Kitas und Schulen im Fokus

Bürgermeister Josef Mayr zu Gast beim politischen Nachmittag der Frauenunion Kempten

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Das Sparschwein fest in der Hand, mit dem Blick auf die Schwarze Null Ende des Jahres: Silvia Schäfer, Frauenunionsvorsitzende, Bürgermeister Josef Mayr, Stephanie Breuer, Mitarbeiterin von Landtagsabgeordneten Thomas Kreuzer.

Kempten – „Wir müssen uns auf sinkende Steuereinnahmen einstellen“, beginnt Josef Mayr, dritter Bürgermeister von Kempten, seinen Vortrag bei der Frauenunion (FU) im Ratscafé.

Die allgemeine, schwierige weltwirtschaftliche Lage hinterlasse auch im Allgäu Spuren und werde steuerliche Auswirkungen haben. Dank Konsolidierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren und einer weitsichtigen Haushaltspolitik seien in den kommenden Jahren Investitionen für Schulen in Höhe von 57 Millionen und für Kitas mit über 23 Mio Euro möglich. 

500 Kita-Plätze seien zusätzlich in Planung, dazu komme eine neue Grundschule. Der Mangel an Kitaplätzen habe seine Gründe vor allem im starken Zuzug von Familien nach Kempten, hinzu komme eine deutliche Steigerung der Geburtenrate, so Mayr. Eine kleinere Rolle spielen dabei die Migranten mit ihren Familien, die die Stadt Kempten als ihre Heimat gewählt und Arbeitsplätze gefunden haben. 

Eine weitere starke Entwicklung sei die Hochschule. Sie biete aktuell über 6000 Studienplätze an und habe eine bundesweite Zugkraft. Die Stadt Kempten befasst sich ausgiebig mit der Unterbringung der Kleinsten. Beispielsweise sind die Kindergartenplätze in der Villa Viva und das Kinderhaus Klecks zu nennen. Im Baugebiet „Halde“ sind zwei Kitas geplant und in Heiligkreuz wird der Kindergarten erweitert. Zudem bietet ein Waldkindergarten am Stadtweiher Plätze an. 

Die Steinbruchhütte beim Stadtweiher kann bei Bedarf benutzt werden. Hier liegt der Schwerpunkt darin, dass Kinder sich die meiste Zeit im Freien bewegen und die Natur erforschen können. Schon in der Vergangenheit haben Kindergärten festgestellt, dass viele Kinder keinen Nutzgarten mehr kennen. Deshalb bieten Kleingärtner Kooperationen mit den Kitas an, das Anpflanzen und Ernten zusammen mit den Kleinen durchzuführen. Als drängendes Problem für die Stadtverwaltung, aber auch für viele Arbeitgeber in der Stadt, sei die Personalgewinnung. Bei einer Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent werde es immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. 

Tägliche Meldungen in den Medien machen dies deutlich. Es fehlen Tausende Stellen bei Lehrern, der Deutschen Bahn, bei Pflegekräften, Erzieherinnen, im Hotelfach und beim Lastkraftwagenverkehr. Ebenfalls klagen die Busunternehmer über fehlendes Personal. Personalknappheit zeige sich schon seit Langem bei den Kommunen. Wo früher auf eine Stelle 80 bis 100 Bewerber eingingen, sei die Anzahl der Bewerbungen in den letzten Jahren stark zurückgegangen. 

Es gehe zudem mehr Personal in den Ruhestand als Neustarter ins Berufsleben einsteigen. Gastredner Josef Mayr wird nachdenklich, als er die Wohnungslage anspricht. „Der Bedarf an weiteren Wohnungen ist ungebrochen“, betont er. Die starke Bautätigkeit der Baugesellschaften und vieler private Bauherren lösen allerdings doch so manches Problem. Um die Baugebiete genauer unter die Lupe zu nehmen, bietet Mayr der Frauenunion für das kommende Jahr eine Stadtrundfahrt an. 

Mayr bezieht auch Stellung zum Thema „Urbane Seilbahn“. Es gehe im Ziel darum, den ÖPNV zu stärken, den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren und eine CO2-Reduzierung in der Innenstadt zu erreichen. Dies sei ein besonderes Anliegen der CSU-Fraktion. Nun müsse grundlegend geprüft werden, ob und in welchem Umfang diese Ziele erreicht werden können. So seien täglich 500 Busfahrten vom Bahnhof zur ZUM in beiden Richtungen zu bewältigen, betont Mayr. Die Stadt Kempten hat eine hohe Mobilität und kaum Möglichkeiten, den innerstädtischen Verkehrsraum an aktuelle Anforderungen anzupassen. 

Zusätzliche Fläche für Radfahrer und Fußgänger sind weitere Anforderungen. Die Machbarkeitsstudie für den Bau einer Seilbahn koste 100.000 Euro, 50.000 Euro Förderung durch den Staat wurden zugesichert. Wie soll die Beförderung der Fahrgäste aussehen, wollten die Damen der FU wissen. Bürgermeister Mayr erklärt kurz und bündig: „Vom Bahnhof fahren die Gondeln in kurzen Takten in die Innenstadt und zu weiteren Aus- und Einsteigestellen.“ Die CO 2 –freie Fahrt in der Seilbahn soll in den ÖPNV Preis integriert werden. Sind diese Ziele erreicht, sei es ein Quantensprung bei der Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs. 

Da viele vergleichbare Städte ähnliche Verkehrsprobleme haben, sei er überzeugt, dass diesem Beispiel viele Städte folgen werden. Die Urbane Seilbahn diene so zur massiven Vermeidung von innerstädtischem Verkehr und sei dazu noch eine große Touristenattraktion. Dies sah Mayr als eine große städtebauliche Herausforderung. Die Frage nach der Umsetzung auf Elektromobilität der Stadtbusse lässt Mayr die Stirn runzeln. Dies sei mit hohen Kosten verbunden. „E-Busse sind durch die Batterien deutlich schwerer, es leiden die Oberflächen der Straßen“, dadurch käme es zu kürzeren Sanierungsintervallen. 

Es gelte nun die Machbarkeitsstudie abzuwarten. Bei positivem Ergebnis wäre dies ein Leuchtturmprojekt im Sinne der Klimaziele unserer Stadt. Besonders stolz ist Bürgermeister Mayr auf die Städtische Schuldenfreiheit, die zu Beginn als schwer erreichbar bezeichnet worden sei. Zum Ende dieses Jahres ist es soweit. Die Schuldenuhr zeigt dann auf Null. 

Silvia Schäfer

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