Von Haushaltssanierung bis Hundekot

Nur wenig Gegensätze

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Von Politikverdrossenheit ist in Altusried keine Spur. Die Landwirte im vollbesetzten Rössle-Saal stellen zahlreiche Fragen an die beiden Bürgermeisterkandidaten Markus Romer (links) und Joachim Konrad (rechts). Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Hummel und Erich Krug (Mitte).

Altusried – Die beiden Bürgermeisterkandidaten Markus Romer (FW) und Joachim Konrad (CSU) stellten sich in einer vom Bayerischen Bauernverbandes (BBV) initiierten Podiumsdiskussion im vollbesetzten „Rössle“-Saal den Fragen der einheimischen Landwirte.

Diese drehten sich um Themengebiete wie Haushaltssanierung, Flächenfraß, Erneuerbare Energien und „tierischer Ärger“. Oftmals lagen die beiden Kontrahenten mit ihren Ansichten dabei gar nicht allzu weit auseinander. 

Zum Stellenwert der Landwirtschaft in der Gemeinde 

Joachim Konrad: „In einer Gemeinde wie Altusried mit ihren 233 aktiven landwirtschaftlichen Betrieben und rund 60 qkm landwirtschaftlicher Fläche, ist der Stellenwert der Landwirtschaft enorm. Dies solle auch so bleiben. Das Wichtigste ist, „dass ma schwätzt mit de Leit“, also die Betroffenen bei anstehenden Entscheidungen rechtzeitig mit ins Boot holt.“ 

Markus Romer: „Wir müssen die Landwirtschaft als Teil unserer Tradition und Herkunft sehen. Es ist mir ein ganz großes Herzensanliegen, dafür Sorge zu tragen, dass die Landwirtschaft weiterhin ihre wichtige Funktion für das gesellschaftliche Leben und die Kulturlandschaft nachhaltig erfüllen kann.“ 

Haushaltssanierung: Die Marktgemeinde Altusried hat derzeit 13 Millionen Euro Schulden, die Pro-Kopf-Verschuldung 2013 betrug 1270 Euro, der Markt bezahlt pro Jahr 455 000 Euro Schuldenzinsen. 

Konrad: „Die Haushaltslage des Marktes Altusried ist angespannt. Ich kann nicht akzeptieren, dass die Gemeinde jedes Jahr 455 000 Euro Schuldenzinsen bezahlt. Ich würde versuchen, den Haushalt zu sanieren, indem wir die Einnahmeseite erhöhen. Dies geht nur, indem wir gewerbesteuerträchtige Gewerbebetriebe nach Altusried holen und bei Investitionen immer auf die Folgekosten achten.“ 

Romer:„Man darf nicht außer Acht lassen, wofür das Geld verwendet wurde. Unsere Schulden kommen nicht von einer Misswirtschaft. Vielmehr wurden seit 1996 63 Millionen Euro allein in 180 Kilometer Straßen, Feuerwehren, Gemeinschaftshäuser, Dorfsäle und in die Wasserversorgung investiert. Die Schulden müssen natürlich abgebaut werden, etwa durch eine Verbesserung der Einnahmesituation sowie des Kostenmanagements.“ 

Baulücken nutzen 

„Flächenfraß“ 

Konrad: „Man muss Baulücken schließen und über ein konsequentes Leerstands-Management Leerstände im Ort beseitigen, bevor man Wohnbaugebiete ausweist. Da aber die Nachfrage nach Bauland in krassem Missverhältnis zum Angebot steht, werden wir nicht umhinkommen, auch neue Wohnbaugebiete auszuweisen.“ 

Romer: „Bevor man neue Baugebiete auf der grünen Wiese ausweist, muss man schauen, wo Leerstände und Restflächen sind. Ich kenne auch einige Gewerbeflächen, die man in aufgelassene Kiesgruben gelegt hat. Wenn ein Bauer eine Fläche nicht hergeben möchte, muss man das akzeptieren. Planfeststellung und die Enteignung gibt es mit mir nicht.“ 

