Klares Ergebnis beim Bürgerentscheid

Kein Rathaus am Löwen-Standort in Lauben-Heising

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80,64 Prozent derer, die beim Bürgerentscheid ihre Stimme abgaben, stimmten für die Forderung der Bürgerinitiative. Diese hatte am vergangenen Donnerstag in einer Informationsveranstaltung vor rund 200 Zuhörern ihre Argumente dargelegt.

Lauben – Fast drei Viertel der Bürger in Lauben Heising haben am Wahlsonntag am Bürgerentscheid teilgenommen – mit klarem Votum. Mehr als 80 Prozent von ihnen stimmten gegen den von der Gemeindeverwaltung angedachten Rathausneubau am Standort der früheren Gastwirtschaft Löwen in Lauben.

Die Zahlen sind eindeutig: Bei einer Wahlbeteiligung von 74,74 Prozent (2059 Stimmen) schlossen sich 1633 und somit 80,64 Prozent der Bürger dem Anliegen der Bürgerinitiative an. 392 waren dagegen, 34 Stimmen waren ungültig. „Wir haben überragend abgeschnitten. Darüber sind wir sehr glücklich“, freut sich Gerhard Heinzelmann von der Bürgerinitiative am Wahlabend. „Jetzt lassen wir das Ergebnis erst einmal wirken.“ In zwei bis drei Wochen wolle man dann das Gespräch mit Bürgermeister Berthold Ziegler und dem Gemeinderat suchen und „versuchen, konstruktiv eine gemeinsame Lösung zu finden.“

Hintergrund: Die Gemeinde erwägt, den ehemaligen Gasthof Löwen abzureißen und an seiner Stelle ein neues Rathaus mit Bäckerei, öffentlichem WC und Ausschankraum für öffentliche Anlässe zu errichten. Derzeit kalkulierte Kosten: circa vier Millionen Euro. Eine Sanierung des im Jahr 1394 erbauten, maroden Löwen sei unwirtschaftlich, ebenso eine Sanierung und Erweiterung des jetzigen Rathausgebäudes in Heising. Ein von vielen Bürgern gewünschter neuer Gastronomiebetrieb an dieser Stelle komme nicht infrage, da dieser die anderen Gaststätten des Ortes beeinträchtige und zudem „mit Sicherheit ein Minusbetrieb wäre“. Die Gemeindeverwaltung hatte am 14. September in einer Bürgerversammlung über den aktuellen Sachstand des Vorhabens informiert und im Zuge dessen eine Machbarkeitsstudie zu einem Neubau auf dem schwierigen Terrain vorgestellt.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative wünschen sich hingegen, den Standort Löwen (nicht zwingend das Gebäude selbst) als sozialen Treffpunkt zu erhalten. Grundsätzlich würden sie auch den Abriss des alten, ortbildprägenden Gebäudes in dem ansonsten „eher gesichtslosen Ort“ bedauern. Der Löwen sei schließlich „das Gesicht von Lauben“, er repräsentiere die Gemeinde auf deren Website, auf Postkarten und in Büchern. Die Bürgerinitiative moniert, dass zwar eine Machbarkeitsstudie zum Rathausneubau gemacht wurde, aber keine Studie zu den Kosten einer möglichen Sanierung des alten Gebäudes. Starker Kritikpunkt ist auch der in ihren Augen mangelnde Informationsfluss seitens der Verwaltung und deren mangelnde Bereitschaft zum offenen Gespräch. Um zu erfahren, wie die Bürger zu dem Thema stehen, gingen die Mitglieder der Bürgerinitiative von Haus zu Haus, führten nach eigenen Angaben 1500 Gespräche und sammelten mehr als 900 Unterschriften gegen das gemeindliche Vorhaben. Eine der häufig gestellten Fragen sei dabei gewesen: Warum brauchen wir überhaupt ein neues Rathaus? 

Angesichts der Tatsachen, dass immer mehr Dinge heute online erledigt werden und die Einwohnerzahlen seit Jahren stabil sind, sei dies kaum nachvollziehbar. Viele Bürger hatten zudem die Meinung geäußert, ein neues Rathaus solle, wenn schon, dann zwischen den beiden Gemeindeteilen Lauben und Heising, im Moos, stehen, wo sich bereits Schule, Feuerwehr und Sportverein befinden. Als Standort böte sich hier beispielsweise das Birkenmoos oder der „Andreashof“ an, der der Gemeinde mehrfach zum Kauf angeboten, aber stets „über Nacht“ und „ohne weitere Prüfung“ abgelehnt worden sei. Ein weiteres Problem sehen die Gegner in der ohnehin schon angespannten Parkplatzsituation am Dorfplatz, die durch den Rathausneubau zusätzlich extrem verschärft werden würde. Man habe neun Monate lang versucht, die Gemeindevertreter an einen runden Tisch zu bekommen, so Heinzelmann, sei dabei aber leider erfolglos geblieben.

„Wir wollten den Bürgerentscheid nicht, aber uns blieb gar nichts anderes übrig“, so Gerhard Heinzelmann. Angesichts des nun eindeutig ausgedrückten Bürgerwillens müsse der Gemeinderat hierzu bereit sein, hofft er. Rathauschef Berthold Ziegler zeigt sich am Tag nach dem Entscheid nicht überrascht von dessen Ausgang. Damit habe er bereits gerechnet, sagt er. Aus seiner Sicht sei der Bürger-

entscheid zu früh gekommen. Bevor er in weitere Gespräche einsteige, werde die Gemeinde eine zweite Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, in der geprüft werde, ob das alte Löwen-Gebäude erhaltbar sein, zu welchen Kosten und welche Nutzung sonst auf dem schwierigen, abfallenden Terrain denkbar sei. Mit den Ergebnissen rechne er in einem dreiviertel Jahr. Erst am vorigen Donnerstag habe ein Geologe geäußert, ein Neubau nach den bisher erarbeiteten Plänen sei zwar technisch machbar, angesichts der Geländeproblematik sei hiervon jedoch dringend abzuraten. „Insofern ist es ohnehin fraglich, ob wir die bisherigen Pläne weiterverfolgen“, so Ziegler. Für ihn ist es momentan „zu früh für Gespräche. Erst wenn diese Fakten auf dem Tisch liegen, haben wir eine Diskussionsgrundlage“, findet er. Eines sei indes jetzt schon sicher: Eine Gaststätte wird es an dieser Stelle mit mir nicht geben.“

Sabine Stodal

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