"Vier gewinnt"

Büssemaker zur FDP-OB-Kandidatin gewählt – Fraktionsstärke oberstes Ziel

+
Auch die FDP hat ihre eigene Oberbürgermeisterkandidatin. Für die Liberalen geht Gabriela Büssemaker an den Start. Sie war bereits vor Jahren Oberbürgermeisterin im badischen Ettlingen und umstrittene Mitarbeiterin vom einstigen Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel.

Kempten – Im Jahr 2003 hatte sich die FDP-Politikerin Gabriela Büssemaker um das Amt der Oberbürgermeisterin im badischen Ettlingen beworben. Damals war sie gegen den favorisierten Amtsinhaber der örtlichen CDU Josef Offele angetreten. Mit einem Bündnis aus verschiedenen Parteien hatte sich die Novizin gegen den Amtsinhaber mit 53,4 Prozent der Stimmen durchsetzen können. Heute, 16 Jahre nach diesem Erfolg, tritt die überzeugte Liberale ein zweites Mal an, um das Amt einer Oberbürgermeisterin zu bekleiden. Nur möchte sie dieses heute in ihrer neuen Heimat Kempten tun.

Am Montagabend traf sich der Kreisverband der FDP Kempten, um Gabriela Büssemaker als seine OB-Kandidatin zu küren und gleichsam seine 44 StadtratskandidatInnen zu wählen. Begrüßt wurden die rund 30 Versammelten, davon 17 Stimmberechtigten, in Rothkreuz vom FDP-Kreisvorsitzenden Frank Häring. Häring verkündete stolz, dass der Kreisverband der Liberalen in jüngster Vergangenheit um vier neue Mitglieder gewachsen sei, und bat Stadtrat Ullrich Kremser als Vorsitzenden Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion (zusammen mit UB/ödp) seinen Vorschlag für den Kandidaten zur anstehenden Oberbürgermeisterwahl zu machen. Der nannte Gabriela Büssemaker, die seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Kempten lebt. 

Die 63-Jährige ist Mutter von zwei Kindern und ist seit 42 Jahren verheiratet mit Dr. Michael Büssemaker, der ebenfalls Mitglied der Kemptener FDP ist. Büssemaker hatte es schon mit jungen Jahren ins europäische Ausland verschlagen, an der Deutschen Schule in Brüssel absolvierte sie 1974 das Abitur. Die überzeugte Europäerin ließ sich zur Anwalts- und Notariatsfachangestellten ausbilden und arbeitete in den folgenden Jahren als Büroleiterin bei verschiedenen Anwälten und Notaren. 1995 hat sie sich mit einer Veranstaltungsagentur selbstständig gemacht. Aktuell betreibt die Kauffrau neben ihrem politischen Engagement eine internationale Handelsagentur für Champagner. 

Als Themenfelder ihres lokalpolitischen Engagements benennt Büssemaker die Verbesserung der Kinderbetreuung, den Leerstand bei Geschäften zu mindern, das Stadtmarketing zu verbessern und das Mobilitätskonzept umzusetzen. Ebenso möchte die 63-Jährige das Ehrenamt fördern und Kempten noch mehr in Richtung „FairTradeTown“ bewegen. Im Rahmen ihrer Vorstellung wurde Gabriela Büssemaker auch auf die Negativschlagzeilen während ihrer früheren politischen Laufbahn angesprochen. Sie stritt die verschiedenen erhobenen Vorwürfe gegen sie ab. 

"Eine(r) geht noch"

Im Wahlgang wurde Gabriela Büssemaker von den 17 Stimmberechtigten mit 14 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme zur Oberbürgermeisterkandidatin gewählt. Sie nahm an und betonte, dass für sie die Tätigkeit einer Oberbürgermeisterin „den schönsten Beruf der Welt“ darstellt. Die 44 vorgeschlagenen Stadtratskandidaten,

wurden in ihrer Kandidatur ausnahmslos bestä- tigt. Die ersten zwölf stellten sich kurz den Wahlberechtigten vor. Alle machten deutlich, dass die FDP eine bürgernahe Politik anstrebe und „Politik auf Augenhöhe“ machen möchte. Oberstes Ziel ist es für die Liberalen, einen Stadtratsplatz mehr als bisher zu ergattern, um Fraktionsstärke zu erreichen und somit eigenständig in den Ausschüssen wirken zu können. 

Zwischen den Wahlgängen gab es Zeit zum politischen Austausch und so berichtete der neue Landtagsabgeordente Dr. Dominik Spitzer von seinen Erfahrungen von einem Jahr im Landtag. „Die FDP tut dem Bayerischen Landtag gut!“, sagte Spitzer, der unter anderem an der Spitze des Gesundheits- und Pflegeausschusses steht. 

Aus seiner Sicht sei auffallend, dass grundsätzlich und ausnahmslos alle Anträge aus den Reihen Opposition von der regierenden CSU abgelehnt würden. „Das hätte ich mir so nicht vorstellen mögen, ich hoffe aber, dass diese ‚Denke‘ in den CSU-Hirnen noch kippt“, so Spitzer. 

Da alle 17 stimmberechtigten FDP-Mitglieder des Kreisverbandes Kempten anwesend waren, tauschte man sich noch einmal über Themen wie das Seilbahnprojekt oder das Sparkassenquartier aus. 

Strikt zeigte sich die Ablehnung der FDP hinsichtlich der geplanten Stadtseilbahn. Ohne Gegenstimme sprachen sich die Liberalen, einschließlich ihrer OB-Kandidatin, gegen das aus ihrer Sicht teure Projekt aus. „Wir verlangen von der CSU, dass das von allen beschlossene und getragene Mobilitätskonzept 2030 umgesetzt wird“, so Stadtrat und MdL Dr. Dominik Spitzer.

 Beim Sparkassenquartier setzt die Kemptener FDP auf eine rege Bürgerbeteiligung. Ähnlich wie bei der Umgestaltung des Hildegardplatzes, bei der aus der Sicht mancher FDP-Stadträte mit der Abwendung der Tiefgarage Schlimmeres verhindert hatte werden können, möchte man im Sparkassenquartier eine einvernehmliche Lösung, die auch die Interessen der Anwohner mit einbeziehe.

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Verkehrsminister Reichhart will das Allgäu bei der Vernetzung der Verkehrsverbünde unterstützen
Verkehrsminister Reichhart will das Allgäu bei der Vernetzung der Verkehrsverbünde unterstützen
Anwohner protestieren gegen neue Wohnbebauung an der Breslauer Straße
Anwohner protestieren gegen neue Wohnbebauung an der Breslauer Straße
Wie reagiert der Mammutbaum auf das veränderte Klima?
Wie reagiert der Mammutbaum auf das veränderte Klima?

Kommentare