Bund Naturschutz Kempten-Oberallgäu wirbt auf seiner Jahreshauptversammlung für blühende Landschaften

Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren

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Kreisgruppen-Vorsitzende Christine Speer (li.) und die Geschäftsführerin der Bund Naturschutz Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu, Julia Wehnert, überreichten Björn Reichelt (Mitte) zum Abschied ein Dankeschön-Paket. Marcus Haseitl erläuterte die Bedeutung von blütenbunten Gärten für Biene, Hummel und Schmetterling. Kritik gab es an den Abholzungen und Kahlschlägen, wie zum Beispiel am Sportplatz an der Lindenbergschule.

Kempten – (Über-)Lebensräume für Insekten gestalten, Widerstand gegen die Skischaukel am Riedberger Horn und Erwachsenenbildung im Projekt „Blühendes Allgäu“ – so lassen sich die Aktivitäten der Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu des „Bund Naturschutz“ im Jahr 2017 zusammenfassen. Bei ihrer Jahreshauptversammlung in Kempten bilanzierten die Allgäuer Naturschützer die Aktivitäten des vergangenen Jahres, blickten auf die Projekte des laufenden Jahres und verabschiedeten ihren langjährigen Kreisvorsitzenden aus dem Vorstandsgremium.

Ins Kemptener Kempodium hatte die Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu des „Bund Naturschutz“ (BN) eingeladen und bereicherte die Jahreshauptversammlung mit einem pflanzen- und insektenreichen Vortrag von Marcus Haseitl vom Netzwerk „Blühende Landschaften“. Zuvor verabschiedete Kreisvorsitzende Christine Speer den langjährigen Vorsitzenden der BN-Kreisgruppe, Björn Reichelt, aus dem Kreisvorstand. Reichelt, der 13 Jahre die Kreisgruppe leitete und bis zuletzt als Schriftführer engagiert war, erklärte seinen Rücktritt mit der zeitintensiven Arbeit als Stadtrat in Immenstadt. Vor zwei Jahren war Reichelt als Nachrücker in den Immenstädter Stadtrat gekommen.

Den nächsten Tagesordnungspunkt bildete der Vortrag „bunt und brummt“ von Marcus Haseitl aus Bad Grönenbach. Der landwirtschaftliche Berater, Imker und Pädagoge begann seine Präsentation mit einer nachdenklich stimmenden Analyse des Lebensraumes von Biene, Hummel und Schmetterling. So stehen 50 Prozent aller Wildbienen- und Schmetterlingsarten auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Aber auch um die vom Menschen kultivierte Honigbiene stehe es nicht besonders gut und so gab Haseitl zu bedenken, dass im Winter 2016/2017 in Vorarlberg 50 Prozent der Bienenvölker verloren gegangen sind. „Wenn die Bienenvölker hungern und absterben, dann bekommt das kaum jemand mit. Manchmal auch der Imker nicht, denn Bienen sterben leise“, verdeutlichte Haseitl die Situation. Die Ursachen für den dramatischen Rückgang an Insekten seien vielfältig: Maismonokulturen, Einsatz von Pflanzen- und Insektengiften in der Landwirtschaft und in Privatgärten, blütenarme Gärten und geringe Artenvielfalt im Grünland. Einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Honigbiene habe darüber hinaus auch die intensive Imkerei und die künstliche Königinnenzucht. Bienenvölker, die durch diese Einflüsse geschwächt sind, seien deutlich anfälliger für den Befall durch die Varroa-Milbe.

Bienenvölker gehen verloren

Um die Lebensgrundlage für Biene, Hummel und Schmetterling wieder zu verbessern, warb der Hobbyimker für eine blütenreiche, giftfreie und abwechslungsreiche Umgestaltung privater Gärten. Da aber über 50 Prozent der Fläche in Deutschland landwirtschaftlich genutzt werde, könne die Situation für die Insekten nur zusammen mit den Landwirten verbessert werden. Viele Nutzpflanzen benötigen zur Bestäubung Insekten und somit müsste das Wohl dieser Tiere im ureigenen Interesse der Landwirtschaft sein.

Während Haseitl dazu aufforderte den für Insekten wertlosen Forsythien-Strauch durch heimische Sträucher und Gehölze zu ersetzen, kritisierte die Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe, Julia Wehnert, die zahlreichen Abholzungen und Kahlschläge bei Bäumen und Sträuchern in Kempten und dem Oberallgäu. Das zentrale Projekt der Bund Naturschutz Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu im Jahr 2017 werde der Widerstand und die gerichtliche Auseinandersetzung rund um die Skigebietserweiterung am Riedberger Horn und das Wasserkraftwerk Älpele an der Eisenbreche im Hintersteiner Tal. „Bei beiden Baumaßnahmen handelt es sich um Eingriffe in mehrfach geschützte Naturbereiche. Wenn diese Schutzkategorien ignoriert werden, dann sind weitere Erschließungen in den Alpen vorhersehbar“, warnt Wehnert. Mit der Einladung zur Teilnahme am Lehrgang Blühbotschafter des Interreg-Projektes „Blühendes Bodenseeland“ schloss Wehnert die Jahreshauptversammlung.

Bestäubung als Ökosystemdienstleistung

Indem Blütenbestäubung das Leben von Pflanzen und Tieren verbindet, ist sie die bedeutendste Schlüsselfunktion aller Ökosysteme. Pflanzen benutzen Tiere für Fortpflanzung und den Transport von Pollen. Als Gegenleistung bieten sie Nektar, Pollen Öle oder Duftstoffe an. Blütenbestäubung erhält die biologische Vielfalt aufrecht: Über 85 Prozent aller Pflanzen werden durch Tiere bestäubt. Sowohl eine Vielfalt der Pflanzen als auch Tiere, die von diesen Pflanzen leben, sind direkt auf die Blütenbestäubung angewiesen. 

Michael Schropp

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