Ansturm bei Bürgerversammlung im Kemptener Norden

Großes Interesse an städtischen Themen

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Nach den Ausführungen von OB Thomas Kiechle hatten die Besucher der Bürgerversammlung die Möglichkeit ihre Anregungen und Wünsche auf Zettel aufzuschreiben, die dann in einer anschließenden Diskussionsrunde erörtert wurden.

OB Thomas Kiechle zieht sein Sakko aus und ist erst einmal erstaunt: „Als ich das letzte Mal im Wahlkampf hier war, wollten mir gerade einmal 14 Leute zuhören.“

Das ist an diesem Dienstagabend im Pfarrsaal St. Michael in der Memminger Straße völlig anders. Trotz der heißen Temperaturen ist der Saal voll, es sind rund 230 Bürgerinnen und Bürger erschienen, um sich vom Oberbürgermeister und Amtsleitern über den Stand der lokalpolitischen Angelegenheiten zu informieren. 

Rund die Hälfte aller Stadträte sind bei dieser Bürgerversammlung anwesend. Zuerst beginnt OB Kiechle seine Ausführungen mit einem Resümee zur Amtszeit seines Vorgängers. Die fällt erwartungsgemäß positiv aus, ist es doch der Stadt unter der Ägide von Dr. Ulrich Netzer gelungen, sukzessive die Schuldenlast von 40 Millionen Euro im Jahre 2002 auf aktuell acht Millionen Euro zu senken. Allerdings räumt Kiechle ein, gebe es in diesem Jahr ein strukturelles Defizit im Vermögenshaushalt der Stadt Kempten, das dazu führt, dass sich die zur Verfügung stehende Investitionssumme reduziere. Allerdings ist das „Jammern auf hohem Niveau“, da sich die Investitionssumme für 2015 auf immerhin 29,6 Millionen Euro beläuft. Eines aber bleibt das Ziel auch seiner Amtszeit – die Stadt bis zum Jahr 2020 schuldenfrei zu machen. 

OB Kiechle kommt auf die hinlänglich bekannten Prämissen der Stadtpolitik zu sprechen: Wirtschaftsstandort und Finanzkraft stärken, Fokus auf Klima, Umwelt und Mobilität legen, Zusammenleben aktiv gestalten und Kultur und Tourismus fördern. Zu diesen Punkten nimmt das Stadtoberhaupt dann mit aktuellen Beispielen aus der Kommunalpolitik Bezug. Der Wirtschaftsstandort konnte gestärkt werden. Bei einer Bevölkerung von 67.000 Einwohnern verfügt Kempten über rund 36.500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Eine „fantastische“ Zahl, die sich auch aus den rund 21.400 Einpendlern speist. Kiechle sagt, so sehr er den Abzug der Bundeswehr aus Kempten bedaure, so sehr freue es ihn, dass durch Konversion der Stadt neue Flächen zur Ansiedlung von Gewerbe anheimfallen. Nur bei vorhandenem Baugrund für Privatleute sehe es schlecht aus, betont Kiechle. „Ich kann hier Interessenten nichts anbieten.“ Lediglich auf der Halde Nord würden derzeit die Vorbereitung zum Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern als auch Geschosswohnungen laufen. In diesem Zusammenhang vermerkte Kiechle, dass die Verkehrserschließung des Baugebietes erneut diskutiert wird. Die Stadt versuche zur Zeit im Bereich der Edeka-C&C-Großmarktflächen einen Investor zur Ansiedlung eines Nahversorgungszentrum für diesen Teil des Kemptener Nordens zu gewinnen. 

Grundsätzlich habe sich die Entwicklung Kemptens zur Einkaufsstadt als segensreich erwiesen. Daran werde auch zukünftig festgehalten. Eine Veränderung aber wird wohl der Stadtpark erfahren. Hier gibt es im Rahmen der diesjährigen Festwoche ein Hearing, bei dem erneut Bürger ihre Wünsche äußern können. 

Wandel in der Kultur 

Zeit nimmt sich der OB auch für den Bereich Kultur und Tourismus. Auch die Allgäuer Museumslandschaft wird sich in den nächsten Jahren wandeln, Standorte werden unter Umständen getauscht oder wie im Kornhaus aus brandschutztechnischen Gründen ganz aufgegeben. Wichtig aber sei es mit einer modernen, angemessenen Museumslandschaft sich auch für den Bereich Tourismus den Erwartungen der Gäste anzupassen. Das Thema „Römer“ soll weiter entwickelt werden, im Zumsteinhaus ist eine Ausstellung zur Stadtgeschichte angedacht, die sich insbesondere der Geschichte Kemptens als „Doppelstadt – Stifts- und Reichsstadt“ annehmen soll. Ein weiteres Thema, dem sich Kiechle widmet, ist der ÖPNV. Hier konnte der Rathauschef die Schaffung einer neuen Mobiltätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu vermelden (der Kreisbote berichtete). Ziel dieses Verbundes aus zehn regionalen Verkehrsunternehmen ist ein flächendeckendes Angebot mit einheitlichen Tarifen und besseren Informationen für die Nutzer zu schaffen. 

Bürger bringen sich ein 

Im Anschluss an die Ausführungen des OBs, gab es für die vielen Besucher der Bürgerversammlung die Möglichkeit mit den städtischen Referatsleitern Dr. Richard Schießl (Wirtschaft, Kultur und Verwaltung), Benedikt Mayer (Jugend, Schule und Soziales) und Tim Oliver Koemstedt (Planen, Bauen und Verkehr) in Dialog zu treten. Auch Herbert Beck von den Kemptener Verkehrsbetrieben stand Rede und Antwort. 

Abschließend wurden bei dieser Bürgerversammmlung noch einmal alle Wünsche der Bürgerinnen und Bürger in großer Runde unter Publikumsbeteiligung erörtert.  Jörg Spielberg

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