinstraße, die kritisierte, dass „alle Bäume entlang der Reichlinstraße gefällt“ werden sollen, in denen es viele Vögel gebe, „und wir bekommen ein Gebäude vor die Nase gesetzt“. Neben Linden, Fichten und generell anfälligen Eschen entlang des Grundstücksrandes sei der Baumbestand weiter innen, unter anderem mit alten Buchen, „sehr wertvoll“, räumte Roland Sauter vom Umweltamt ein, „aber irgendwo muss das Ding rein“. Immerhin gebe es wenigstens etwas Spielraum. Die Anregung eines Anwohners, das Gebäude weiter in den Hang zu setzen, um den Baumbestand am Rand verschonen zu können, stieß in der Verwaltung wegen des dort felsigen Untergrunds auf Ablehnung. In zwei Lager spalteten sich die Leute, ob das Gelände eingefriedet werden oder mit Durchwegung sein soll.

Weitere Fragen, die den Anwesenden unter den Nägeln brannten, gab es unter anderem bezüglich der Hallengröße, die laut Verwaltung aufgrund der Bedarfsermittlung und Rentabilität nötig sei, oder auch zum Parksuchverkehr und Parkplatzmangel. Individuelle Fragen konnten auch schriftlich und personalisiert in eine Box geworfen werden. Sie sollen baldmöglichst beantwortet werden.

„Es sind natürlich Betroffenheiten“, zeigte Kiechle Verständnis für die Sorgen und Bedenken der Anwohner, unter anderem wegen der „Grundwasser- und Erschütterungs-Thematik“, und versprach Berücksichtigung beim Erarbeiten der Bauvoranfrage. Sobald diese steht, haben die BürgerInnen einen Monat lang Gelegenheit Einspruch einzulegen. Dann soll der Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden, denn „es gibt ja noch gar keine Vorstellung davon, wie das Gebäude aussehen soll“, so der OB. Er machte zudem klar, dass es auch ohne den Hallenbau unwahrscheinlich sei, „dass die Fläche bleiben würde, wie sie ist“, denn der Druck im Wohnungsbau sei sehr groß. „Wichtig ist, dass das Ergebnis am Ende akzeptabel ist und einen Mehrwert hat“, dankte er den Anwesenden für ihre „deutlichen Worte“ an diesem Abend.

Christine Tröger

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