Umgehungsstraße 

Konrad: „Wenn wir die Umgehungsstraße für Altusried, vielleicht irgendwann auch für Kimratshofen realisieren wollen, müssen wir weiterhin rechtzeitig und im Konsens Flächen akquirieren.“ 

Romer:„Wir müssen frühzeitig offene und faire Gespräche führen. Wir brauchen eine vertrauensvolle Atmosphäre und wir brauchen Tauschflächen, damit die betroffenen Betriebe auch in der nächsten Generation wirtschaften können. Die Umgehungsstraße ist aber bis 2020 nicht zu schaffen.“ 

Erneuerbare Energien 

Konrad: „Photovoltaik-Anlagen gehören auf die Dächer und nicht auf die Freifläche. Auf Altusrieder Flur ist der Bürgermeister Konrad strikt dagegen, dass Freiflächen-PV-Anlagen realisiert werden. Anträge auf Biogasanlagen müssen im Einzelfall geprüft werden. Neue Windräder sind angesichts der aktuellen Situation (10h-Regelung, Funkfeuer) vom Tisch, man muss mit der Thematik aber konstruktiv umgehen und nicht von vornherein sagen, das lehnen wir grundsätzlich ab. Insgesamt müssen wir uns an der hervorragenden Arbeit des örtlichen Klimaschutzteams orientieren und überprüfen, welche Dächer sich für PV-Anlagen eignen, welche Gebäude energetisch saniert werden sollten. Eine Nahwärmeversorgung im Ortskern für gemeindliche, private und große Verbraucher, bei der die Altusrieder Bauern zur Lieferung der Hackschnitzel mit im Boot wären, wäre eine hervorragende Sache.“

Romer: „Freiflächen-PV-Anlagen Anlagen gehören auf (Hausmüll-)Deponien, wo keine landwirtschaftliche Nutzung ist. Der Hauptbereich hier ist unsere Grünlandwirtschaft und Milchwirtschaft. Dieser würde ich immer den Vorrang vor Biogas geben. Wenn es auf Altusrieder Flur noch ein Windrad geben sollte, dann nur mit mindestens 85-prozentiger Zustimmung aller Bürger. Sofern es sich rechnet, werden wir insgesamt sämtliche gemeindliche Gebäude energetisch sanieren und beim Energieverbrauch mit gutem Beispiel vorangehen. Man sollte PV zur Eigenstromnutzung ebenso aufgreifen, wie die Idee der Nahwärmeversorgung auf Hackschnitzelbasis. Auch Energiegenossenschaften mit Bürgerbeteiligung wären eine Option.“ 

Mehr Hundeklos? 

Bauen im Außenbereich 

Konrad: „Da halte ich es wie der Landrat – nicht nach dem Motto: `Was kann ich verhindern?´, sondern `Was kann ich nach dem Baugesetz gerade noch genehmigen?’“ 

Romer:„Wir müssen auf jeden Fall schauen, dass unsere Landwirte mit ihrem Eigentum und den Entscheidungen darüber flexibler umgehen dürfen.“ 

Tierischer Ärger: Immer noch lassen Hundebesitzer ihre Vierbeiner die Wiesen mit Hundekot verschmutzen. 

Konrad:„Wir können an neuralgischen Punkten Hundeklos aufstellen und außerdem darüber nachdenken, die Hundesteuer zu erhöhen. Im extremsten Fall müssten wir eine Satzung bezüglich einer Leinenpflicht in bestimmten Bereichen erlassen.“ 

Romer: „Wir müssen hier nach dem Verursacherprinzip vorgehen und eventuell die Hundesteuer anheben. Zudem muss die Gemeinde regelmäßig aktiv aufklären. Wenn es dann immer noch nicht klappt, könnte es an Hundehochfrequenzpunkten eine Leinenpflicht geben.“

Sabine Stodal

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