Seite an Seite schwitzen

Bürgermeister und Bund Naturschutz Haldenwang sorgen für gemeindliche Ausgleichsflächen

+
Bei den großen Pflanzaktionen in Börwang und Haldenwang waren Helfer von 3 bis 80 Jahren dabei. Bürgermeister Josef Wölfle (im Vordergrund) packte bei beiden Flächen mit an.

Haldenwang – In Haldenwang setzt sich die Ortsgruppe des Bund Naturschutz dafür ein, dass die gesetzlich vorgeschriebene Aufwertung der gemeindlichen Ausgleichsflächen auch wirklich durchgeführt wird. Dabei suchen die Naturschützer nicht die Konfrontation, sondern ein konstruktives Miteinander mit der Gemeindeverwaltung. Vor wenigen Tagen fand wieder eine große Pflanzaktion statt, bei der auch Bürgermeister Josef Wölfle einmal mehr selbst zu Schaufel und Hacke griff.

Wenn eine Stadt oder Gemeinde durch Baumaßnahmen in die Natur oder Landschaft eingreift, zum Beispiel durch Wohn- oder Straßenbau, ist sie per Bayerischem Naturschutzgesetz dazu verpflichtet, eine Ausgleichsfläche auszuweisen und diese durch geeignete Maßnahmen aufzuwerten. Dadurch soll die Beeinträchtigung des Naturhaushaltes an anderer Stelle kompensiert, also ausgeglichen werden. 

Zwar wurde diese Regelung im Jahr 2017 durch die zunächst bis 31.12.2019 geltende Änderung der EU-Richtlinie 2014/52/ EU deutlich aufgeweicht, doch für die Baumaßnahmen vor diesem Zeitpunkt gilt nach wie vor die Verpflichtung zu Schaffung von Ausgleichsflächen. 

Ob die Maßnahmen dann auch wirklich umgesetzt werden, wird von staatlicher Seite selten kontrolliert. Bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt fehlt hierfür nach eigenem Bekunden einfach das Personal. 

Seit einigen Jahren geht der Bund Naturschutz (BN) in Bayern verstärkt der Frage nach, wie Städte und Gemeinden es mit der Umsetzung der Maßnahmen halten. Auch die BN-Ortsgruppe Haldenwang interessiert sich für das Thema. „Wir finden es nicht nachvollziehbar, dass eine Gemeinde, die keine Lust auf Ausgleichsmaßnahmen hat und diese nicht umsetzt, mit keinerlei Konsequenzen zu rechnen hat“, so Markus Schäffeler (2. Vorsitzender der BN-Ortsgruppe), der zusammen mit dem 1. Vorstand Hermann Hops das Projekt in der Gemeinde initiiert hat und federführend begleitet. 

Zunächst suchten die Beiden mühsam alle Informationen zu Lage und Größe der gemeindlichen Ausgleichsflächen und zu den vorab geplanten Aufwertungsmaßnahmen zusammen. „Von Anfang an waren auch Bürgermeister Josef Wölfle, das Bauamt und die Untere Naturschutzbehörde eingebunden“, betonen sie. Im Mai 2018 fand die erste gemeinsame Begehung der gemeindlichen Ausgleichsflächen statt. „Dabei mussten wir feststellen, dass die Umsetzung auf den insgesamt sechs Hektar Ausgleichsflächen kaum und die ökologische Aufwertung gar nicht feststellbar war.“ In „hartnäckigen, aber konstruktiven“ Verhandlungen habe man sich mittlerweile auf einen gemeinsamen Weg geeinigt, freuen sich die Naturschützer. „Wir vom BN haben Vorschläge zur ökologischen Aufwertung erarbeitet und erfolgreich im Gemeinderat vorgestellt.“ Bereits im vergangenen Jahr standen dann Mitglieder der Naturschutzgruppe gemeinsam mit Josef Wölfle in Gummistiefeln und mit Hacke und Spaten parat, um eine erste Baum- und Gehölzpflanzungen sowie die Anlage einer strukturreichen Blühfläche durchzuführen.

Am vorvergangenen Wochenende ging es an zwei weiteren Ausgleichsflächen weiter. Eine Gruppe, zu der erneut auch Bürgermeister Josef Wölfle und Gemeinderatsmitglied Patrick Berz gehörten (er ist Garten- und Landschaftsbauer und brachte nebst Fachwissen auch die nö- tige Ausrüstung für die Helfer mit), legte am Regenrückhaltebecken unterhalb des Wohngebietes Josef-Welle-Weg eine Heckenpflanzung an. Auf dem Areal befindet sich eine bereits im Vorjahr angelegte Ausmagerungsfläche. Ein Teil der verbliebenen Fettwiese dient als Versuchsfläche. Hier testet der BN ab sofort, ob die kostenintensive Abtragung von Humus zur ökologisch sinnvollen Bodenausmagerung durch die Ausbringung einer 15 Zentimeter hohen Sand- und Kiesschicht auf der Wiese umgangen werden kann. Eine weitere Gruppe freiwilliger Helfer machte sich zeitgleich am südlichen Ortsrand von Börwang daran, weitere Heckenpflanzen sowie zwölf Obstbäume (allesamt alte regionale Sorten) in den Boden zu bringen. In der konzertierten Aktion wurden insgesamt rund 130 schmetterlings-, insektenund vogelfreundliche Pflanzen wie schwarzer und roter Holder, Berberitze, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Kriechrosen, Heckenkirsche, Felsenbirne u.a. eingesetzt.

„Diese Pflanzen bieten auch anderen Tierarten Schutz und Nahrung“, betont Hans Schöll aus Wiggensbach. Er wurde als Experte für die passende Pflanzenauswahl mit ins Boot geholt. „Wir verwenden nur autochtone – also in der Region vorkommende – Pflanzen aus regionaler Züchtung,“ sagt er. „Zudem achten wir darauf, dass das alles in der Pflege nicht mit einem Riesenaufwand für den Bauhof verbunden ist.“ Die Fläche bei Börwang sei ideal, da sie auch noch über einen kleinen Bachlauf verfüge, so Schöll. „Hier werden noch drei kleine Teiche und ein Feuchtbiotop für Amphibien angelegt. Das ist ein hervorragender Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.“

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesen

Zeit für Zweisamkeit: Gewinnen Sie zwei Übernachtungen mit Candlelight-Dinner
Zeit für Zweisamkeit: Gewinnen Sie zwei Übernachtungen mit Candlelight-Dinner
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Verkehrsminister Reichhart will das Allgäu bei der Vernetzung der Verkehrsverbünde unterstützen
Verkehrsminister Reichhart will das Allgäu bei der Vernetzung der Verkehrsverbünde unterstützen
Wie reagiert der Mammutbaum auf das veränderte Klima?
Wie reagiert der Mammutbaum auf das veränderte Klima?

Kommentare